400 unbesetzte Stellen: Gewerkschaft GEW will Grundschulen vom „Abstellgleis“ holen

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 Wer auf dem Land wohnt, zahlt mitunter hohe Beträge dafür, dass seine Kinder zur Schule gebracht werden, argumentieren die Elte
Überlastete Lehrer, unbesetzte Stellen, kaum Wertschätzung: Die Bildungsgewerkschaft GEW zeichnet ein schlimmes Bild von der Lage an den Grundschulen. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Die Bildungsgewerkschaft GEW und einzelne Schulleiter haben am Montag in Stuttgart die Zustände an Grundschulen kritisiert und von der Landesregierung mehr Unterstützung gefordert. „Man hat manchmal das Gefühl, die Schule beginnt in Baden-Württemberg ab der fünften Klasse und wir sind quasi die Zulieferer der weiterführenden Schulen“, sagte der Schulleiter der Fritz-Baur-Grundschule in Salem (Bodenseekreis). Das Kultusministerium wies den Vorwurf, das Land vernachlässige die Grundschulen, scharf zurück.

Der GEW geht es nur darum, schlechte Stimmung zu verbreiten.

Kultusministerin Susanne Eisenmann

„Der GEW geht es nur darum, schlechte Stimmung zu verbreiten“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Selbstverständlich seien die Grundschulen wichtig. In den vergangenen drei Jahren sei viel bewegt worden, „auch um den jahrelangen Stillstand in der letzten Legislaturperiode wieder aufzuholen“.

Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz sagte, es brauche mehr Lehrerstellen: Nach den derzeitigen Plänen könnten bis 2030 rund 4000 Stellen nicht besetzt werden. Zu Schuljahresbeginn seien 400 Stellen an Grundschulen unbesetzt geblieben.

Diesen Fehler haben wir rückgängig gemacht.

GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz

In den nächsten zehn Jahren sind der Gewerkschaft zufolge rund 570 weitere Studienplätze nötig, außerdem soll das Studium von acht auf zehn Semester verlängert werden. Kultusministerin Eisenmann sagte, die Studienanfängerplätze seien bereits erhöht worden: Auf knapp 1900 statt unter 1000 wie in den Jahren 2011 bis 2015. „Diesen Fehler haben wir rückgängig gemacht“, sagte sie.

Moritz sagte, sie könne außerdem nicht nachvollziehen, warum im Gegensatz zur Grundschule alle weiterführenden Schulen „Poolstunden“ bekämen. Dieses frei einsetzbare Stundenkontingent kann etwa für Förderunterricht verwendet werden. Laut Ministerium stehen den Grundschulen etwa durch die Verschiebung des Beginns des Fremdsprachenunterrichts bereits vier Poolstunden zur Verfügung.

Eine weitere Forderung: Grundschullehrer sollen von der Besoldungsgruppe A 12 nach A 13 aufsteigen, also ein Bruttogehalt von rund 4383 Euro statt rund 3744 Euro bekommen. Über eine bessere Bezahlung von Lehrern werde nicht nachgedacht, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums.

Laut Kultusministerium hat das Land für eine bessere Besoldung von Schulleitern auch von Grundschulen rund 20 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2020/2021 eingeplant. Für mehr Geld hatte sich die GEW ausgesprochen.

Außerdem will die GEW einen Ethikunterricht an Grundschulen. „Da sind wir schon dran“, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums. Der Ethikunterricht werde auch für niedrigere Klassen eingeführt. Derzeit gebe es ihn schon in der achten Klasse, schrittweise will man ihn bis zur fünften Klasse ausweiten. In der nächsten Legislaturperiode sollen dann auch die Grundschulen folgen.

Die Initiative für mehr Unterstützung entstand an vier Grundschulen im Bodenseekreis. Die Gewerkschaft will in den kommenden Monaten an den 2500 Grundschulen in Baden-Württemberg für die Kampagne „Grundschulen weg vom Abstellgleis“ werben.

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