Blutspendevorräte in Baden-Württemberg reichen nicht einmal mehr für einen Tag

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In der Corona-Krise wollen in vielen Orten sogar mehr Menschen zur Blutspende kommen als zuvor. Das DRK kann sich mancherorts vo
In der Corona-Krise wollen in vielen Orten sogar mehr Menschen zur Blutspende kommen als zuvor. Das DRK kann sich mancherorts vor Freiwilligen kaum retten und die vielen Menschen wegen der strengen Bestimmungen oft gar nicht so leicht abfertigen. (Foto: Thomas Frey/dpa)
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Deutsche Presse-Agentur

"Die kürzlich erlassenen Lockerungen nach dem Shutdown sorgen für ansteigenden Blutbedarf in den Kliniken" warnt der DRK-Blutspendedienst für Baden-Württemberg und Hessen am Mittwoch in einer Mitteilung. Über Wochen waren planbare Operationen zuletzt aufgrund der Corona-Beschränkungen ausgesetzt, so gab es kaum Engpässe bei der Versorgung mit Spenderblut in den beiden Bundesländern.

Doch das ist plötzlich ganz anders: In Baden-Württemberg und auch in Hessen könne derzeit nicht einmal der Bedarf eines durchschnittlichen Tages abdeckt werden, sagte Stephan Küpper vom Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Mittwoch. Der Vorrat an Konserven reiche keine 24 Stunden.

„Corona hat das Blutspendewesen sehr deutlich durchgerüttelt“, so Küpper weiter. Grund dafür sei nicht etwa eine mangelnde Spendenbereitschaft, sondern der Wegfall vieler Gelegenheiten zur Blutspende etwa in Firmen oder Universitäten. 

Die Kliniken im Südwesten befänden sich trotz des aktuellen Mangels aber nicht in einer dramatischen Notsituation. „Niemand muss jetzt Angst haben, dass überlebensnotwendige Maßnahmen ausbleiben“, sagte Küpper. Allerdings müssten schon jetzt nicht dringende Operationen zum Teil abgesagt oder verschoben werden, um akut Blut zu sparen. Bei unvorhergesehenen Notfällen würde sich die Lage dann zwar zuspitzen, doch auch dann könnten sich die Bundesländer gegenseitig aushelfen.

Seit wenigen Tagen wird die Operationstätigkeit in den Kliniken wieder verstärkt hochgefahren. Folge ist eine extreme und schnelle Bedarfssteigerung.

DRK-Blutspendedienst

"Dank der überwältigenden Spendenbereitschaft in den vergangenen sieben Wochen konnte die Versorgung mit Blutpräparaten sichergestellt werden. Seit wenigen Tagen wird die Behandlungsfrequenz und Operationstätigkeit in den Kliniken wieder verstärkt hochgefahren. Folge ist eine extreme und schnelle Bedarfssteigerung", heißt es weiter vom DRK-Blutspendedienst.

Überraschenderweise sieht die Lage im benachbarten Bayern anders aus. "Wir haben in Bayern aktuell Reserven für etwa vier Tage", sagt Christian Kohl, Sprecher des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes auf Anfrage von Schwäbische.de. Das sei zwar nicht viel und die Lage könne sich jederzeit wieder ändern - doch angesichts der Umstände sei die Lage durchaus "okay". Bayern wäre sogar in der Lage, seinem Nachbarland in der Not auszuhelfen: "Ja, es gibt solche Abstimmungen und die Länder unterstützen sich gegenseitig", sagt er.

Zahlen und Fakten zur Blutspende

Warum es aber derzeit zwischen Baden-Württemberg und Bayern einen so großen Unterschied in der Versorgung mit Spenderblut gibt, kann sich Kohl nicht direkt erklären. In Bayern hätte es zu Beginn der Coronakrise zunächst weniger Spenderblut gegeben, weil es viel Verunsicherung bei den Spendern gegeben habe. Man habe das aber recht schnell in den Griff bekommen: "Wir haben dann massiv zu Blutspenden aufgerufen und die Spender haben sehr stark reagiert", so Kohl.

Ob das in Baden-Württemberg anders war, lässt sich gerade schwer feststellen. Ein Blick auf das Verbreitungsgebiet von Schwäbische.de zeigt aber zumindest, dass es im Ländle ein uneinheitliches Spendebild gibt. So gab es bei einer Blutspendeaktion in Friedrichshafen zuletzt eine hohe Spendenbereitschaft - aus Baienfurt wird dagegen gemeldet, dass zuletzt weniger Menschen zum Blutspenden kamen. In Kombination mit den bereits erwähnten, vielen ausgefallenen Spendeterminen in großem Maßstab scheint die Lücke nun eklatant zu sein. 

Aktuell ist unklar, wie schnell sich die Lage wieder beruhigt und ob der Hilferuf der Blutspender im Südwesten von genügend freiwilligen Spendern gehört wird, die die Konservenlager wieder füllen könnten. Fakt ist: Auch in Zeiten von Corona sind Blutspenden weiterhin unkompliziert und sicher möglich. Es gibt auch in der Region zahlreiche Möglichkeiten dafür.

  • Erstspender können weiterhin bis zum vollendeten 65. Lebensjahr Blut spenden.
  • Das maximale Spenderalter für Blutspender ist das vollendete 73. Lebensjahr.
  • Blut spenden darf aktuell nicht, wer in den letzten vier Wochen aus dem Ausland zurückgekehrt ist, hieß es beim DRK.
  • Personen, die Blut spenden möchten, können online einen Termin vereinbaren, um den Schutzmaßnahmen gerecht werden zu können. Hier geht es zur Anmeldeseite.
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