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Der diskrete Charme der Grammatik

Sprachplauderei: Der diskrete Charme der Grammatik

Immer wieder spießen wir an dieser Stelle die alltäglichen Schludrigkeiten in unseren Medien auf. Wobei dann oft der Vorwurf laut wird, wir machten uns über andere her, aber kehrten zu wenig vor der eigenen Tür. Also greifen wir wieder einmal zum Besen. Vor einigen Tagen war in dieser Zeitung von Peter Gauweiler die Rede, und da wurde der CSU-Politiker als der bestverdienendste Bundestagsabgeordnete bezeichnet – was einige Leser zu Recht monierten, denn dieser Superlativ ist schlichtweg falsch.

Auf der Palme

Sprachplauderei: Auf der Palme

Mallorca-Urlaub ist gerade das Aufregerthema schlechthin. Was Wunder also, wenn sich kurz vor Palmsonntag die TV-Bilder von sonnenhungrigen Deutschen häufen, die sich gleich nach der Ankunft im Flughafen von Palma de Mallorca unter Palmen tummeln. Womit wir die Kurve nehmen wollen zu einer sprachlichen Betrachtung. Was hat dieser Sonntag eigentlich mit Palmen zu tun, die wir bei uns aus der Natur gar nicht kennen?

Sage keiner, das sei Allgemeingut.

Übern Oberstrich

Sprachplauderei: Übern Oberstrich

Eisenmann will’s wissen“. So stand es auf einem Plakat der CDU-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl am Sonntag. Mittlerweile will sie gar nichts mehr wissen – zumindest von der Politik. Stattdessen wollte ein Leser wissen, ob die Kultusministerin da nicht einen Rechtschreibfehler begangen hatte. Es müsse doch „Eisenmann wills wissen“ heißen, also ohne Apostroph.

Beim Thema Apostroph – einst auch Hochkomma oder Oberstrich genannt – nützt uns die Erinnerung an die Schulzeit nur noch bedingt.

Ol das Höl!

Sprachplauderei: Ol das Höl!

Vor rund zwei Jahren ging es an dieser Stelle um dialektale Besonderheiten, und da hieß es am Schluss der Glosse: „Als Härtetest, ob einer das Schweizerdeutsche richtig aussprechen kann, gilt das Wort Chuchichäschtli (Küchenkästlein, Küchenschränkchen) mit seiner dreifachen Zäpfchen-Hürde. Die Experten nennen einen solchen Begriff Schibboleth. Aber dieses Fremdwort sparen wir uns auf für ein anderes Mal.“ Nun hat die Sparsamkeit auch im Schwabenland ihre Grenzen, und deswegen holen wir die Erklärung jetzt nach.

Gebührendes Gebaren

Sprachplauderei: Gebührendes Gebaren

Ravensburg - Ein kleiner Rechtschreibtest: Ist Millenium korrekt oder Millennium, Stehgreif oder Stegreif, brilliant oder brillant, Meterologe oder Meteorologe, Lybien oder Libyen, naseweiß oder naseweis, Akkustik oder Akustik, Gallionsfigur oder Galionsfigur, hahnebüchen oder hanebüchen, Kreissaal oder Kreißsaal, stiebitzen oder stibitzen, verkackeiern oder vergackeiern? Wenn Sie sich jetzt jedes Mal für die zweite Variante entschieden haben, sind Sie sattelfest in deutscher Orthografie.

Mal Zecke, mal Tieke

Sprachplauderei: Mal Zecke, mal Tieke

Beim Schreiben dieser Glosse zeigt sich oft ein Dilemma: Geht man zu sehr ins Detail, so wird der Text für eine Plauderei zu lang. Fasst man sich zu kurz, so fehlt es eventuell an Tiefgang. Ein Beispiel: Am letzten Freitag ging es hier um das Wort impfen. Es sei „sehr früh“ ins Deutsche entlehnt worden, hieß es da, und die vulgärlateinische Wurzel imputare sehe man ihm gar nicht mehr an. „Sehr früh“ ist natürlich relativ, und so wurde aus Leserkreisen Informationsbedarf signalisiert.

Rolf Waldvogel geht dem Ursprung des „Vakzins“ nach.

Sprachplauderei: Impfstoff aus dem Kuhstall

Was stellt diese Pandemie nicht alles mit uns an! Auch die Sprache bleibt von Corona nicht unberührt, wie hier schon mehrfach angesprochen. Neue Wörter tauchen auf, vor allem aus dem Englischen. Aber kaum ein Wort hat eine so explosionsartige Entwicklung genommen wie das Vakzin oder die Vakzine – beide Varianten sind korrekt. Schaut man sich etwa im „Digitalen Wörterbuch“ seine Nutzung durch die Zeitungen im letzten Jahr an, so sieht man zwei fast senkrecht ansteigende Kurven.

Rolf Waldvogel zu Hiob und Captain Picard.

Sprachplauderei: Hiob und Captain Picard

Wenn uns eines ständig begleitet hat seit Beginn der Pandemie, dann waren es die aufregten Diskussionen über das Ziehen von Grenzen. Was muss einerseits zum Schutz der Bevölkerung unbedingt sein? Und was ist andererseits noch zumutbar, für die Wirtschaft, die Kultur, die Familien, die Schulen etc. …? Wie lange macht die Gesellschaft das noch mit, und ab wann heißt es: bis hierher und nicht weiter!

Bis hierher und nicht weiter. Schauen wir uns diesen Satz einmal näher an.

Blumiges für die Taufe

Sprachplauderei: Blumige Vornamen

Dieser Tage wurde bei uns zu Hause zu unserem großen Bedauern eine verblühte weiße Amaryllis entsorgt, die über die Weihnachtszeit neben dem Christbaum ihren eigenen prachtvollen Akzent gesetzt hatte. Ihren Namen bekam diese allerdings meist tiefrote Pflanze von einer antiken Schönheit. Wobei sich die Quellen in der griechischen und römischen Dichtung widersprechen: Entweder war sie eine Nymphe, die einen verliebten Hirten zurückwies, oder aber sie war selbst eine Hirtin, die in unglücklicher Liebe zu einem Jüngling entbrannte.

Hoch Siegfried überm Bosporus

Sprachplauderei: Hoch Siegfried überm Bosporus

Für Aufsehen sorgte einst eine Winzergenossenschaft im südlichen Breisgau. „Macht die Frau ein Donnerwetter, trink ein Viertel Ehrenstetter“ stand bis Ende der 1980er auf ihren Weinflaschen. Manche fanden das witzig, manche überhaupt nicht, vor allem Frauen. Und so starteten sie eine Demarche, die letztlich für eine frauenpolitisch korrekte Etikettierung sorgte – mit Recht.

Nun scheint die problematische Verbindung von weiblichen Wesen mit Wetterphänomenen ein Charakteristikum zu sein.