Faktencheck: "Bombenanschlag gegen die Organisatoren der Corona-Demo"?

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Faktencheck
Deutsche Presse-Agentur

In Stuttgart hat es einen mutmaßlichen Brandanschlag auf Fahrzeuge gegeben, die Technik zu einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen hätten bringen sollen.

HINTERGRUND: In einem Artikel wird die Behauptung verbreitet, es habe sich um einen "Bombenanschlag gegen die Organisatoren der Corona-Demo" gehandelt. Zudem berichteten die Medien nicht über das Thema, heißt es.

BEWERTUNG: Für einen Bombenanschlag gibt es bislang keinen Beleg. Über die mutmaßliche Brandstiftung haben die Polizei und viele Medien berichtet.

FAKTEN: Die Polizei hat am 16. Mai 2020 eine Pressemitteilung über den Brand von drei Fahrzeugen auf dem Gelände einer Firma für Veranstaltungstechnik in Stuttgart-Untertürkheim in der Nacht zuvor veröffentlicht. Nach weiterführenden Angaben eines Polizeisprechers hätten die Fahrzeuge Technik zu einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen auf dem Cannstatter Wasen am selben Tag bringen sollen. Die Polizei vermutet Brandstiftung. Für einen Bombenanschlag als Ursache gibt es bislang keine Belege (Stand: 20. Mai 2020).

Umfangreiche Berichterstattung

Über die mutmaßliche Brandstiftung haben viele Medien berichtet - auch mit Verweis auf einen möglichen Zusammenhang mit den Demonstrationen in Stuttgart. So berichtete die "Stuttgarter Zeitung" unter der Überschrift "Unbekannte sollen Technik-Lastwagen angezündet haben" basierend unter anderem auf einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) schon am Morgen des 16. Mai über den Vorfall.

Die dpa-Meldung wurde auch von vielen überregionalen Medien aufgegriffen. Das Portal "Tag24" veröffentlichte Fotos vom Feuerwehreinsatz (http://dpaq.de/dPaXX). Die "Bild"-Zeitung berichtete - wie im geprüften Artikel erwähnt - unter anderem mit einem Video (http://dpaq.de/31axH).

Polizei widerspricht Gerüchten

Im Artikel ist von einem "Bombenanschlag gegen die Organisatoren der Demonstrationen" die Rede. "Nur durch Glück" habe es keine Toten gegeben, "denn die Organisatoren hatten in der Nacht Ausrüstung in die LKW verladen und den Ort des Geschehens erst kurz vor den Explosionen verlassen."

Die Quelle für diese Schilderung ist nicht näher benannt. Die Mitteilung der Polizei erwähnt einen solchen Ablauf nicht. Nach Auskunft eines Polizeisprechers waren die Lastwagen zum Zeitpunkt des Brandes nicht beladen.

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