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Gebührendes Gebaren

Sprachplauderei: Gebührendes Gebaren

Ravensburg - Ein kleiner Rechtschreibtest: Ist Millenium korrekt oder Millennium, Stehgreif oder Stegreif, brilliant oder brillant, Meterologe oder Meteorologe, Lybien oder Libyen, naseweiß oder naseweis, Akkustik oder Akustik, Gallionsfigur oder Galionsfigur, hahnebüchen oder hanebüchen, Kreissaal oder Kreißsaal, stiebitzen oder stibitzen, verkackeiern oder vergackeiern? Wenn Sie sich jetzt jedes Mal für die zweite Variante entschieden haben, sind Sie sattelfest in deutscher Orthografie.

Mal Zecke, mal Tieke

Sprachplauderei: Mal Zecke, mal Tieke

Beim Schreiben dieser Glosse zeigt sich oft ein Dilemma: Geht man zu sehr ins Detail, so wird der Text für eine Plauderei zu lang. Fasst man sich zu kurz, so fehlt es eventuell an Tiefgang. Ein Beispiel: Am letzten Freitag ging es hier um das Wort impfen. Es sei „sehr früh“ ins Deutsche entlehnt worden, hieß es da, und die vulgärlateinische Wurzel imputare sehe man ihm gar nicht mehr an. „Sehr früh“ ist natürlich relativ, und so wurde aus Leserkreisen Informationsbedarf signalisiert.

Rolf Waldvogel geht dem Ursprung des „Vakzins“ nach.

Sprachplauderei: Impfstoff aus dem Kuhstall

Was stellt diese Pandemie nicht alles mit uns an! Auch die Sprache bleibt von Corona nicht unberührt, wie hier schon mehrfach angesprochen. Neue Wörter tauchen auf, vor allem aus dem Englischen. Aber kaum ein Wort hat eine so explosionsartige Entwicklung genommen wie das Vakzin oder die Vakzine – beide Varianten sind korrekt. Schaut man sich etwa im „Digitalen Wörterbuch“ seine Nutzung durch die Zeitungen im letzten Jahr an, so sieht man zwei fast senkrecht ansteigende Kurven.

Rolf Waldvogel zu Hiob und Captain Picard.

Sprachplauderei: Hiob und Captain Picard

Wenn uns eines ständig begleitet hat seit Beginn der Pandemie, dann waren es die aufregten Diskussionen über das Ziehen von Grenzen. Was muss einerseits zum Schutz der Bevölkerung unbedingt sein? Und was ist andererseits noch zumutbar, für die Wirtschaft, die Kultur, die Familien, die Schulen etc. …? Wie lange macht die Gesellschaft das noch mit, und ab wann heißt es: bis hierher und nicht weiter!

Bis hierher und nicht weiter. Schauen wir uns diesen Satz einmal näher an.

Blumiges für die Taufe

Sprachplauderei: Blumige Vornamen

Dieser Tage wurde bei uns zu Hause zu unserem großen Bedauern eine verblühte weiße Amaryllis entsorgt, die über die Weihnachtszeit neben dem Christbaum ihren eigenen prachtvollen Akzent gesetzt hatte. Ihren Namen bekam diese allerdings meist tiefrote Pflanze von einer antiken Schönheit. Wobei sich die Quellen in der griechischen und römischen Dichtung widersprechen: Entweder war sie eine Nymphe, die einen verliebten Hirten zurückwies, oder aber sie war selbst eine Hirtin, die in unglücklicher Liebe zu einem Jüngling entbrannte.

Hoch Siegfried überm Bosporus

Sprachplauderei: Hoch Siegfried überm Bosporus

Für Aufsehen sorgte einst eine Winzergenossenschaft im südlichen Breisgau. „Macht die Frau ein Donnerwetter, trink ein Viertel Ehrenstetter“ stand bis Ende der 1980er auf ihren Weinflaschen. Manche fanden das witzig, manche überhaupt nicht, vor allem Frauen. Und so starteten sie eine Demarche, die letztlich für eine frauenpolitisch korrekte Etikettierung sorgte – mit Recht.

Nun scheint die problematische Verbindung von weiblichen Wesen mit Wetterphänomenen ein Charakteristikum zu sein.

Sprachplauderei

Nachdem sich im letzten Winter das ganze Ausmaß der Pandemie abgezeichnet hatte, war immer wieder die Rede von der Büchse der Pandora, die nun geöffnet sei – mit noch unabsehbaren schlimmen Folgen. Und auch nach fast einem Jahr scheint ja diese Büchse weiterhin offen zu sein. Aber es lohnt sich durchaus, diese Redewendung aus der griechischen Antike einmal näher anzuschauen. Denn der Pandora-Mythos ist hochkomplex, und er hat – je nach Lesart –ein tröstliches Ende.

Heimsuchungen

Sprachplauderei: Heimsuchungen

Am Sonntagmorgen ist die allwöchentliche Bach-Kantate eine liebgewordene Gewohnheit, auch am letzten Sonntag, dem 3. Advent. Auf dem Programm stand die Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ (BWV 147), von Bach ursprünglich geschrieben für den 4. Advent und später umgeschrieben für den 2. Juli zum Fest Mariä Heimsuchung, an dem des Treffens zwischen der schwangeren späteren Gottesmutter Maria und ihrer ebenfalls schwangeren Base Elisabeth gedacht wird.

Eine Schlittenpartie

Sprachplauderei: Eine Schlittenpartie

Weil wir letzte Woche mit William Shakespeare aufgehört haben, fangen wir diese Woche mit Wilhelm Busch an. Auf dem Titelblatt des „ZEIT“-Magazins vom 3.12.2020 prangte seine Bildergeschichte „Die Rutschpartie“:

Da kommt der Hans auf seinem Schlitten

vergnügt den Berg herabgeritten.

Grad geht der Küster da vorbei

und friert und denkt sich allerlei:

Schwupp! hat der Schlitten ihn erfasst.

Warum hat er nicht aufgepasst…

Und so weiter, bis nach dem Küster und dem Jäger ...

Zauberbuden, Budenzauber

Sprachplauderei: Zauberbuden, Budenzauber

Alle Jahre wieder pünktlich zum Advent streuen unsere Pop-Sender Christmas Carols, also Weihnachtslieder aus England und den USA, in ihr Normalprogramm ein wie die Rosinen in den Christstollenteig. Etwa SWR1 am 1. Dezember: Zwischen Michael Jacksons „You Are Not Alone” und „Dancing Queen” von ABBA ertönte ein feierliches „O Come, All Ye Faithful“. Wäre an dieser Stelle auch die deutsche Version denkbar gewesen? „Herbei, oh ihr Gläub’gen, fröhlich triumphieret, oh kommet, oh kommet nach Bethlehem!