Frank Otfried July
Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, bei einem Interview. (Foto: Sebastian Gollnow/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Weihnachten kann aus Sicht des evangelischen Landesbischofs Frank Otfried July (64) auch eine stark belastende Zeit in Familien sein. „Ich bin nicht gegen Geschenke - das sage ich ganz deutlich, die machen auch Freude. Aber der Geschenkeberg wird immer größer, und die Geschenke werden immer kostspieliger“, sagte der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „Der Stress wird immer größer, das Richtige zu schenken. Und ich glaube, dass die Menschen dann am Heiligen Abend erst einmal fast unter einem Erschöpfungszustand leiden“, sagte er. „Ich glaube, die Bugwelle ist an Weihnachten sehr hoch.“

Auch bisher unausgesprochene Konflikte kämen in dieser Zeit auf den Tisch. „Und viele haben nicht gelernt, damit richtig umzugehen. Insofern kann die Familiensituation belastend sein, weil man alles reinpackt: alle Geschenke, alle Erwartungen, alle Gefühle“, sagte July. „Und deswegen ist es sicherlich auch eine gefährdete Zeit, wenn familiäre und freundschaftliche Konflikte vorher unbearbeitet blieben. Dann kann das schon ein Beschleuniger sein.“

Andererseits sieht der Geistliche Weihnachten auch als „eine große Chance“. „Weil wir durch den Gottesfrieden beschenkt werden. Da steckt ganz viel Entlastung drin.“

Zum Weihnachtsfest will sich July, der vier Kinder hat, Zeit für seine Familie nehmen. Am ersten Weihnachtsfeiertag komme seine Familie mit Enkeln in seinen Gottesdienst in die Stuttgarter Stiftskirche. „Und dann gibt es eine große schöne Begegnung, auf die ich mich sehr freue. Da haben wir dann wirklich Zeit füreinander.“ July leitet seit 2005 die Landeskirche in Württemberg mit etwa zwei Millionen Mitgliedern.

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