FDP will zurück zur verbindlichen Grundschulempfehlung

Lesedauer: 5 Min
Welche Schule nach der Grundschule besucht wird, entscheiden im Südwesten allein die Eltern. Symbolbild.
Welche Schule nach der Grundschule besucht wird, entscheiden im Südwesten allein die Eltern. Symbolbild. (Foto: Bernd Wüstneck / dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Die Leistungen eines Kindes sollen nach Ansicht der Landtags-FDP beim Übergang auf eine weiterführenden Schule stärker eine Rolle spielen.

Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke und Bildungsexperte Timm Kern sprachen sich am Mittwoch in Stuttgart dafür aus, dass die Empfehlung einer Grundschule für eine weiterführende Schule verbindlich sein soll. Die beiden Politiker begründeten ihre Forderung damit, dass die baden-württembergischen Schüler in bundesweiten Leistungsvergleichen nur Mittelmaß sind und auch nicht besser werden. „Es ist Zeit gegenzusteuern“, sagte Rülke.

Timm Kern (FDP)
Timm Kern (FDP), spricht am 05.01.2018 beim Landesparteitag der FDP Baden-Württemberg. (Foto: Christoph Schmidt / DPA)

Die Grundschulempfehlung ist die Empfehlung der Grundschule dazu, welche weiterführende Schulart für ein Kind nach der vierten Klasse geeignet ist. Die grün-rote Vorgängerregierung hatte entschieden, dass die Empfehlung seit 2012/2013 nicht mehr verbindlich ist. Die Eltern können sich über sie hinwegsetzen und ihr Kind etwa auf ein Gymnasium schicken, obwohl es dafür keine Empfehlung hat.

Die FDP will die Rückkehr zur verbindlichen Grundschulempfehlung. Sind Eltern mit der Empfehlung nicht einverstanden, soll ihr Kind aber eine Aufnahmeprüfung absolvieren können. Bei einem guten Abschneiden könnte das Kind dann doch noch auf die Wunschschule gehen.

Es ist ja belegt, dass die Lehrer an den Grundschulen das  Leistungsvermögen der Kinder sehr gut einschätzen können.

Susanne Eisenmann, Kultusministerin

Damit positioniert sich die FDP bildungspolitisch im herannahenden Landtagswahlkampf. Rülke sagte, man wolle die Grundschulempfehlung zwar nicht zur zwingenden Bedingung für eine mögliche Koalition machen. Die bildungspolitische Handschrift der Liberalen müsse sich aber sehrwohl in einem möglichen gemeinsamen Regierungsbündnis wiederfinden.

Damit zielt die FDP auf die CDU. Deren Spitzenkandidatin, Kultusministerin Susanne Eisenmann, hatte jüngst erklärt, dass die Lockerung der Grundschulempfehlung ein Fehler gewesen sei. Zu viele Kinder gingen auf Schulen, die nicht ihren Leistungen und Fähigkeiten entsprächen. Die FDP ist die kleinste Oppositionsfraktion im Landtag. Die Landtagswahl ist 2021.

Eisenmann meint: „Es ist ja belegt, dass die Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen, die die Kinder über vier Jahre begleiten, ihr Leistungsvermögen sehr gut einschätzen können. Dieses Potenzial müssen wir nutzen.“ Sie hatte bereits angekündigt, an einem Konzept zu arbeiten, um die Grundschulempfehlung verbindlicher zu machen. Von einer Rückkehr zum alten Modell war bei ihr aber nie die Rede.

Nach Zahlen des Kultusministeriums hatten 11,4 Prozent der Kinder, die zum Schuljahr 2018/19 von der Grundschule aufs Gymnasium wechselten, nicht die entsprechende Empfehlung. Zum Schuljahr 2010/11, als die Empfehlung noch verbindlich war, betraf das nur 0,8 Prozent der Kinder. Drastischer sind die Zahlen bei den Realschulen: 24,2 Prozent der Kinder, die zuletzt auf diese Schulart wechselten, hatten nur eine Empfehlung für die Haupt- und Werkrealschule.

2010/11 betrug dieser Anteil noch 3,7 Prozent. Kinder konnten damals eine Schule ausnahmsweise ohne die entsprechende Empfehlung besuchen, wenn sie einen entsprechenden Test bestanden hatten. Zudem mussten sich die Eltern beraten lassen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen