Fürst Georg von Waldburg-Zeil im Mai 2008 in seinem Arbeitszimmer.
Fürst Georg von Waldburg-Zeil im Mai 2008 in seinem Arbeitszimmer. (Foto: Anja Köhler)
Schwäbische Zeitung
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Mit Georg Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, der am 2. Dezember auf Schloss Zeil bei Leutkirch im Allgäu verstorben ist, hat die Region Allgäu und Oberschwaben eine ihrer prägenden Persönlichkeiten verloren.

In seiner Heimat firmierte er schlicht als „der Fürst“ – worin gleichermaßen Respekt wie Sympathie mitschwangen. Er war ein im besten Sinne erdverbundener Mann, der sein Herkommen aus dem deutschen Hochadel nie verleugnen konnte und wollte, dies aber auch immer als Verpflichtung empfand. In den Dörfern und Weilern rund um Schloss Zeil, dem Stammsitz der Familie, stand er über viele Jahrzehnte im Ruf eines fast väterlichen Mäzens, eines Patrons – ebenfalls im besten Sinne. „Der Fürst“ half immer, und er feierte gerne die Feste mit den Menschen. Seiner Familie war er geachtetes und geliebtes Oberhaupt.

Der Vater bekämpfte die Nazis

Kindheit und Jugend des Verstorbenen waren geprägt vom Nationalsozialismus – und ganz besonders von seinem Vater, dessen Widerstand gegen die braunen Diktatoren heute fast in Vergessenheit geraten ist. Dieser Vater, Erich Fürst von Waldburg-Zeil, hatte früh den unmenschlichen Kern der Nazi-Ideologie durchschaut. Er finanzierte Anfang der 1930er-Jahre dem Journalisten Fritz Gerlich die Zeitschrift „Der gerade Weg“ – eine publizistische Speerspitze gegen Hitler – und riskierte dabei nicht nur das Familienvermögen, sondern auch sein Leben und die Zukunft seiner Familie. Gerlich wurde 1934 von den Nazis ermordet. In einem Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ im Frühsommer vergangenen Jahres sagte der Fürst, es sei ihm ein „ganz großes Rätsel“, wie sein Vater den Nazi-Terror habe überleben können. Und es klang auch nachhaltige Verbitterung durch, wenn er davon berichtete, wie adlige Standesgenossen sich in dieser Zeit gegenüber Erich Fürst von Waldburg-Zeil verhalten hätten. Sein Vater habe aber bis zu seinem Unfalltod im Jahr 1953 „immer großen Wert darauf gelegt, dass er in dieser Sache nicht gerühmt wird“.

Seinem Sohn Georg aber waren der Mut und Widerstand des Vaters gegen die Nazis Vermächtnis. Es hat ihn Ende der 1950er-Jahre bewogen, sich als maßgeblichen Verleger und Miteigentümer der „Schwäbischen Zeitung“ und später auch der „Allgäuer Zeitung“ zu engagieren. Die wertkonservative Grundlinie seiner Zeitungen war ihm wichtig, ins Tagesgeschäft hat er sich nie eingemischt. Er vertraute der Redaktion. Neben diesem publizistischen Engagement startete Georg Fürst von Waldburg-Zeil, als ihm, noch nicht einmal 25-jährig, – er schrieb gerade an seiner Doktorarbeit in Volkswirtschaft – der Fürstentitel zufiel, eine beeindruckende wirtschaftliche Karriere. Er sei „ein begnadeter Unternehmer“ gewesen, sagen Menschen, die ihn kannten.

Die Zahlen untermauern das: Mit rund 10000 Hektar Forst und landwirtschaftlichen Flächen zählt die Familie heute zu den größten privaten Grundbesitzern Deutschlands. 1953 war der Besitz halb so groß. Der Fürst weitete seine unternehmerischen Aktivitäten aus: Das Haus Waldburg-Zeil ist stark in Rehabilitations- und Kurkliniken in Oberschwaben und im Allgäu engagiert und damit auch einer der großen Arbeitgeber der Region. Die operative Führung der Geschäfte hat der Verstorbene schon vor Jahren seinem Sohn Erich anvertraut, der jetzt als Chef des Hauses Waldburg-Zeil den Fürstentitel trägt.

Ähnlich wie sein im Dezember 2014 verstorbener Bruder, Alois Graf von Waldburg-Zeil, war Fürst Georg ein überzeugter Wertkonservativer und Europäer. Beide waren sie tief verwurzelt im katholischen Glauben. Während sich Graf Alois als langjähriger CDU-Bundestagsabgeordneter aktiv und in aller Öffentlichkeit für seine Heimat, für den europäischen Gedanken und vor allem für die Dritte Welt einsetzte, wirkte Fürst Georg eher im Hintergrund. Dabei hätte auch ihn eine politische Karriere gereizt. Nur: „Ein öffentliches Mandat wäre arbeitsmäßig nicht in Frage gekommen. Ich hätte es aber gerne gemacht“, sagte er vor Jahren der „Schwäbischen Zeitung“. Ein Abgeordnetenmandat sei nur hauptberuflich möglich.

Engagiert hat sich der Fürst dennoch: unter anderem im Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart, im Kreistag des Landkreises Ravensburg, als Präsident des Deutschen Aero-Clubs. Und – dies war ihm sehr wichtig – als Patronatsherr mehrerer katholischer Pfarreien, deren Fortbestand und Finanzierung ihm Verpflichtung war. Er hat auch den Mönchen der letzten verbliebenen Kartause in Deutschland, das ist die Marienau bei Bad Wurzach, Anfang der 1960er-Jahre die Ansiedlung ermöglicht.

Am wichtigsten war die Familie

Fürst Georg von Waldburg-Zeil war bis zum 70. Lebensjahr ein begeisterter Pilot. Der Flughafen in Leutkirch-Unterzeil geht auf seine Initiative zurück. Und – so berichten es Menschen aus seinem Umfeld – er war ein begnadeter Techniker. Er habe Autos entworfen und sie auch selber gebaut. Am wichtigsten – das hat er bei vielen Gelegenheiten wiederholt– war ihm aber seine große Familie. Aus der 1957 mit Marie Gabrielle Prinzessin von Bayern geschlossenen Ehe gingen fünf Töchter und ein Sohn hervor. 21 Enkelkinder sind im Laufe der Jahre hinzugekommen. „In ein großes Schloss gehört das glückliche Geschrei spielender Kinder“, hat Georg Fürst von Waldburg-Zeil vor Jahren im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ gesagt.

Geschäftsführung und Redaktion der „Schwäbischen Zeitung“ trauern um eine große Verlegerpersönlichkeit und einen noblen Menschen. Der Familie des Verstorbenen gilt unser tief empfundenes Beileid.

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