Politiker Daniel Cohn-Bendit (links) soll den Theodor-Heuss-Preis erhalten, Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsger (Foto: dpa)
Stefanie Järkel

Eigentlich soll der grüne Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit am 20. April für seine Verdienste um die Demokratie geehrt werden und in Stuttgart den renommierten Theodor-Heuss-Preis der gleichnamigen Stiftung erhalten. Nun bringt allerdings der Rückzug des Festredners für die Veranstaltung Unruhe in die Planungen.

Am Dienstag hat Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, der Theodor-Heuss-Stiftung abgesagt. Die Begründung: Bürger hätten ihn darüber informiert, dass „sich Herr Cohn-Bendit in einer Veröffentlichung Mitte der 70er-Jahre in nicht unproblematischer Weise zur Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern geäußert hat“, wie Bernd Odörfer, Sprecher des Gerichtes, am Donnerstag mitteilte. Er bestätigte damit einen Bericht der Stuttgarter Nachrichten. Odörfer betonte, dass „das Bundesverfassungsgericht in ganz besonderer Weise dazu gehalten ist, jeden Anschein zu vermeiden, es würde solche Aussagen billigen“. Eine Bewertung der Verdienste von Cohn-Bendit sei damit jedoch in „keiner Weise“ verbunden.

„Ständiger Flirt mit Kindern“

Der heute 67-Jährige hatte vor fast 40 Jahren in dem Buch „Der grosse Basar“ über seine Erfahrungen als Kindergärtner in Frankfurt berichtet. Dabei hatte er auch von sexuell motivierten Erlebnissen mit Kindern erzählt. „Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen“, heißt es an einer Stelle. Und weiter: „Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert (…) wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt.“

Diese Äußerungen sorgten bereits vor rund zehn Jahren für Diskussionen. Cohn-Bendit distanzierte sich mehrfach und verteidigte sich auch mit einem Brief der Eltern und Kinder aus dem früheren Kindergarten, die ihn entlasteten. Der Schwäbischen Zeitung sagte er am Donnerstag: „Das, was ich geschrieben habe, ist aus heutiger Sicht unerträglich. Es wurde mit Recht angegriffen.“ Er betont, dass er mit seinen Aussagen damals nur für Aufregung habe sorgen wollen: „Die Szenen gab es nicht, es ist eine reine Provokation gewesen.“

Cohn-Bendit hat der FDP-nahen Stiftung nun nach eigenen Angaben angeboten, auf den Preis zu verzichten. Gegenüber der Schwäbischen Zeitung betonte Geschäftsführerin Birgitta Reinhardt am Donnerstagvormittag allerdings noch, man werde an dem Preisträger „festhalten“. Sie sagte: „Wir zeichnen Herrn Cohn-Bendit nicht für sein Lebenswerk aus, sondern für seinen Beitrag zur streitbaren Demokratiekultur.“ Die Vorwürfe seien der Stiftung bekannt gewesen und 2001 allgemein bereits ausgiebig diskutiert worden.

Birgit Homburger, Landesvorsitzende der FDP, tut sich allerdings grundsätzlich mit „dem Lebenslauf, den Haltungen und Einstellungen“ des linksalternativen Cohn-Bendits schwer: „Ich glaube, Theodor Heuss würde sich im Grabe umdrehen.“ Sie könne Herrn Voßkuhle und seine Absage verstehen. „Aber ich finde: Es gibt noch tausend andere Gründe, Herrn Cohn-Bendit nicht zu ehren.“ Die 1964 im Namen des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss (FDP) gegründete Stiftung verleiht den Preis jährlich an Vorbilder für demokratisches Verhalten und freiheitliche Gestaltung des Zusammenlebens.

Frühere Preisträger waren unter anderem Rita Süssmuth (CDU), ehemalige Bundesgesundheitsministerin, und der Theologe Hans Küng.

Die Stiftung will übrigens keinen neuen Festredner für die Veranstaltung anfragen. Ludwig Theodor Heuss, Enkel des Bundespräsidenten und Stiftungsvorsitzender, soll die Rede zum Thema „Neue Wege in der Demokratie“ halten.

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