Ein bisschen „Star Trek“ im Stuttgarter Hauptbahnhof

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Rund 670 Menschen informieren sich täglich im Turmforum (hinten links) im Stuttgarter Bahnhof über das Bahnprojekt Stuttgart 21
(Foto: dpa)
Kara Ballarin

Rund 245 000 Besucher haben sich dieses Jahr im Turmforum im Stuttgarter Bahnhof über das Milliardenprojekt Stuttgart 21 informiert – 15 000 mehr als im Vorjahr und damit so viele wie noch nie. Außerdem werde der Verein Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, der für die Bürgerinformation über das Projekt zuständig ist, mit Anfragen zu Baustellenbesichtigungen geradezu über- rannt. Das sagte der Vereinsvorsitzende Georg Brunnhuber am Dienstag in Stuttgart und kündigte an, 2016 noch stärker auf Transparenz zu setzen – unter anderem mithilfe von innovativer, virtueller Realität.

Als „vielleicht wichtigste Botschaft des Jahres“ wertete Brunnhuber in seinem Rückblick, dass das Land Baden-Württemberg seit Februar wieder vollwertiges Mitglied im Verein ist. Grün-Rot hatte nach der Regierungsübernahme die Mitgliedschaft auf Eis gelegt. Nun werde wieder „in großer Harmonie“ zusammengearbeitet. „Es führt zu einer erheblichen Entspannung in der öffentlichen Wahrnehmung, wenn das Land beteiligt ist“, so Brunnhuber. Die Zahlungen von je 600 000 Euro in diesem und im kommenden Jahr untermauere das Bekenntnis des Landes zum Verein.

Dem Verein stehen rund 3,5 Millionen Euro jährlich zur Verfügung, größter Zahler ist die Bahn mit rund 2,5 Millionen Euro. Neben Besichtigungen und Veranstaltungen werden damit ein Info-Mobil, das Turmforum sowie zwölf fest angestellte Mitarbeiter, 40studentische Hilfskräfte und 20qualifizierte Führer finanziert.

Der Verein kümmere sich seit Februar ausschließlich um Bürgerinformationen, während die Bahn für Infos zum Baufortschritt zuständig sei, betonte Brunnhuber. Auf das jüngst vom Beratungsbüro Vieregg Rössler vorgestellte Gutachten ging er dennoch ein. Es besagt, dass die Kosten für das Gesamtprojekt auf 9,8 Milliarden Euro steigen werden. Die Bahn versicherte daraufhin, mit 6,5 Milliarden Euro auszukommen. „Man kann auch fantasieren“, sagte Brunnhuber über das Gutachten. „Wir haben die Kosten im Griff“, 70 Prozent der Arbeiten seien bereits vergeben. Eine Kostenexplosion sei nicht möglich.

Wichtig sei ihm, den Menschen den Baufortschritt näherzubringen, so Brunnhuber. Deshalb freue er sich am großen Interesse der Bürger und vermehrt auch der Gäste aus dem Ausland. Die Baustellenbesichtigungen für 2016 seien bereits ausgebucht. 100 000 Menschen würden kommendes Jahr die Baustellen besuchen – die Nachfrage sei dreimal so groß.

Vom 4. bis zum 6. Januar lädt der Verein erstmals zu Tagen der offenen Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof ein (siehe Kasten). Dafür hat der Verein, gemeinsam mit der Firma Lightshape aus Stuttgart, einen Besuchermagneten im Programm: ein Holodeck, wie es Fans aus der Science-Fiction-Welt von „Raumschiff Enterprise“ kennen.

Mithilfe einer Brille tauchen die Besucher ein in eine virtuelle Realität, genauer: Sie können sich im Stuttgarter Bahnhof umschauen, wie er nach dem Ende der Bauarbeiten aussehen wird, und sich auf einer Fläche von fünf auf fünf Metern in vier Bereichen des künftigen Bahnhofs virtuell bewegen. „,Scotty, beam me up’ ist unser Arbeitstitel dafür“, sagte dazu Vereinssprecher David Bösinger in Anlehnung an den berühmten Satz aus „Star Trek“. Brunnhuber und Lightshape-Geschäftsführer Robin Wenk erklärten, dass der Einsatz dieser Technik – zumal für eine Baustelle – europaweit einzigartig ist.

Außergewöhnliche Einblicke

Bei den Tagen der offenen Baustelle vom 4. bis zum 6. Januar können sich Interessierte intensiv auf der Baustelle des Stuttgarter Hauptbahnhofs umschauen. Jeweils von 10 bis 16 Uhr gibt es etwa die Möglichkeit, die ersten 30 Meter der Tunnelröhre Feuerbach zu besichtigen, oder sich vor Ort über das Grundwassermanagement zu informieren. Die Baustelle mit ihren Baugruben ist vom Kriegsberg bis zum Planetarium geöffnet, Ingenieure und Arbeiter stehen zum Gespräch und zur Information bereit, Führungen werden angeboten. Eine Anmeldung ist nicht nötig, der Besuch ist kostenfrei. Mehr Infos hierzu gibt es im Internet unter: www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de

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