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Vom Werbesprech genervt

Sprachplauderei: Vom Werbesprech genervt

Eine Vorwarnung: Heute wird es hier sehr subjektiv! Es geht um den sogenannten Werbesprech in unseren Medien. Auslöser ist das Unwohlsein, das mich jedes Mal beschleicht, wenn in Funk oder Fernsehen jener Spot unseres Discount-Primus ertönt, der mit lohnt sech! endet. Immer dieselbe Dame, immer mit einem zum e mutierten i, immer mit kurz abkippender, dann auf der vorletzten Silbe stark ansteigender Tonhöhe. Und das nicht nur bei besagtem Slogan. Ob Karotten zu Einsfönfondséchzech oder Melonen zu Dreineunondsébzech – stets derselbe enervierende ...

Unsere Sprache ist immer im Fluss. Wörter kommen, Wörter gehen, Bedeutungen und Schreibweisen verändern sich. Jeden Freitag grei

Sprachplauderei: Wenn die Klappe fällt

Es gibt Redensarten, über die man nicht länger nachdenkt, weil sie sich selbst erklären. Etwa Halt die Klappe! In der Umgangssprache ist Klappe ein saloppes Wort für Mund – wohl weil man diesen auf- und zuklappen kann. Und die Aufforderung Halt die Klappe! dürfte nach demselben Muster gebildet sein wie ähnlich ordinäre Anwürfe: Halt die Schnauze!, Halt den Rand!, Halt dein Maul! oder – um noch die schwäbische Variante zu bemühen – Halt dei Gosch!

Aber vielleicht stimmt das gar nicht.

Auf in die Blaupause!

Sprachplauderei: Auf in die Blaupause!

Facebook hat sehr viele Facetten, wie wir wissen. Und nun kam noch eine dazu: „Mit seinem Libra-Projekt ist es die Blaupause für kommende Internetwährungen.“ So war vor wenigen Tagen in einem Onlineportal für Anleger zu lesen. Doch damit nicht genug der Blaupausen. Eine kleine Auswahl aus dem Internet mag zeigen, wie dieser Begriff seit geraumer Zeit zur inflationär gebrauchten Worthülse entartet: Da wird „Mein Kampf“ zur Blaupause für Hitlers NS-Herrschaft und eine bestimmte Diät zur Blaupause für den Erfolg beim Abnehmen, da dient ein gut ...

Der Drache steckt im Detail

Sprachplauderei

Wer vorgestern die Kulturseite aufschlug, blieb sofort an einem Drachen hängen. Da saß ein recht skurriles Exemplar dieser Gattung vor dem Kunsthaus Bregenz, als Blickfang für die große Thomas-Schütte-Ausstellung, die dort zur Festspielzeit gezeigt wird. Drachen ziehen eben immer, und Drachen sind allüberall – wenn auch manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Beweis gefällig?

„Sie war immer als Herrenreiterin unterwegs, nicht als Dragoner.

Silber im Blick

Sprachplauderei: Silber im Blick

Der 500. Todestag von Leonardo da Vinci treibt in diesem Jahr das deutsche Feuilleton um wie selten ein Künstlergedenken. Unzählige Artikel, unzählige Analysen – und immer wieder im Fokus Mona Lisa, die rätselhafte Dame mit dem Silberblick. Wobei sich nebenbei eine Frage stellt: Warum spricht man eigentlich von einem Silberblick?

Zur Erklärung ist ein Exkurs in die Geheimnisse der Metallurgie vonnöten, allerdings stark vereinfacht: Bei der Gewinnung von Silber aus Bleierz verändert sich das Blei während des Schmelzens durch die ...

Hauptsache, kein Schnee!

Sprachplauderei: Hauptsache, kein Schnee!

- Sonne satt! In diesen Tagen ist das ein Gemeinplatz, und jeder versteht auch sofort, was es heißen soll. Aber die Herkunft dieser noch recht jungen, fast schon abgenutzten Redewendung liegt eher im Dunkeln. Wahrscheinlich hat allein schon der Stabreim zu dieser Formulierung gereizt. Bei satt schwingt einerseits Fülle mit, andererseits aber Überfluss, wenn nicht gar Überdruss. In der Tat kann man die Sonne ja auch irgendwann satthaben, und der Platz an der Sonne – eine andere gängige Redensart – ist dann nicht mehr so erstrebenswert.

Die Muehlenberg-Legende

Sprachplauderei: Die Muehlenberg-Legende

Was ist das Tückische an Legenden? Sie können einen wahren Kern haben – oder auch nicht. Um eine solche auf falschen Tatsachenbehauptungen beruhende Legende soll es hier gehen. Auslöser war eine Diskussion im Freundeskreis über eine Meldung in unserer Zeitung. Da lud ein bodenständiger Allgäuer Verein zu einer After-Work-Wanderung ein – also am Feierabend, nach getaner Arbeit, und das las sich, als sei es durchaus ernst gemeint. Kopfschütteln allenthalben – über Anglizismen im Allgemeinen, über Imponiergehabe, Gedankenlosigkeit, Anbiederung, ...

Zum Rotsehen

Sprachplauderei: Zum Rotsehen

Ravensburg - Genau vor einer Woche war auf dieser Kulturseite zu lesen, für welche Verunsicherung die Rechtschreibreform weiterhin sorgt. Vor allem mit der Getrennt- und Zusammenschreibung sowie der Groß- und Kleinschreibung hätten viele Deutsche noch immer massive Probleme.

1000 VariantenUnd vor allem werde über die gegen alle Vernunft durchgeboxte, im höchsten Maß verwirrende Zulassung von über tausend Variantenschreibungen geklagt. Nur ein Beispiel: Es heißt verbindlich der schwarze Humor und verbindlich das Schwarze Meer, beim ...

Die Plage mit den sieben Plagen

Sprachplauderei: Die Plage mit den sieben Plagen

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen“. Goethes Verse aus „Reineke Fuchs“ zitiert man gerne. Ob das Wetter lieblich wird, muss sich allerdings noch weisen. Eine andere Frage ist, ob eigentlich alle wissen, was es mit diesem Fest auf sich hat. Unlängst lieferte ein Rundfunkkommentator den schlagenden Beweis, dass hier gewisse Zweifel angebracht sind. „An Pfingsten wurde bekanntlich Jesus Christus vom Heiligen Geist gesegnet“, verkündete er im Brustton des vermeintlich Bibelfesten – was natürlich falsch ist.

Regenwolke und Radlerhalbe

Sprachplauderei: Regenwolke und Radlerhaube

Unlängst hatten wir es an dieser Stelle von der Mnemotechnik, der schon in der Antike hoch geschätzten Kunst der Gedächtnispflege. Wie trainiert man es, Informationen besser abspeichern und bei Bedarf wieder abrufen zu können? Wie müssen Reizwörter beschaffen sein, damit sie als Gedächtnisstützen dienlich sind? Im Vorfeld der Europa-Wahlen gibt es nun einen Paradefall für solche Gedankenspiele.

Kumulieren und panaschierenAufgrund unseres vertrackten Wahlrechts war in den letzten Tagen wieder permanent die Rede von kumulieren und ...