Ein Eilantrag gegen die Inobhutnahme wurde vom zuständigen Familiengericht kurz vor der Geburt abgelehnt.
Ein Eilantrag gegen die Inobhutnahme wurde vom zuständigen Familiengericht kurz vor der Geburt abgelehnt. (Foto: IMAGO IMAGES)
Stellungnahme des Jugendamts:

Die „Schwäbische Zeitung“ hat das Jugendamt Sigmaringen mit den Vorwürfen des betroffenen Ehepaars und der Anwältin konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Zum konkreten Fall wollte das Jugendamt gegenüber Dritten jedoch keine Aussagen treffen, „um Eltern und Kinder zu schützen“. Allerdings nahm es Stellung, „wie wir grundsätzlich in so gelagerten Fällen vorgehen“. Daraus Auszüge:

„Wenn eine dringende Gefahr für das Kindeswohls besteht und die Eltern nicht in ausreichendem Maße in der Lage sind, die Gefährdung abzuwenden, müssen Mitarbeiter des Jugendamtes über die Trennung des Kindes von seinen Eltern (sogenannte Inobhutnahme) entscheiden. Liegen uns beispielsweise Hinweise darauf vor, dass die Eltern mit dem Kind untertauchen wollen, muss die Entscheidung zur Inobhutnahme sofort getroffen werden.

Das Jugendamt trifft eine solche Entscheidung allerdings nur in akuten Krisensituationen und auch nur dann, wenn eine Entscheidung des Familiengerichts in Sigmaringen nicht abgewartet werden kann. Allein das Jugendamt kann und muss über die Inobhutnahme eines Kindes entscheiden. Bevor wir eine so weitreichende Entscheidung wie eine Inobhutnahme treffen, werden alle Informationen ausgewertet und untereinander abgewogen. So ist es durchaus möglich, dass Ärzte oder sonstige Beteiligte der Auffassung sind, dass die Eltern dazu geeignet sind, das Kind zu erziehen. Das Jugendamt prüft in diesem Zusammenhang natürlich auch, inwieweit es im familiären Umfeld ausreichend Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten gibt (zum Beispiel andere Elternteile, Verwandte etc.).Wir müssen allerdings unsere Einschätzung und unsere Erkenntnisse mit den Aussagen und der tatsächlichen Expertise und Glaubwürdigkeit der Beteiligten abwägen. Denn, wie gesagt, allein das Jugendamt hat alle Informationen vorliegen und kann und muss die Entscheidung treffen.“

Wenn die Eltern mit der Inobhutnahme nicht einverstanden sind, holt das Jugendamt sofort eine Entscheidung des Familiengerichts ein. Allein das Familiengericht kann dann entscheiden, ob den Eltern Teile des Sorgerechts entzogen werden müssen, um das Kindeswohl zu sichern. Es finden oft mehrere persönliche Anhörungen beim Familiengericht statt, bevor der Richter über langfristige Sorgerechtsmaßnahmen entscheidet.

Im von Ihnen genannten Fall hat, wie Ihnen ja bekannt ist, das Familiengericht am Amtsgericht Sigmaringen am 21.10.2019 rechtskräftig per einstweiliger Anordnung – also mit sofortiger Wirkung – entschieden, dass den Eltern das Sorgerecht entzogen wird.“

Anmerkung der Redaktion: Zu der einstweiligen Anordnung wird es zeitnah eine mündliche Anhörung geben. Bleibt es danach beim Entzug des Sorgerechts, kommt es vermutlich zu einer Hauptverhandlung. Bis dahin können nach Juristeneinschätzung jedoch eineinhalb bis zwei Jahre vergehen.

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Stellungnahme des Jugendamts:

Die „Schwäbische Zeitung“ hat das Jugendamt Sigmaringen mit den Vorwürfen des betroffenen Ehepaars und der Anwältin konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Zum konkreten Fall wollte das Jugendamt gegenüber Dritten jedoch keine Aussagen treffen, „um Eltern und Kinder zu schützen“. Allerdings nahm es Stellung, „wie wir grundsätzlich in so gelagerten Fällen vorgehen“. Daraus Auszüge:

„Wenn eine dringende Gefahr für das Kindeswohls besteht und die Eltern nicht in ausreichendem Maße in der Lage sind, die Gefährdung abzuwenden, müssen Mitarbeiter des Jugendamtes über die Trennung des Kindes von seinen Eltern (sogenannte Inobhutnahme) entscheiden. Liegen uns beispielsweise Hinweise darauf vor, dass die Eltern mit dem Kind untertauchen wollen, muss die Entscheidung zur Inobhutnahme sofort getroffen werden.

Das Jugendamt trifft eine solche Entscheidung allerdings nur in akuten Krisensituationen und auch nur dann, wenn eine Entscheidung des Familiengerichts in Sigmaringen nicht abgewartet werden kann. Allein das Jugendamt kann und muss über die Inobhutnahme eines Kindes entscheiden. Bevor wir eine so weitreichende Entscheidung wie eine Inobhutnahme treffen, werden alle Informationen ausgewertet und untereinander abgewogen. So ist es durchaus möglich, dass Ärzte oder sonstige Beteiligte der Auffassung sind, dass die Eltern dazu geeignet sind, das Kind zu erziehen. Das Jugendamt prüft in diesem Zusammenhang natürlich auch, inwieweit es im familiären Umfeld ausreichend Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten gibt (zum Beispiel andere Elternteile, Verwandte etc.).Wir müssen allerdings unsere Einschätzung und unsere Erkenntnisse mit den Aussagen und der tatsächlichen Expertise und Glaubwürdigkeit der Beteiligten abwägen. Denn, wie gesagt, allein das Jugendamt hat alle Informationen vorliegen und kann und muss die Entscheidung treffen.“

Wenn die Eltern mit der Inobhutnahme nicht einverstanden sind, holt das Jugendamt sofort eine Entscheidung des Familiengerichts ein. Allein das Familiengericht kann dann entscheiden, ob den Eltern Teile des Sorgerechts entzogen werden müssen, um das Kindeswohl zu sichern. Es finden oft mehrere persönliche Anhörungen beim Familiengericht statt, bevor der Richter über langfristige Sorgerechtsmaßnahmen entscheidet.

Im von Ihnen genannten Fall hat, wie Ihnen ja bekannt ist, das Familiengericht am Amtsgericht Sigmaringen am 21.10.2019 rechtskräftig per einstweiliger Anordnung – also mit sofortiger Wirkung – entschieden, dass den Eltern das Sorgerecht entzogen wird.“

Anmerkung der Redaktion: Zu der einstweiligen Anordnung wird es zeitnah eine mündliche Anhörung geben. Bleibt es danach beim Entzug des Sorgerechts, kommt es vermutlich zu einer Hauptverhandlung. Bis dahin können nach Juristeneinschätzung jedoch eineinhalb bis zwei Jahre vergehen.

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