Bei der Südbahn wartet das Land auf Zusagen aus Berlin

Lesedauer: 4 Min
Verkehrsminister Hermann treibt die Elektrifizierung der Südbahn voran. (Foto: sz)
Schwäbische Zeitung
Herbert Beck
Redaktionsleiter

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) will den Druck auf den Bund erhöhen, damit die noch fehlende Finanzierungsvereinbarung zwischen Land und Bund zur Elektrifizierung der Südbahn im Laufe dieses Jahres unterzeichnet werden kann. Noch in diesem Monat verhandelt er darüber mit Staatssekretär Michael Odenwald vom Bundesverkehrsministerium. Ein Termin bei dessen Chef Alexander Dobrindt (CSU) soll im ersten Quartal folgen. Das bestätigte auf Anfrage das Stuttgarter Verkehrsministerium.

„Wir müssen dem Bund mit aller Deutlichkeit klarmachen, wie wichtig der Ausbau der Strecke ist“, betonte ein Sprecher Hermanns. Berlin sei jetzt am Zug. Zudem lässt Hermann prüfen, ob EU-Zuschüsse möglich sind. Irritationen hatte eine Äußerung Hermanns vom Wochenende ausgelöst: „Wenn wir die Planungen dieses Jahr nicht unter Dach und Fach kriegen, steht das Projekt auf der Kippe“, wurde Hermann zitiert. Dabei hatte er am Rande der Einweihung des neuen Bahnbetriebswerks in Ulm von Bahnchef Rüdiger Grube die Zusicherung erhalten, dass auch dieser in Berlin noch einmal intensiv für die Südbahn werben werde.

Anders als beim Milliardenprojekt Stuttgart 21 stimmt bei der Südbahn offenbar die Chemie zwischen den Partnern. Ein Bahn-Sprecher spricht sogar vom Schulterschluss zwischen dem Land und dem Konzern. Tatsächlich gilt die Elektrifizierung der Südbahn parteiübergreifend als unumstritten. Doch noch immer fehlt die schon 2009 angekündigte Finanzierungsvereinbarung. Die Kosten sollen geteilt werden.

Teilstück bis Lindau unklar

Vorerst sind im Landeshaushalt für 90 Millionen Euro für die Modernisierung eingeplant. Basis war eine Kalkulation aus dem Jahr 2012. Danach sollte die Elektrifizierung 180 Millionen Euro kosten, 40 Millionen mehr als noch ein Jahr zuvor. Bald schon aber standen 226 Millionen Euro im Raum. Neuerdings rechnet das Ministerium nur noch mit 206 Millionen Euro. Die Bahn wollte diese Zahlen jedoch nicht bestätigen. „Wir müssen das Ergebnis der Planfeststellungsverfahren abwarten“, sagte der Sprecher.

Für zwei der vier Bauabschnitte im Südwesten sind die Unterlagen bereits ausgelegt gewesen, für die beiden anderen folgt das im April und Mai. Unklar ist die Lage für das Teilstück von Friedrichshafen nach Lindau. Klar ist, dass der für spätestens 2016 in Aussicht gestellte Abschluss der Arbeiten nicht zu halten ist. Von der Ausschreibung bis hin zur Inbetriebnahme benötigt die Bahn grob drei Jahre. Und zuvor Klarheit über die Finanzierung.

Ziel ist, die Fahrtzeiten zwischen Ulm und Friedrichshafen deutlich zu verkürzen. Die Südbahn ist eine der letzten nicht elektrifizierten zweigleisigen Hauptstrecken in Deutschland. Auch deshalb drängt die Bahn auf ein Aus für Dieselloks. Dann fällt, etwa in Ulm, bei Zügen von und nach Stuttgart zusätzlich die Zeit weg, um die Lokomotiven zu tauschen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen