Baden-Württemberg: Freundschaft oder Vorbehalte? Das sagen Leser von Schwäbische.de

Lesedauer: 7 Min
14.11.2019, Baden-Württemberg, Uttenweiler-Offingen: Die Fahne Baden-Württembergs weht im Föhnwind während sich im Hintergrund d
Baden-Württemberg: Zweckgemeinschaft oder Freundschaft? (Foto: Thomas Warnack)
Schwäbische Zeitung

Vor 50 Jahren wurde endgültige besiegelt, dass Baden und Württemberg als Bundesland zusammengehören.

Ist von der einstigen Trennung heute noch etwas zu spüren? Wir haben unsere Leser befragt.

Hier eine Auswahl an Antworten:

Keine Trennung mehr zu spüren

Frank B.: "Meines Wissens geht das Schwabenland von Mannheim bis Augsburg, getrennt waren doch nur Baden und Württemberg. Aus den Fahnen dieser zweier Länder ging ja auch unsere neue hervor, Baden Gelb-Rot-Gelb und Württemberg Schwarz-Rot auf heute Schwarz-Rot. Um auf das eigentliche Thema zu kommen würde ich sagen, es ist keinerlei Trennung mehr zu spüren, allenfalls wird sich gegenseitig geneckt und find ich eher witzig als provokant."

Eher wie eine Familie

Harald S.: "Es ist weder eine Zweckgemeinschaft noch eine Freundschaft. Familiär trifft es eher. Ich kann es mir auch nicht mehr anders vorstellen."

Wir das Bier, die den Wein

Michael L.: "Gibt es die Grenze noch? Ja! Einerseits ist es die Sprache, die sich immer noch unterscheidet. Man erkennt sofort, ob einer von hieseits oder jenseits dr "Pfullendorfer Grenz" wohnt. Hieseits schwätzt mer Schwäbisch und drüba halt id. Auch das Partyvolk richtet sich unbewusst danach - hiesseits bleibt mer hübe und diesseits bleibt mer drübe. Austausch gibt's nur auf Vereinsebene, wenn Vereine von Hiesseits und Diesseits in derselben Liga spielen. Aber es ist nicht schlimm. Man ergänzt sich ja - wir können Bier, die können Wein. Somit muss keiner verdursten. Wir müssen uns nicht lieben, aber wir hassen uns auch nicht. Es ist dieselbe Konstellation wie zwischen Bayern und Franken und die Schwaben sitzen dazwischen. Hier sind es die Schwaben und die Gelbfiasler und die Hohenzollern sitzen dazwischen. Aber es gibt immer noch zu viele Bundesländer in Deutschland. Weitere Fusionen sollten erfolgen Brandenburg/Berlin, Niedersachsen/Bremen, Holstein/Hamburg, Rheinlandpfalz/Saarland."

Nur akustische Unterschiede

Rolf S. via Facebook: "Wir sind gemeinsam in einem Bundesland. Der Unterschied ist nur akustisch wahrzunehmen."

Noch nicht gegessen

Gebhard R.: "So ganz gegessen ist das Thema nach meiner Erfahrung noch nicht. Ich (Oberschwabe) kenne mehrere liebenswürdige Badener, die betonen, dass sie keine Schwaben seien, sondern Badener. Dabei haben - spätestens seit Napoleon - Landesgrenzen wenig mit Sprachgrenzen zu tun. Und da gab es auch noch das Land Hohenzollern. Zum Vergleich: Suchen Sie mal im Geschichtsatlas das Herzogtum Schwaben (13. Jahrhundert)."

Idioten gibt es überall

Anja M.: "Als gebürtige Badenerin, die seit elf Jahren hier im Schwabenland wohnt, kann ich sagen: Ich fühle mich hier wohl und habe die Schwaben in mein Herz geschlossen. OK, nicht alle. Aber Idioten gibt es bekanntlich überall - auch in Baden."

Gegenseitiges Necken ohne ideologische Verbohrtheit

Verena U.: "Ich habe vor über 40 Jahren als ein seltener Gast aus dem Schwabenland mein Studium in Freiburg aufgenommen. Meine Vermieter, Urbadener, haben mich freundlichst mit Familienanschluss aufgenommen und meine Fremdsprachenkenntnisse des einheimischen Dialekts nachhaltig verbessert. Das gegenseitige Necken erfolgte stets humorvoll ohne jede Spur von ideologischer Verbohrtheit. Erstaunlicherweise wiederholte sich diese spontane Verbrüderung vergangenes Jahr anlässlich eines mehrwöchigen Kuraufenthalts in Bad Krozingen. Der Zufall wollte, dass beide Tischnachbarn einheimische Südbadener waren. Selten so lustige Tage trotz des ernsten Hintergrunds erlebt. Was will die SZ mit diesem Artikel? Öl in nicht vorhandenes Feuer gießen mit absolut nicht vorhandenen Ressentiments?" (Anm. d. Red.: Nein, will sie nicht. Am Sonntag ist der 50. Jahrestag der 2. Volksabstimmung vom 7. Juni. Ein lokalhistorisches Ereignisse im Kontext der Gegenwart zu bewerten, ist durchaus legitim. Hier geht es keinesfalls darum, Antipathie zu schüren, die es in der breiten Bevölkerung gar nicht gibt, sondern eher die Betonung der Gemeinsamkeiten und des Mehrwerts des Zusammenschlusses. Die andere Seite erlebt man spziell beim Derby KSC gegen VfB mit wechselseitigen "Sympathiebekundungen").

Charmanter Wortschatz im Dialekt

Gabriele A.: "Meine große Wertschätzung gehört dem knitzen schwäbischen Mundschatz. Wie sagte kürzlich eine Witwe über ihren nicht lange verstorbenen Ehemann: "D'r Schada isch glei gschätzt". Als ich meinem Ehemann das "übersetzte", bekam er ganz große Augen."

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