Allgäuer Landwirte nach Tierschutz-Skandal vor Gericht

Justitia
Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. (Foto: Arne Dedert / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Weil sie für die Leiden von 54 Kühen verantwortlich sein sollen, stehen zwei Allgäuer Landwirte von Dienstag (9.30 Uhr) an vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern, Vater und Sohn, vor allem vor, nicht dafür gesorgt zu haben, dass ein Tierarzt kranke Rinder in ihrem Betrieb behandelt. Manche Tiere mussten deswegen nach Kontrollen der Ställe notgetötet werden.

Die Männer müssen sich vor dem Landgericht Memmingen aber auch verantworten, weil sie 15 Kühe gekauft, aber nicht für sie bezahlt haben sollen. Zudem sollen sie Mitarbeiter auf ihren Höfen schwarz beschäftigt haben.

Urteil für Ende Oktober erwartet

Ursprünglich sollte das Verfahren schon im vergangenen Jahr beginnen. Es wurde aber verschoben, weil die Strafkammer vorrangige Verfahren abarbeiten musste. Insgesamt sind für den Prozess nach Angaben des Landgerichts 15 Verhandlungstermine geplant, mit einem Urteil wäre demnach Ende Oktober zu rechnen.

Der Betrieb in Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) war 2019 im Zuge des sogenannten Allgäuer Tierschutz-Skandals in die Schlagzeilen geraten. Damals waren insgesamt fünf Allgäuer Betriebe ins Visier von Ermittlern geraten, nachdem eine Tierschutz-Organisation Videoaufnahmen veröffentlicht hatte, die Fälle von Tierquälerei auf einem Bad Grönenbacher Großbetrieb zeigen sollen.

Zu sehen war dort unter anderem, wie ein Rind mit dem Bein an einem Schlepper befestigt durch den Stall gezogen wird. Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat Anklage gegen Leiter und Mitarbeiter des Betriebs erhoben, ein Prozesstermin steht bislang nicht fest. Insgesamt war gegen die Verantwortlichen von drei Höfen aus dem Raum Bad Grönenbach ermittelt worden, darüber hinaus auch gegen die Leiter zweier Betriebe aus dem benachbarten Landkreis Oberallgäu.

Bereits im Dezember 2021 drei Oberallgäuer Landwirte verurteilt

Das Landgericht Kempten verhängte im Dezember 2021 in einem Verfahren gegen drei Oberallgäuer Landwirte wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz Bewährungsstrafen. Die Eltern und ihr erwachsener Sohn hatten einen Teil ihrer Rinder nach einem schweren Autounfall des Sohnes über längere Zeit vernachlässigt. Mehrere Tiere mussten wegen ihrer Leiden nach Kontrollen notgetötet werden.

Nach Angaben des Memminger Landgerichts haben die beiden Bad Grönenbacher Landwirte, die nun vor Gericht stehen, zu den Vorwürfen bisher entweder geschwiegen oder sie pauschal bestritten. Sollte das zum Prozessauftakt so bleiben, steht dem Gericht eine Menge Arbeit bevor. Bei jedem angeklagten Fall von Tierquälerei müssten dann Zeugen vernommen, Urkunden verlesen und Experten angehört werden.

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