Der Qualm ist auch in Baden-Württemberg geblieben

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Schwäbische Zeitung

Allen Nichtraucherschutz-Regeln zum Trotz: Jede vierte Gaststätte in Baden-Württemberg bleibt verqualmt. Das hat eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ergeben, die am Mittwoch veröffentlicht worden ist. Die Autoren fordern deswegen, die vielen Ausnahmeregeln abzuschaffen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In 71 Prozent der Kneipen und Bars, in 84 Prozent der Spielhallen und sogar in 92 Prozent der Diskotheken wird nach wie vor geraucht. Hingegen sind Zigaretten in 87 Prozent der Speiserestaurants tabu.

Türen stehen offen oder fehlen

Dort, wo geraucht werden darf, werden oft die gesetzlichen Bestimmungen nicht eingehalten: Sechs von zehn Raucherräume und ebenso viele Rauchergaststätten entsprechen nicht den Vorschriften. So fehlen Hinweisschilder, der Zugang zur Toilette führt durch den Raucherbereich, Türen stehen offen oder fehlen völlig. Für die Studie überprüften die Forscher im Frühjahr diesen Jahres rund 1500 Betriebe in Baden-Württemberg.

Grund für den mangelhaften Schutz sind aus Sicht der Krebsforscher die bestehenden Regeln mit ihren vielen Ausnahmeklauseln. „Die Gesetze taugen nichts, die müssen weg“, sagt Martina Pötschke-Langer vom DKFZ bei der Vorstellung der Studie. „Die Ausnahmen sollten abgeschafft werden.“

Im grün-roten Koalitionsvertrag war vereinbart worden, den Nichtraucherschutz in Baden-Württemberg „konsequent weiterzuentwickeln“. Der Ravensburger Manne Lucha, bei den Landtags-Grünen zuständig für Soziales, fordert jetzt strengere Regeln nach bayerischem Vorbild: „Das Gesetz funktioniert in der Praxis nicht richtig und muss auf den Prüfstand.“ Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) hat derweil eine eigene Untersuchung zum Nichtraucherschutz in Auftrag gegeben.

Die Gastronomie-Branche sieht die Forderung nach schärferen Gesetzen skeptisch. „Ein Vollzugsdefizit mag es geben“, sagt Tobias Zwiener vom Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg der Schwäbischen Zeitung. „Aber dann wäre es sinnvoller, die bestehenden Regeln zu kontrollieren, anstatt die Ausnahmen abzuschaffen.“ Beschwerden der Kunden, dass in Gaststätten zu viel geraucht werde, hätten den Verband allerdings ohnehin nicht erreicht.

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