Alfa-Chef Bernd Lucke (links) gratuliert Bernd Kölmel nach dessen Wahl zum Landesvorsitzenden.
Alfa-Chef Bernd Lucke (links) gratuliert Bernd Kölmel nach dessen Wahl zum Landesvorsitzenden. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Klaus Wieschemeyer
Redakteur

„Wir alle sind ein bisschen traumatisiert von der AfD“, sagt Helmut Schneider aus Wolfach im Schwarzwald. Darum sei er auch an diesem Sonntag mit gemischten Gefühlen zur Gründung des Alfa-Landesverbandes in den Cannstatter Kursaal gekommen, räumt er ein. Doch nun sei alles anders. „So macht Politik Spaß“, bilanziert Schneider nach knapp anderthalb Stunden Parteitag. Denn die sind das Gegenbild zu den AfD-Landesparteitagen der vergangenen zwei Jahre: Zankten sich deren Flügel um diese Uhrzeit noch um Tagesordnung, Satzung oder Versammlungsleitung, macht Alfa Tempo: Versammlungsregularien, Parteigründung, Satzungsverabschiedung und Wahl des Landeschefs – alles bereits erledigt.

Von den 98 Stimmberechtigten kommen keine Gegenstimmen, kaum Wortmeldungen: Es geht Schlag auf Schlag.

Attacken auf Polit-„Zombie“ AfD

Alfa-Landeschef wird – ohne Gegenkandidat und ohne lange Aussprache – der frühere AfD-Landesvorsitzende Bernd Kölmel: Von 94 abgegebenen Stimmen bekommt der EU-Abgeordnete 93, eine Stimme ist ungültig. Das macht 98,9 Prozent. Kölmel lobt die „konstruktive, angenehme Atmosphäre“ im Saal. Alfa soll eine Partei werden, „wo man sich gerne trifft“, sagt er. Ein Ort der Debatte, nicht des Streits.

Die im Juli gegründete Alfa soll so werden, wie Kölmel und Bundesparteichef Bernd Lucke sich die AfD gewünscht haben. Nicht, wie sie geworden ist. Lucke ist als Gaststar nach Stuttgart gekommen und zieht unter lautem Applaus gegen seine frühere Schöpfung vom Leder: Die AfD aus dem Gründungsjahr 2013 sei „tot“, ein „Zombie dessen, was wir früher errichtet haben“. Die Partei habe ihre programmatische Breite verloren und sei auf dem Weg nach rechts, werde so wie die „Republikaner“, „Die Freiheit“ oder die „Pro“-Parteien, sagt Lucke. Und greift frühere Südwest-Parteikollegen als rechtslastig an: AfD-Schiedsgerichtsmitglied Dubravko Mandic habe Barack Obama in einem Internetforum „Quotenneger“ genannt, Junge-Alternative-Funktionär Markus Frohnmaier sei Mitglied der rechten „German Defense League“ gewesen und Stuttgarts Stadtrat Heinrich Fiechtner habe den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ vergleichen. „Wer solche Menschen wählen will, muss von allen guten Geistern verlassen sein“, sagt Lucke. „Die wahre Alternative ist Alfa“, ruft er unter kräftigem Beifall der Mitglieder.

Besonders in der Flüchtlingsdebatte bemüht sich Lucke um Abstand nach Rechtsaußen. Ängste in der Bevölkerung seien ernst zu nehmen. Doch Flüchtlingsheime seien der falsche Ort, um mit Demos auf Probleme hinzuweisen. Zwar gelte das Urteil des Wirtschaftswissenschaftlers Milton Friedman, ein Land könne nicht gleichzeitig einen Sozialstaat und offene Grenzen haben, weiter. Doch ein Staat könne auch nicht gleichzeitig christlich-humanistisch geprägt sein und seine Grenzen schließen. „Das begreift die AfD nicht“, sagt Lucke.

311 Mitglieder im Südwesten

Alfa will nach Worten von Landesparteichef Kölmel bei der Landtagswahl in weniger als sieben Monaten antreten. „Es wird ein Kraftakt“, sagt Kölmel. Aber man werde es schaffen, zumal viele der nach Alfa-Angaben aktuell 311 Mitglieder und -interessierten Parteierfahrung mitbringen. Kölmels drei am Sonntag frisch gewählte Stellvertreter waren alle in der AfD und vorher in anderen Parteien: Ronald Geiger (93,8 Prozent) und Jan Rittaler (84,4 Prozent) waren früher bei der FDP, der Mannheimer Stadtrat Gerhard Schäffner (84,4Prozent) war bereits in mehreren politischen Gruppierungen unterwegs.

Einen Entwurf für ein Landeswahlprogramm gibt es auch schon. Darin fordert Alfa unter anderem ein Ende des Euro, die Rückkehr zur verbindlichen Grundschulempfehlung und Stipendien für Medizinstudenten, die sich verpflichten, als Ärzte im Ländlichen Raum zu arbeiten.

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