Betrug mit Wohnungsgenossenschaft: Haftstrafe für Gründer

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Statue Justitia
Die Statue der Göttin Justitia steht vor einem Gerichtsgebäude. (Foto: Stefan Puchner/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Für den Millionenbetrug mit der Stuttgarter Wohnungsbaugenossenschaft Eventus ist der Gründer und einstige Chef zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mit großen Versprechungen habe der heute 35-Jährige über Jahre hinweg Mitglieder für die Genossenschaft geworben und sie Geld einzahlen lassen, obwohl ihm klar gewesen sei, dass dahinter kein funktionierendes Geschäftsmodell gestanden habe, entschied das Stuttgarter Landgericht am Mittwoch. Der Vorsitzende der Wirtschaftsstrafkammer sprach von einem glasklaren Schneeballsystem, das der Angeklagte so lange wie möglich am Leben zu halten versucht habe (Az. 6 KLs 160 Js 38533/18). Eventus hatte im Herbst 2017 Insolvenz angemeldet.

Das Gericht ordnete auch die Einziehung von mehr als 1,2 Millionen Euro vom Angeklagten sowie von einer Eventus-Tochtergesellschaft an. Zudem wurde der 35-Jährige dazu verurteilt, diversen Klägern, die ihre Ansprüche in dem Verfahren gleich mit geltend gemacht hatten, zusammen mehr als zwei Millionen Euro zu zahlen.

„Der Angeklagte ist ein Lügner und Täuscher, wie ihn auch eine Wirtschaftsstrafkammer selten erlebt“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Anstelle einer Genossenschaft sei Eventus eine Ein-Mann-Gesellschaft gewesen - beherrscht und gelenkt vom Angeklagten. „Kontrolle, Aufsicht und ähnliche Dinge haben praktisch nicht stattgefunden.“ Der 35-Jährige habe den Anlegern als lukrativ verkaufte Immobilienprojekte falsch dargestellt oder gleich ganz erfunden, Protokolle von Sitzungen gefälscht und Überweisungen verschleiert.

Kein einziges Projekt sei von Anfang bis Ende erfolgreich durchgeführt worden. Eventus habe weder ein Vermögen aufgebaut noch Gewinne erzielt, mit denen die versprochenen Renditen hätten gezahlt werden können. Die angebliche Genossenschaft sei einzig ein „Selbstbedienungsladen des Angeklagten“ gewesen. Das Verfahren hatte sich nur um einen Zeitraum von zwei Jahren und eine Summe von fünf Millionen Euro gedreht. Hinzu kamen außerdem mehr als 600 000 Euro, die der 35-Jährige mit einer frei erfundenen, gar nicht existierenden Anleihe eingesammelt hatte.

Insgesamt hatte die Eventus seit der Gründung dem Gericht zufolge rund 9,4 Millionen Euro von Anlegern eingesammelt und zu großen Teilen aufgebraucht. Es sei daher auch sehr fraglich, ob die Geschädigten je etwas von ihrem Geld wiedersähen.

Herbe Kritik äußerte das Gericht auch an der Rolle des Verbandes baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (VBW), der für die Prüfung der Eventus-Geschäfte zuständig war. Das zweifelhafte Geschäftsmodell und die nicht vorhandene interne Kontrolle hätten die Prüfer erkennen müssen - spätestens im Laufe der Zeit, eigentlich aber schon ganz zu Beginn. „Die Eventus hätte niemals an den Start gehen dürfen“, sagte der Vorsitzende.

Gegen den Verband läuft ein aufsichtsrechtliches Verfahren, das laut Wirtschaftsministerium im April abgeschlossen werden könnte. Ein Gutachten sei bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass der VBW seinen Pflichten im Fall Eventus nicht in vollem Umfang nachgekommen sei.

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