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Chauvis allerorten

Sprachplauderei: Chauvis allerorten

In der letzten Glosse haben wir uns mit dem Fremdwort Quarantäne beschäftigt, das aus Frankreich zu uns kam. Um einen ähnlichen Fall geht es auch heute – allerdings mit einem kleinen Umweg über die USA.

Seit gestern Abend laufen die Berliner Filmfestspiele, aber noch immer diskutiert man in der Branche die Oscar-Verleihung von voriger Woche, die – wie gewohnt – geprägt war von fast absoluter Männerdominanz. So war auch sofort wieder vom anscheinend unausrottbaren male chauvinism (männlicher Chauvinismus) die Rede, wie der ...

Von wegen Quarantäne

Sprachplauderei: Von wegen Quarantäne

Vor unbewusster Unlogik sind wir in der Sprache nie gefeit. Oder anders formuliert: Bei vielen Wörtern ist ihre Herkunft derart in den Hintergrund gerückt, dass wir eine widersprüchliche Bedeutungserweiterung kaum mehr bemerken. Ein aktuelles Beispiel: 14-tägige Quarantäne. Weltweit müssen derzeit Menschen wegen der Corona-Epidemie zur Vorsicht 14 Tage in Isolation ausharren – ob deutsche Wuhan-Heimkehrer in Bundeswehrkasernen oder Reisende auf Kreuzfahrtschiffen in Fernost.

Immer eine Gratwanderung

Sprachplauderei: Zum Abschuss ein Gebet

Sagen wir es in Abwandlung eines Zitats aus Goethes „Faust“: Es irrt der Mensch, solang er schreibt. Will heißen: Fehler sind beim Schreiben systemimmanent. Man macht sie selbst, man entdeckt sie bei anderen. Mal sind sie der Unachtsamkeit geschuldet, mal der Unwissenheit, mal dem Unvermögen. Über die einen ärgert man sich, die anderen findet man amüsant. Hier eine kleine Zeitungsblütenlese zum Jahresbeginn: eigene Entdeckungen oder Zusendungen von Lesern – und das Ganze mit dem Hintergedanken, für mehr Sorgfalt beim Abfassen von Texten zu ...

X-mas bis zum Abwinken

Sprachplauderei: X-mas bis zum Abwinken

Zur Sprachkultur gehört schon seit der Antike der Einsatz von rhetorischen Stilmitteln. Sehr beliebt sind Wortspielereien, bei denen Zitate, Titel etc. so verändert werden, dass sie einen anderen Sinn ergeben – pointiert, witzig, ironisierend, boshaft, je nachdem. Da vertauscht man zum einen die Buchstaben. So wurde aus dem Volk der Dichter und Denker beim Kritiker Karl Kraus das Volk der Richter und Henker. Oder aber man wechselt ganze Wörter aus.

Eine Dichterfehde mit Folgen

Sprachplauderei: Eine Dichterfehde mit Folgen

Für Vorschusslorbeeren sei es noch zu früh, befand dieser Tage ein Rundfunkkommentator nach dem Pariser Gipfeltreffen zum Ukraine-Konflikt. Was er mit diesem Ausdruck meinte, war klar: Auch wenn es Fortschritte gab, so wurde doch ein endgültiger Durchbruch in Richtung Frieden noch nicht erreicht. Unter Vorschusslorbeeren versteht man also ein noch ohne erkennbare Gegenleistung im Voraus gespendetes Lob. So wie man Geld vorschießt, verteilt man Lorbeeren.

Nietzsche und der Nikolaus

Sprachplauderei: Nietzsche und der Nikolaus

Rechnen gehört normalerweise nicht zu den Disziplinen, die für diese freitägliche Rubrik vonnöten sind. Nun musste es einmal sein. Wann war der Nikolaustag, also der 6. Dezember, zum letzten Mal an einem Freitag? Die Lösung: Das letzte Mal fiel der Nikolaustag 2013 auf einen Freitag, und das vorletzte Mal – weil er einmal wegen eines Schaltjahres übersprungen wurde – im Jahr 2002.

So oft kommt es also nicht vor. Deswegen können wir hier ruhig einmal über den Nikolaus reden und zum Beispiel klären, woher er seinen Namen hat.

Sprüche aus dem Gemüseregal

Sprachplauderei: Sprüche aus dem Gemüseregal

„Wir werden kein Tor kassieren“. Also sprach der Stuttgarter Trainer Tim Walter vollmundig vor dem Spiel seines VfB gegen Karlsruhe am Wochenende. Das reizte KSC-Verteidiger Daniel Gordon zum flapsigen Widerspruch: „Was Tim Walter sagt, interessiert mich nicht die Bohne.“ Uns interessiert nun etwas ganz anderes: Was hat es mit dieser Redensart auf sich, in der die gute Hülsenfrucht so schlecht wegkommt?

Der Singular liefert die Erklärung: Eine einzelne Bohne ist eben kaum etwas wert.

Beim Zitieren aufpassen man muss

Sprachplauderei: Beim Zitieren aufpassen man muss

Im Vorfeld der Wahlen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg am 1. Advent waren Religionsklassen zu einem Kreativ-Wettbewerb zum Thema „Meine Kirche. Eine gute Wahl“ aufgerufen. Es siegte die Klasse 10 des Gymnasiums Sachsenheim mit einem bunten Plakat. Darauf trägt ein seltsames Wesen mit verknittertem Gesicht und waagrecht abstehenden Eselsohren ein Schild mit den Worten: Wählen gehen du sollst. Das ist in der Tat recht witzig – für denjenigen, der den Witz versteht.

Röhren und Raunen

Sprachplauderei: Röhren und Raunen

November ist Wildbretzeit, unschwer zu erkennen beim Studieren der Speisekarten der Gasthöfe. Aber auch anderswo dreht es sich ums Wild. So ging es vor zwei Tagen in unserer Zeitung um den Lebensraum, den man dem Hirsch vergönnt – oder auch nicht. Nun interessiert es an dieser Stelle kaum, ob tatsächlich Hirsche zwecks genetischer Blutauffrischung vom Hochschwarzwald quer durchs Oberland bis zur Allgäuer Adelegg wandern – woran man übrigens ohnehin zweifeln darf.

Es darf gezischt werden

Sprachplauderei: Es darf gezischt werden

Kaum ein Fremdwort wird seit geraumer Zeit so oft bemüht wie Lithium. Bei jeder Diskussion über die E-Mobilität geht es um Lithium-Batterien, und zu einem echten Aufregerthema wurde dieser Tage die Annullierung des deutsch-bolivianischen Projekts zur Lithium-Gewinnung. Das Element mit der Ordnungszahl 3, ein silbriges, leichtes Alkalimetall, das sehr schnell auf Luft und Wasser reagiert, gilt nun mal als kostbar und problematisch zugleich. Aber spricht man dieses Lithium – wie heute üblich – wirklich mit einem ts-Laut aus, genauso wie ...