AfD-Bürgermeister Ebert gibt Posten Mitte 2020 ab

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Harry Ebert steht neben einer Straße
Harry Ebert war von der CDU in die AfD gewechselt und hatte immer wieder mit verunglimpfenden Äußerungen und Aktionen für Aufregung gesorgt. (Foto: Sina Schuldt / dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Wie es mit ihrem Rathauschef weiter geht, haben Bürger und Gemeinderäte von Burladingen im Zollernalbkreis lange Zeit nicht gewusst.

Bereits im vergangenen Sommer kündigte Bürgermeister Harry Ebert (AfD) seinen Rückzug zum 31. Oktober an - auf einer städtischen Mitarbeiterversammlung.

Gegenüber dem Gemeinderat hat er das jedoch nie bestätigt. "Sie sind die letzten, die davon erfahren", habe er dem Gremium auf die jüngste Nachfrage hin entgegnet, berichtet Gemeinderat Alexander Schülzle (Freie Wähler) unlängst.

Ein "Schreiben" aus nur einem Satz

Nun lässt Ebert per Fax das Landratsamt wissen, dass er zum 1. Juni sein Amt aufgeben will, wie Landrat Günther-Martin Pauli (CDU) am Donnerstag mitteilte.

Das Schreiben von Ebert besteht nur aus einem Satz. Es enthält keine Begründung. Auf Anfragen reagiert Ebert schon länger nicht mehr.

Landrat Pauli ist erleichtert, denn die Causa Ebert ist mehr als nur eine Lokalposse. Das Gemeindeoberhaupt sorgt seit Jahren für überregionales Aufsehen.

Im Frühjahr 2018 wurde bekannt, dass Ebert in die AfD eingetreten ist - als erster Bürgermeister Baden-Württembergs. Davor war er zwischenzeitlich CDU-Mitglied.

Von der CDU zur AfD - wegen der Radikalität

Anlass für den Wechsel war die Migrationspolitik. "Hier hat die AfD zwar radikale Vorschläge - aber eben aus meiner Sicht auch die wirksamsten", sagte er damals der Deutschen Presse-Agentur.

Die 12 000 Einwohner zählende Gemeinde Burladingen auf der Schwäbischen Alb ist vor allem als Sitz des Textilunternehmens Trigema bekannt. Nach Eberts Eintritt in die AfD fürchteten einige Bürger einen Imageschaden der Kommune als braune Hochburg.

Die Frau des evangelischen Pfarrers distanzierte sich per Protestschild im Pfarrhausfenster von den Positionen des Bürgermeisters. Der damalige Gemeinderat ließ sich als Unterstützer des Bürgerbündnisses für eine offene Gesellschaft - "Burladingen ist bunt" - eintragen.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp forderte Neuwahlen. Ebert beeindruckte das nicht.

Die Kluft zwischen ihm und dem Gemeinderat hatte sich bereits im Jahr zuvor aufgetan. Ebert hatte sich verunglimpfend auf Facebook und im städtischen Amtsblatt geäußert: Unter anderem bezeichnete er den Besuch des Gremiums in einer Flüchtlingsunterkunft als "Asylantenschau" und die Gemeinderäte als "Landeier".

Das Landratsamt leitete ein Disziplinarverfahren ein und sprach einen Verweis gegen Ebert aus.

Angespanntes Verhältnis zu Gemeinderat

Seit 1999 ist Ebert Bürgermeister von Burladingen. Früher tat er viel für die Gemeinde: Er habe Hallen, Schulen und Kindergärten sanieren lassen, sich um Zuschüsse für die Stadtkasse bemüht, sei agil gewesen, sagt seine Stellvertreterin Rosemarie Steinberg.

Inzwischen erledigt Ebert ihren Angaben nach nur noch das Nötigste. Innovative Ideen, Projekte zur Stadtentwicklung und um den Tourismus anzukurbeln stößt er Ratsmitgliedern zufolge nicht mehr an. "Das deprimiert uns", sagt Steinberg.

Das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Gemeinderat sei angespannt. Steinberg ist seit mehr als 20 Jahren Gemeinderätin. Die aktuelle Wende will sie zunächst nicht kommentieren.

Nach Auskunft der Gemeinderäte kommt die Verwaltungsarbeit im Rathaus auch deshalb nicht zum Erliegen, weil der Erste Beigeordnete, Berthold Wiesner, das Gemeindeoberhaupt souverän vertritt.

Eberts Anwesenheit in Gemeinderatssitzungen gleicht Alexander Schülzle zufolge einem "Lotteriespiel": Von fünf Sitzungsterminen verpasse der Bürgermeister vier. Wenn er da sei, höre er den Wortbeiträgen der Gemeinderäte nicht zu und lümmele auf seinem Stuhl herum.

Der Fraktionschef der CDU im Gemeinderat, Michael Eisele, sagt zum Rückzug von Ebert: "Ich wiederhole, was ich bereits in der Gemeinderatssitzung sagte: Dass es für Burladingen und zum Wohle der Stadt positiv zu werten ist. Denn damit verbunden ist ein Neuanfang für die Stadt Burladingen möglich."

Infolge der "Landeier"-Affaire gilt auch Eberts Verhältnis zur Presse als zerrüttet. Im Sommer 2018 bedachte die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche ihn für seinen selbstherrlichen und respektlosen Umgang mit Journalisten mit dem Negativpreis "Verschlossene Auster".

Hausverbote und Schulbänke für Journalisten

Unter anderem soll er Lokaljournalisten, deren Berichterstattung ihm nicht gefiel, mit einem Strafenkatalog überzogen und ihnen mit Hausverboten gedroht haben.

Im Rathaus hat Ebert für Journalisten unlängst neue Sitzgelegenheiten installieren lassen: Seit Dezember sind im Sitzungssaal eine Schulbank sowie zwei Stühle auf dem Boden angeschraubt, wie sie Abc-Schützen früher nutzten.

Vertreter der Lokalpresse weigerten sich, darauf Platz zu nehmen, wie der "Zollern-Alb-Kurier" berichtete. Als "reine Schikane" wertet Schülzle dieses Mobiliar.

Ebert - aktuell in seiner dritten Amtszeit - ist regulär bis 2023 gewählt. Wer sein Nachfolger wird, ist noch unklar - der neue Rathauschef muss erst noch gewählt werden.

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