Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) im Gespräch mit Südlink-Gegnern: Solche Treffen würde sich die Ministerin künfti
(Foto: dpa/Archiv)
Rasmus Buchsteiner und Ulrich Mendelin

Baden-Württemberg und Hessen lehnen den Vorstoß der bayerischen Staatsregierung zur Verlagerung der geplanten „Supertrasse“ Südlink nach Westen strikt ab.

„Wenn man sich die Vorschläge Bayerns ansieht, stellt man fest, dass es offensichtlich darum geht, die Übertragungstrassen so gut wie möglich um Bayern herumzuführen – auf Kosten anderer Länder: Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen“, kritisierte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne).

Scharfer Widerspruch kommt auch aus Hessen. „Egal, was in Bayern gedacht, geredet oder geschrieben wird, es wird keine Verlagerung der Trassenführung gegen die hessischen Interessen geben“, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Sonntag im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. „Wir werden gegen diese bayerischen Vorstellungen Widerstand leisten.“

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte am Wochenende einen Vorschlag präsentiert, nach dem der geplante Verlauf dieser Stromautobahn nach Westen verschoben werden soll – mit der Folge, dass sie hauptsächlich durch Hessen und Baden-Württemberg führen würde. Damit würden die Netzausbauplanungen für die Südlink-Trasse zurück auf den Anfang gesetzt.

Für Südlink sei „im Fall des Bedarfsnachweises eine Stammstreckenführung bis Kupferzell/Großgartach zu realisieren“, heißt es in einer Stellungnahme des bayerischen Wirtschaftsministeriums zu einem aktuellen Entwurf der Bundesnetzagentur, aus der der Bayerische Rundfunk zitiert.

Kupferzell liegt im württembergischen Hohenlohekreis, Großgartach bei Heilbronn. Von dort aus soll nach Aigners Vorstellung eine Verknüpfung nach Gundremmingen (Landkreis Günzburg) erfolgen – statt Südlink wie geplant ins unterfränkische Grafenrheinfeld zu führen. Der „Suchraum“ für eine Trasse würde dann Ulm und den Alb-Donau-Kreis umfassen, möglicherweise auch den Landkreis Heidenheim und den Ostalbkreis. Das hätte zur Folge, dass nur ein kurzer Teil der Neubautrasse, zwischen der Landesgrenze und Gundremmingen, durch Bayern verlaufen würde.

Kritik an Aigners Vorschlag kam auch aus Bayern selbst. „Warum sollten Hessen und Baden-Württemberg eine Stromtrasse akzeptieren, die Strom nach Bayern bringt, die aber Bayern selbst nicht haben will?“, fragte Hubert Aiwanger, Fraktionschef der Freien Wähler. „Das ist so als würde ich eine Kegelbahn in Nachbars Garten bauen wollen, weil ich meinen eigenen Rasen nicht zerstören will.“

„Faire Lastenverteilung“

Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ verteidigte Aigner ihren Vorstoß energisch. „In Bayern nehmen wir die Belange der Menschen ernst. Gleichzeitig geht es uns darum, den hohen Grad an Versorgungssicherheit in Bayern aufrechtzuerhalten.“ Ziel sei eine faire Lastenverteilung zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, die auch gemeinsam vom Netzausbau profitieren würden. „Ich kann nicht hinnehmen, dass durch Bayern als einziges Bundesland zwei neue HGÜ-Trassen laufen“, sagte Aigner.

„HGÜ“ steht für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Neben Südlink gilt auch eine zweite solche Stromautobahn nach Bayern als Kernstück der Energiewende: die Gleichstrompassage Südost. Sie soll von Sachsen-Anhalt aus nach Gundremmingen führen. Diese Trasse könne aus ihrer Sicht „überwiegend in Bestandstrassen verlaufen und entscheidend verkürzt werden“, sagte Aigner.

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