Bayern will Schutzstatus des Wolfs lockern - so reagiert Baden-Württemberg darauf

Mindestens zwei Tiere sind im Alb-Donau-Kreis Wolfsangriffen zum Opfer gefallen.Foto: Patrick Pleul/dpa
Bayern will zur Abwehr von Gefahren für seine Alm- und Bergbauern den Schutzstatus des Wolfs zurückfahren. (Foto: Patrick Pleul / dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Leiterin Politik und Reportage

Bayern will zur Abwehr von Gefahren für seine Alm- und Bergbauern den Schutzstatus des Wolfs zurückfahren. Künftig könnte eine „kontrollierte Entnahme“ möglich sein, also ein gezielter Abschuss einzelner Wölfe. In Baden-Württemberg sieht man dazu keine Notwendigkeit.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sagte am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts, er erwarte, dass es Bewegung in der Sache gebe und der Wolf in der FFH-Richtlinie Natura 2000 der EU nicht mehr als strikt geschützte Tierart aufgelistet werde. Stattdessen könnte der Wolf dort als Art gelistet werden, bei dem eine „kontrollierte Entnahme“ möglich sei.

Im baden-württembergischen Umweltministerium reagiert man auf den Vorstoß aus Bayern reserviert. "Aus unserer Sicht gibt es keinen Handlungsbedarf beim Schutzstatus", erklärte ein Sprecher Schwäbische.de auf Nachfrage. Eine "letale Entnahme" - also ein Abschuss, sei auch jetzt schon, "wenn es einen Problemwolf gibt", so der Sprecher weiter. Ausnahmegenehmigungen könnten die Regierungspräsidien erteilen.

Bisher noch kein "Problemwolf" im Südwesten

Bisher habe es aber in Baden-Württemberg noch keinen Fall gegeben, bei dem dies nötig geworden sei, weil ein Wolf mit seinem Verhalten "den vorschriftsmäßigen Grundschutz überwunden" hatte.

Die Staatsregierung in Bayern forderte hingegen die Bundesregierung auf, die bisherigen Möglichkeiten der europäischen Richtlinie voll auszuschöpfen. Bereits jetzt sei dort vorgesehen, dass der Wolf in Ausnahmefällen abgeschossen werden könne. Diese Möglichkeit der „beschränkten Bestandsregulierung“ sei bisher von Deutschland nicht umgesetzt worden.

Es gehe auch darum, die harte Arbeit der Alm- und Bergbauern zum Erhalt einer diversen Kulturlandschaft in Bayern zu würdigen und zu schützen, sagte Glauber. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) betonte, man müsse sich die einzelnen Regionen Bayerns genauer ansehen.

So sei etwa der Zaunbau zum Schutz des Viehs vor Wölfen in sehr steilen Lagen nicht möglich. Kaniber kündigte an, es solle bis Herbst eine rechtlich belastbare Grundlage erarbeitet werden, damit Wölfe „ordentlich entnommen“ werden könnte, sollte es zu Übergriffen kommen.

In elf Regionen in Bayern streifen standorttreue Wölfe durch das Dickicht und vermehren sich. Heuer gibt es laut Experten zwischen 15 und 25 Exemplare. Mit einer Wachstumsrate von rund 30 Prozent deutschlandweit kämen jedes Jahr weitere dazu. Nachdem der Wolf für 150 Jahre ausgerottet war, erhole sich der Bestand des streng geschützten Tieres - zum Ärger vieler Bauern, die um Schafe und andere Weidetiere fürchten.

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