Energiesparen an der Waschanlage: Kretschmanns Dienstwagen wird nur kalt gewaschen

Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, fährt Daimler. Für sein Auto gibt es, wenn nötig, angebli
Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, fährt Daimler. Für sein Auto gibt es, wenn nötig, angeblich vor allem eine kalte Dusche. (Foto: Bernd Weißbrod)
Crossmedialer Volontär

„Ich kann doch keinen Fiat fahren!“ Kurz nach seinem Amtsantritt hat Deutschlands erster grüner Ministerpräsident vor seinen Parteifreunden gerechtfertigt, dass er in einer großen, schweren Staatskarosse durchs Ländle chauffiert wird. „Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg fährt einen Daimler. Basta.“, sagte er ein anderes Mal. Der Landeschef wollte die Diskussion um sein „heiliges Blechle“ damit beenden. In Zeiten der Energiekrise geht es aber nun um die Frage: Wie steht es um die Pflege des „liebste Kindes“ der Deutschen, dem Auto? Wie die Wagenwäsche am besten funktioniert, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen in den baden-württembergischen Ministerien, der bayerischen Staatskanzlei und beim ADAC.

Diese Autos fahren die Ministerpräsidenten

Kretschmann fahrt natürlich Daimler, sein Amtskollegen Markus Söder (CSU) ist BMW-Fahrer. Der Südwest-Regierungschef hat im Februar ein neues Auto von Mercedes-Benz ausgeliefert bekommen. Eine rein-elektrische S-Klasse, Modell EQS. Die 2585 Kilogramm schwere Staatskarosse mit mehr als 520 PS wurde laut Mercedes CO2-neutral im Sindelfinger S-Klassen-Stammwerk gebaut.

Wie wird Kretschmanns Wagen gewaschen?

Und möglichst CO2-neutral soll der Wagen mit dem amtlichen Kennzeichen S-HC-6570-E wohl auch gepflegt werden. Für Kretschmanns Auto gibt es angeblich vor allem eine kalte Dusche. „Die Fahrer der Hausspitze waschen die Dienstwagen selbst, heißes Wasser kommt dabei nicht zum Einsatz“, teilt das Staatsministerium mit. Außerdem gebe es eine Waschstelle beim Regierungspräsidium Stuttgart. Die dürfen auch die Fahrer des Ministerpräsidenten gelegentlich nutzen. Und: „Gelegentlich werden auch offizielle Waschstraßen an Tankstellen verwendet.“ Trotzdem betont das Staatsministerium: „Alle sind angehalten, die Dienstfahrzeuge so wenig wie möglich zu waschen.“

Was der Landwirtschaftsminister anders macht

Andere am Kabinettstisch halten im Gegenzug zum grünen Ministerpräsidenten nicht viel vom händischen Waschen der Dienstwagen. Zum Beispiel Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Sein Haus ist sich sicher: „Das Waschen eines Autos in einer Waschanlage benötigt aufgrund der optimierten Systeme der Anlagen deutlich weniger Wasser als ein händisches Waschen des Fahrzeugs.“ Darüber hinaus werde das Waschwasser in modernen Autowaschanlagen umweltgerecht wiederverwendet oder entsorgt. Orientierung bei Autowaschanlagen biete die Kennzeichnung mit dem Blauen Engel. Aber auch für die Wagenwäsche von Hand gibt es im Ministerium für den ländlichen Raum einen Tipp: „Bei einer händischen Wäsche des Autos ist zu empfehlen, Eimer und Schwamm zu verwenden und sparsam mit dem Wasser umzugehen.“

Die Unterschiede in den schwäbischen Minister-Garagen

Andere Ministerien geben an, die Wagen schlicht dann in eine Waschanlage zu bringen, wenn sie verschmutzt sind. Zu Regelmäßigkeiten äußert sich kaum jemand. Nur die Mitarbeiter von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) teilen mit, dass der Dienstwagen der Ministerin etwa alle ein bis zwei Monate in die Waschanlage kommt. Das Justizministerium erklärt, dass der Wagen von Ministerin Marion Gentges (CDU) unregelmäßig gewaschen werde: „Die Reinigungshäufigkeit ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie etwa der Anzahl der gefahrenen Kilometer, der Wetter- und Straßenlage sowie die Anzahl der auswärtigen Termine.“ Was das Energiesparen angeht, seien die Fahrer im Ministerium auf die „derzeitigen Mangellage hin sensibilisiert und nehmen auf diese Rücksicht“. Eine Autoreinigung werde nur in notwendigen Fällen durchgeführt.

Das sagt die bayerische Staatskanzlei

Jenseits der Landesgrenze, in Bayern, werden Fragen nach dem Waschen und dem Energiebedarf dafür, mit nur einem Satz beantwortet. „Die Dienstwagen der Staatsverwaltung werden gereinigt, wenn es notwendig ist und dann immer dem Bedarf entsprechend“, sagt der Pressesprecher der Bayerischen Staatskanzlei, Anton Preis.

Die wichtigsten Tipps des ADAC

Die Waschanlage ist im Gegensatz zu Eimer und Putzlappen das Mittel der Wahl, das der ADAC allen Autofahrern empfiehlt. „Auf privatem Grund dürfen Fahrzeuge generell nur mit klarem Wasser und beispielsweise Schwämmen oder Bürsten gereinigt werden, chemische Reinigungsmittel sind untersagt“, teilt der Verkehrsclub mit. In der Praxis jedoch sei jedoch, so der ADAC, von einer privaten Autowäsche abzuraten, denn es kann davon ausgegangen werden, dass immer Schmierfette, Öle oder andere chemische Stoffe mit abgewaschen werden.

Deshalb empfiehlt der Club, Autos und Motorräder nur in hierfür zugelassenen Waschanlagen oder auf Waschplätzen zu reinigen. Auch weil diese über Reinigungssysteme verfügten, die das Grundwasser schonen. Hierzu gibt es von der ADAC noch Tipps: „Vor der eigentlichen Wäsche sollten grobe Verschmutzungen wie etwa Blätter, die im Motorraum vor der Windschutzscheibe liegen, mit der Hand entfernt werden. Vogelkot, Insekten oder Baumharz sollten möglichst umgehend entfernt werden, schließlich greifen sie auf Dauer den Lack an.“ Salz, Sand und grober Dreck könne am einfachsten mit einem Hochdruckreiniger weggespült werden, damit der Lack bei der eigentlichen Reinigung nicht zerkratzt wird. Wie viel Energie- und Wasser für einen durchschnittlichen Besuch in der Waschanlage benötigt wird, sei beim ADAC laut einer Sprecherin noch nie erhoben worden.

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