Die Bierprinzessinnen (von links) Carola Landgraf, Lisa Wagner, Veronika Ettstaller, Elisabeth Erhard, Stephanie Tiling und Car
Die Bierprinzessinnen (von links) Carola Landgraf, Lisa Wagner, Veronika Ettstaller, Elisabeth Erhard, Stephanie Tiling und Carolin Strobl in an einem Sudkessel in der „Gläsernen Brauerei“ im Kulmbacher Mönchshof. (Foto: dpa)
Wera Engelhardt

Die Frisur passt schon mal. Veronika Ettstaller – alle nennen sie Vroni – trägt ihr blondes Haar geflochten, zusammengesteckt und mit weißen Perlen geschmückt. Einer Bayerischen Bierkönigin würdig, darf man behaupten. Noch aber ist sie Bierprinzessin. Die 21-Jährige zählt zu den sieben Finalistinnen im Rennen um die Krone. Und bevor die in gut einem Monat auf dem Kopf der Siegerin landet, bereiten sich die Frauen intensiv auf die Wahl und ihr späteres Amt vor.

Im Museum des Kulmbacher Mönchshofs in Oberfranken stehen sie am Sudkessel der „Gläsernen Brauerei“ und erfahren, wie aus dem milchigen, beigen Gemisch darin goldfarbenes Bier wird. Sie schnuppern an Einweggläsern gefüllt mit verschiedenen Hopfen- und Malzsorten, später gibt es einen Vortrag über den Biermarkt.

Die Frauen – die jüngste 21, die älteste 48 Jahre alt – sollen sich mit dem Getränk, das sie später auf Festen und Messen repräsentieren sollen, vertraut machen. Denn, so sehen es der Bayerische Brauerbund als Veranstalter wie auch die Kandidatinnen: Für den Job braucht es mehr als nur ein hübsches Lächeln und die richtige Frisur. „Es geht nicht nur darum, irgendwo zu stehen und zu strahlen – man muss auch Ahnung von Bier haben“, sagt Vroni. Ihre Konkurrentin Marina Veronika Schicker, 25 Jahre alt, stimmt zu. „Die Brauer nehmen einen ernster, wenn man sich auskennt“, glaubt sie.

Alle Kandidatinnen eint zudem die Liebe zum Bier und zu ihrer Heimat. In ihrem späteren Amt möchten sie andere damit anstecken. Als Königin für ein Produkt oder eine Region zu werben, ist ein beliebter Job nicht nur in Bayern. Es gibt unüberschaubar viele Königinnen für alles Mögliche in Deutschland. Bier, Weizen, Spargel – fast jedes Produkt oder Naturerzeugnis kann eine eigene Regentin vorweisen. Es gibt bundesweite Königinnen, so wie die Deutsche Weinkönigin, die im September im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße gekrönt wurde, und ihre Pendants für einzelne Länder oder Regionen.

Böse Zungen könnten behaupten, das sei aus der Zeit gefallen. Claas Christian Germelmann, Professor für Marketing und Konsumentenverhalten an der Uni Bayreuth, sagt jedoch, dass Königinnen und Könige in der modernen digitalen Welt besonders viel bewirken könnten. „Das Thema Personalisierung und persönliche Ansprechbarkeit wird immer wichtiger“, erklärt er. „Man braucht Menschen, die interagieren, die reagieren.“

Es gehe um Authentizität – also Werbung, die gar nicht als klassische Werbung erscheint. So ähnlich funktioniert das Prinzip der Influencer. Da preisen Leute, die sehr viele Fans in den sozialen Netzwerken haben, auf meist lockere Art und Weise Lebensmittel, Kosmetik und Kleidung an, die sie scheinbar auch selbst gut finden.

Nicht immer müssten das Frauen sein, betont Germelmann. Im Gegenteil: Unternehmen oder Verbände sollten mutiger werden, auch mal einen König oder ein Paar wählen zu lassen. „Es gibt Studien, die zeigen, dass bewusst nicht-stereotyp ausgewählte Personen in Werbeanzeigen positiv aufgenommen werden“, erklärt er. Zum Beispiel ein Mann als Krankenpfleger oder die Soldatin. So könnten Unternehmen im Moment noch den Überraschungseffekt mitnehmen. „Und in Zukunft bilden sie die gesellschaftliche Normalität ab.“

Für den Bayerischen Brauerbund kommt nur eine Frau als Bierkönigin infrage – kein Mann und auch kein Paar. Im Vorstand sei das Thema nach einem männlichen Bewerber im vergangenen Jahr diskutiert worden, erzählt Geschäftsführer Walter König. Am Ende blieb alles beim Alten: „Die Königin ist für uns die einzig richtige Repräsentantin.“

Mit der Genderdebatte habe das nichts zu tun. Und auch nicht damit, dass eine Frau sich vielleicht optisch besser auf der Bühne, auf Fotos oder auf Plakaten macht. „Wir sind kein Modelcontest“, betont König. „Es geht um Inhalte und das Kommunizieren unserer Botschaften. Wer das anders sieht, muss zu Heidi Klum gehen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen