Rauchmelder in privaten Gebäuden werden nicht von Behörden kontrolliert.
(Foto: dpa)
Landes-Korrespondentin

Ist es Panikmache oder eine ernstzunehmende Warnung? In sozialen Netzwerken und beim Kurzmitteilungsdienst Whatsapp kursieren bundesweit Meldungen über Trickbetrüger. Diese sollen sich Feuerwehrleute ausgeben, und wollten Rauchmelder kontrollieren. In der Wohnung würden sie aber nach Wertsachen Ausschau halten. Fest steht: Polizeidienststellen in Deutschland melden einzelne Betrugsversuche, in Tuttlingen sind es die Stadtwerke. Auf eine flächendeckend operierende Bande gibt es laut Polizei und Feuerwehr in Baden-Württemberg keine Hinweise. Der Fall zeigt, wie die Gesetze des Netzes sich auf Polizeiarbeit auswirken.

Einzelfälle bestätigt

Bestätigte Fälle gibt es vor allem aus Norddeutschland. Hier haben die Warnungen wohl ihren Ausgang genommen. „Es handelt sich definitiv nicht um eine klassische Falschmeldung“, sagt Frank Ziemann. Er arbeitet als Fachjournalist für Computersicherheit und betreibt die Seite hoax-info.de, die er mit der TU Berlin aufgebaut hat. Er geht Gerüchten im Netz nach und überprüft diese. Besonders häufig kursieren falsche Warnungen über Computerviren oder Probleme mit Software. Ziemann recherchiert, ob es eine verlässliche Quelle für die Meldung gibt – etwa Softwarehersteller, Bundesinstitute für IT-Sicherheit oder andere.

Beim Rauchmelderfall gibt es offizielle Quellen: Polizeidienstellen berichten von einzelnen Fällen. In Bremen sollen zwei vorgebliche Rauchmelder-Kontrolleure einer alten Dame Schmuck gestohlen haben. In Karlsruhe ermittelt die Polizei in zwei Fällen, in beiden wiesen die Bewohner die Männer ab.

Die Polizeipräsidien der Region warnen übereinstimmend vor solchen Trickbetrügern, doch bis Dienstagabend gab es nach Auskunft der Pressestellen keinen konkreten Verdachtsfall. Allerdings meldeten sich bei den Stadtwerken Tuttlingen am Dienstag mehrere Kunden. Dort hatten sich Männer fälschlicherweise als Angestellte der Stadtwerke ausgegeben und wollten angeblich Rauchmelder kontrollieren.

In Ulm kennt man zwar die Masche, allerdings aus dem Jahr 2015. Damals gab es zwei Fälle, in denen Trickbetrüger sich als Rauchmelder-Kontrolleure einschlichen. „Aktuell ist uns kein Fall bekannt, allerdings rufen uns sehr viele besorgte Menschen an“, sagt Polizeisprecher Uwe Krause. Sich als Kontrolleur von Gasheizungen oder Wasseruhren auszugeben, sei ein alter Trick. Seit Rauchmelder Pflicht sind, würden Betrüger nun eben auch diese als Vorwand nutzen. Eine neue Bande, die flächendeckend operiere, gebe es nach aktuellen Erkenntnissen nicht.

Täglich falsche Hinweise

Seine Kollegen aus dem Präsidium Aalen berichten ebenfalls von zahlreichen besorgten Anrufen. Diesen gehe man nach, aber konkrete Hinweise gebe es nicht. „Wir haben fast täglich mit falschen oder überzogenen Meldungen aus dem Netz zu tun“, sagt Sprecher Holger Bienert. Zu viele Menschen würden Nachrichten über Straftaten teilen, ohne nachzudenken. Dass in der Region einige Feuerwehren die Warnung vor Rauchmelder-Betrüger verbreiteten, wollte er nicht kommentieren. Der Landesfeuerwehrverband äußerte sich dazu auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ ebenfalls nicht. Polizist Bienert sagt aber: „Wir überprüfen alle diese Hinweise, zum Teil sehr aufwändig. Das belastet uns und geht auf Kosten anderer Aufgaben.“

„Bürger fühlen sich unsicher“

So will der Ulmer Polizeisprecher Krause das nicht ausdrücken. Hinweisen aus der Bevölkerung nachzugehen, sei eine Aufgabe der Polizei. Vielmehr Sorgen bereitet ihm etwas anderes. Die Bürger fühlten sich subjektiv nicht mehr sicher, wenn falsche oder überzogene Warnungen kursierten – etwa über die angebliche Entführung von Kindern.

Woher aber kommen solche Meldungen, die sich wie ein Kettenbrief im Netz verbreiten? IT-Experte Ziemann nennt mehrere Ursachen. Im Rauchmelder-Fall taucht eine Warnung irgendwo in Deutschland auf. Die werde ohne Ortsangabe geteilt. „Viele Menschen wollen hilfsbereit sein“, glaubt Ziemann. So werden Bürger in Bayern eben auch vor Trickbetrug in Bremen gewarnt – ohne direkt zu erkennen.

Manche Webnutzer hielten es für witzig, Geschichten zu erfinden. „Ich nenne das den Virus des kleine Mannes: Wenn man keine Schadsoftware programmieren kann, warnt man vor einer erfundenen.“

Schutz vor Betrügern

Weder Feuerwehren noch andere Behörden kontrollieren in Privatwohnungen, ob Rauchmelder eingebaut sind und funktionieren. Unter Umständen können Hausverwaltungen dies tun. Die Polizei warnt aber: Ob Rauchmelder, Wasseruhr oder Gasleitung, in der Regel kündigen sich Kontrolleure vorab per Post an. Wer unsicher ist, sollte den angeblichen Auftraggeber anrufen und fragen, ob es tatsächlich Kontrollen gibt.

Folgende Seiten informieren über Falschmeldungen im Netz:

hoax-info.tubit.tu-berlin.de/hoax

verein.mimikama.at

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