„Autoritäre Gesellschaften brauchen Freiräume für Künstler“

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Intendant Christoph Nix.
Intendant Christoph Nix. (Foto: pr)

Die Bundesregierung müsste sich stärker in Ländern wie Burundi und Togo engagieren, auch das Goethe-Instutu tue zu wenig, das sagt der Intendant des Konstanzer Stadttheaters, Christoph Nix, im Gespräch mit Kerstin Conz.

Kann Theater die Welt verbessern, oder weshalb engagiert sich das Konstanzer Stadttheater auf fast allen Kontinenten?

Das Theater zeigt die Möglichkeit auf, dass die Welt besser sein könnte. Ich war 2001 das erste Mal in Afrika und habe zwei Wochen lang mit 120 Jungen in einem Gefängnis Theater gemacht. Das waren teilweise Bürgerkriegsflüchtlinge. Wir haben ihre Lebensgeschichte gespielt und versucht, eine Sprache für das zu finden, was sie erlebt haben. Das hat mich unheimlich berührt.

Sie waren im Iran, traten in Bagdad auf und machen demnächst wieder einen Workshop in Afrika. Fast überall machten Sie gute Erfahrungen. Wo machen Sie diese nicht?

In Togo wurden wir von der Polizei sehr reglementiert. Das Land ist sehr autoritär. Auch jetzt in Burundi habe ich Angst. Das Land steht kurz vor dem Bürgerkrieg. Die Bundesregierung müsste eigentlich viel mehr machen. Auch die Goethe-Institute machen zu wenig. Autoritäre Gesellschaften brauchen Freiräume für Künstler. Sonst entstehen keine Alternativen.

Was ist Ziel des Workshops jetzt in Burundi?

Bevor die beiden Regisseure aus Burundi hier bei uns nach Konstanz kamen, habe ich einen Regisseur und Theaterpädagogen nach Burundi geschickt. Zwei Wochen lang zeigten sie Lehrern und Schülern Techniken, wie man sich aus Unterdrückungssituationen befreien kann. Das geht auf Augusto Boal und seine Methodenreihe Theater der Unterdrückten zurück und ist eine Form des ästhetischen Widerstands. Die Menschen lernen, wie Vorurteile und Konflikte entstehen, etwa wie zwischen den Tutsi und Hutu.

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