Deutsche Presse-Agentur
Jürgen Ruf

Ohne Kohle geht der historischen Dampflok die Puste aus. Für Lokführer Juri Hucklenbroich und Heizer Matthias Funk bedeutet das Schwerstarbeit. Die zwei Männer im Führerhaus der Lokomotive 262 BB schaufeln im Minutentakt Kohlestücke ins lodernde Feuer. Unterwegs sind sie mit der Sauschwänzlebahn. Die historische Eisenbahn mit ihren dampfenden Lokomotiven ist eine der bedeutendsten Museumseisenbahnen Deutschlands und eine über den Schwarzwald hinaus bekannte Touristenattraktion.

Wenn Hucklenbroich und Funk mit der Dampflokomotive in Blumberg in den Bahnhof einfahren, sind sie ein beliebtes Fotomotiv. Passagiere, die sich auf eine Fahrt mit der Bahn freuen, beobachten die zwei Männer bei ihrer Arbeit. „Wir sind ein rollendes Museum“, sagt der Geschäftsführer der Bahn, Christian Brinkmann. Touristen kommen aus dem In- und Ausland. Die Bahn im Schwarzwald-Baar-Kreis zieht laut Betreiber jährlich mehr als 95 000 Fahrgäste an. Hucklenbroich (45) und Funk (48) sorgen dafür, dass alles läuft. Ohne sie und ihre Arbeit stünde die Bahn auf dem Abstellgleis. „Ohne eine gewisse Leidenschaft für historische Eisenbahnen würde es nicht funktionieren“, sagt Hucklenbroich, als er gemeinsam mit Funk die aus 135 Tonnen Stahl bestehende Lok besteigt. Das digitale Zeitalter lassen die zwei Männer zurück, hier geht alles mechanisch. Gefragt ist Handarbeit.

Fingerspitzengefühl und volle Kraft voraus

Die Lokomotive aus dem Jahre 1954 hat vier Tonnen Kohle und 11 000 Liter Wasser an Bord. „Es braucht Fingerspitzengefühl“, sagt Heizer Funk, während er zur Schaufel greift. Pro Betriebstag brauche er etwa 1,8 Tonnen Kohle. Wirft er zu viel davon in den Feuerkessel, geht die Wassertemperatur nach oben und die Lok dampft zu stark. Bei zu wenig Kohle ist die Fahrt schnell zu Ende. Es ist heiß, staubig und laut am gemeinsamen Arbeitsplatz von Heizer und Lokführer. Doch ist die Lok erst einmal richtig in Fahrt, entsteht Eisenbahnromantik. „Hümmelchen“ nennt Hucklenbroich die dampfende Zugmaschine. „Weil sie so schön und gleichmäßig schnauft.“ Die Strecke ist einmalig und führt durch eine idyllisch anmutende Landschaft: Sie ist 25 Kilometer lang, überwindet 231 Höhenmeter, führt durch sechs Tunnelbauwerke und über vier historische Viadukte. Die Strecke schlängelt sich den Berg hinauf und hinunter und erinnert optisch an ein geringeltes Schweineschwänzchen. Das erklärt den Namen Sauschwänzlebahn. Die Bahn und ihre Besatzung fährt die Strecke vier Mal am Tag – etwa 100 Kilometer insgesamt. Die Saison dauert noch bis zum 20. Oktober, danach dürfen alle über den Winter verschnaufen.

Von dem Duo auf der Lok ist immer volle Konzentration gefragt, die Verantwortung ist groß. 262 BB zieht bis zu sieben historische Waggons mit mehr als 500 Passagieren hinter sich her. Die Sicherheit der Fahrgäste liegt in den Händen der zwei Männer. Hohes Tempo spielt für die Fahrt keine Rolle. Gefahren wird maximal mit Tempo 45, mehr braucht es bei einer Museumseisenbahn nicht.

1,8 Tonnen Kohle pro Tag

„Uns eint die Begeisterung für historische Eisenbahnen“, sagt Heizer Funk. Ihren Fahrgästen geht es ähnlich: Bei Stopps in Bahnhöfen drängeln sie sich an und auf die Lok, um sich ein Bild zu machen. Und Kinder fragen meist, ob sie ein Stückchen Kohle mitnehmen dürfen. „Klar“, sagen Heizer und Lokführer dann, bevor die Fahrt weitergeht. „Die meiste Arbeit haben wir vor und nach der Fahrt“, erzählt Hucklenbroich. Morgens muss die Lok erst einmal geheizt und warm werden. Zwölf Schubkarren Holz braucht es und einen in Öl getränkten Lumpen, um das Feuer zu entfachen. Danach wird mit Kohle gefeuert. Und am Ende des Tages muss die Lok von Schlacke, Ölresten, Staub und Asche befreit werden. Der Arbeitstag dauert so zwölf Stunden.

Die Sauschwänzlebahn macht die Faszination der nostalgischen Eisenbahn erfahrbar – und das über Generationsgrenzen hinweg. Rentner lassen sich ebenso begeistern wie Kinder, sagen die zwei Männer, die seit fünf Jahren zusammen auf der Lok stehen.

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