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In der Corona-Blase

Sprachplauderei: In der Corona-Blase

Die Ferienzeit geht zu Ende. Von der Corona-Krise kann man das nicht behaupten. Die Pandemie bestimmt weiterhin unser Leben – und auch die Sprache bleibt davon nicht unberührt. Ein Beispiel: „Alexander Zverev ist in der Blase gereift“, so schrieb dieser Tage eine Zeitung über den Auftritt des Tennisstars in New York – ein vor einem halben Jahr noch undenkbarer Satz.

Rekapitulieren wir: Eine Blase ist ein mit Gas oder Luft gefüllter Hohlraum in einem festen oder flüssigen Stoff.

Uf Wiederläse!

Sprachplauderei: Uf Wiederläse!

In der Regel sind die Leser dieser Sprachglosse sehr kritikfreudig. Wenn ihnen etwas seltsam vorkommt oder gar falsch, dann geben sie Laut. So wären auch nach der letzten Plauderei eigentlich Reaktionen zu erwarten gewesen. Doch sie blieben aus. Niemand monierte, dass Gezerfe – benutzt im Zusammenhang mit dem mühseligen EU-Corona-Kompromiss – kein standarddeutsches Wort ist, sondern allenfalls schwäbisch-alemannisch. Ein Grund könnte sein, dass dieser Begriff für eine erbitterte Streiterei im Südwesten sehr oft gebraucht wird, unter anderem ...

Von wegen blöde Kuh

Sprachplauderei: Von wegen blöde Kuh

Die Kuh ist vom Eis. Jeder Hörer wusste am Dienstagmorgen, was der Rundfunkkommentator mit diesem Stoßseufzer meinte. Nach mehr als 90 Stunden Gezerfe hatten sich die 27 Staats- und Regierungschefs der EU doch noch geeinigt. Da konnte einem schon diese alte Redensart in den Sinn kommen, die ja nichts anderes besagt, als dass etwas nach vielen Mühen zu einem guten Ende gekommen ist. Aber eine Kuh auf dem Eis, an einem Hochsommertag? Dieses Beispiel zeigt, wie schmal der Grat sein kann zwischen einem schlüssigen Vergleich und unfreiwilliger ...

Im Nieder Gang

Sprachplauderei: Im Nieder Gang

Café Bereiche steht auf dem Aufsteller vor einer Bäckerei in Oberschwaben. Ein seltsamer Name, nie gehört, denkt man kurz – aber dann klingelt es. Natürlich müsste es Café-Bereiche heißen, mit Bindestrich, denn es geht hier nicht um den Eigennamen eines Cafés wie bei Café Maier oder Café Bergblick, sondern um den Hinweis, dass während der Corona-Krise abgetrennte Ecken zum Verzehr eingerichtet sind. Und das sind dann Café-Bereiche, mit der Betonung auf Café und vor allem zwingend mit Bindestrich geschrieben.

Von Aristoteles zu Andy

Sprachplauderei: Von Aristoteles zu Andy

Variatio delectat – ein lateinischer Spruch, den man gerne zitiert in bildungsbürgerlichen Kreisen und der in seiner altgriechischen Version auch schon Aristoteles geläufig war. Abwechslung erfreut. Manchmal ist die Freude auch getrübt. Unlängst fand sich auf der einen Seite unserer Zeitung die Überschrift Vom Helden zum Angeklagten, also korrekt gebeugt. Auf der nächsten Seite aber stand Vom Monarchist zum Demokrat, zur Abwechslung ungebeugt. Nun waren hier verschiedene Ressorts betroffen.

Sprachplauderei: Hauptsache zeitnah!

„Ich bitte Sie, das zeitnah zu erledigen.“ Abertausendmal am Tag lässt irgendwo ein Chef diesen Satz los, und ein Untergebener weiß dann, was er zu tun hat. Aber weiß er es wirklich?

Eigentlich gibt es auf ein solches Verlangen des Vorgesetzten nur eine sinnvolle Antwort: „Bitte etwas präziser! Meinen Sie mit zeitnah heute noch, morgen, übermorgen, bis Ende der Woche oder wie oder was…?“ Doch das sagt natürlich kein Befehlsempfänger, weil er damit seinen Rausschmiss riskieren würde – und zwar zeitnah.

Infodemische Zeiten

Sprachplauderei: Infodemische Zeiten

Auch die Sprache bleibt vom Coronavirus nicht unbehelligt. Dabei lässt sich ein bemerkenswerter Prozess verfolgen: Manche Begriffe, die zwar schon älter sind, werden in der Krise plötzlich wieder virulent – im wahren Wortsinn – und mit neuer Bedeutung aufgeladen. Daran ist übrigens auch die Forschung interessiert. So wird im Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim verfolgt, ob sich solche Begriffe dauerhaft im Wortschatz festsetzen und dann irgendwann in Nachschlagewerken landen.

Johannis und Johanna

Sprachplauderei: Johannis und Johanna

Vor Johannis bitt‘ um Regen, nachher kommt er ungelegen. So lautet eine alte Bauernregel. Insofern scheint derzeit alles gut zu laufen. Regen haben wir in den letzten Tagen zur Genüge gehabt, jetzt wird es wieder schöner, und wenn nicht alles trügt, hält das auch über den nächsten Mittwoch hinaus an. Dann haben wir den 24. Juni, den Festtag des heiligen Johannes des Täufers oder Johannistag, der in der Landwirtschaft schon immer als einer der wichtigsten Lostage für die Großwetterlage und den Erntesegen galt.

Von den Barrikaden zum Kartätschenprinz

Sprachplauderei: Die Barrikaden und der Kartätschenprinz

Letzte Woche ging es hier kurz um eine alte Redensart: auf dem Quivive sein, sprich: auf der Hut sein. Weil ihr Hintergrund weniger bekannt sein dürfte, legen wir nach.

Wenn jemand im Frankreich der frühen Neuzeit ein Stadttor passieren wollte, so fragte ihn die Wache: Qui vive? (Wer soll hochleben?) Und die richtige Antwort war dann: Vive le roi! (Es lebe der König!). Entschieden brisanter wurde dieser Dialog zu Zeiten der Revolution. Da war jeder gut beraten, lauthals Vive la révolution!

Vom Qoph zur Quote

Sprachplauderei: Vom Qoph zur Quote

Wenn es derzeit neben Corona noch ein anderes Reizwort gibt, so ist es Quarantäne. Aber obwohl wir es alle schier nicht mehr hören können, soll es hier noch einmal Thema sein. Mitte Februar war es an dieser Stelle um die Geschichte des Begriffes Quarantäne gegangen, der für eine 40-tägige Isolierung steht, auf dem lateinischen quadraginta für die Zahl 40 beruht und über das französische quarantaine – Zeitraum von 40 Tagen – zu uns kam. Von der Aussprache war dabei nicht die Rede.