Suchergebnis

Am 4. Juni 2021 brannten im nordirakischen Flüchtlingscamp Sharia 365 Zelte: 365 Familien verloren ihr Obdach.

Den Flammen schutzlos ausgeliefert: Aktion „Helfen bringt Freude“ bittet um Unterstützung

An jenen heißen Tag, den 4. Juni dieses Jahres, erinnert sich jeder Bewohner, jede Bewohnerin des Flüchtlingscamps Sharia im Nordirak ganz genau: Ein Großfeuer vernichtete 365 der 2000 Zelte, in denen seit sieben Jahren, seit ihrer Flucht vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), etwa 12.000 Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden leben.

Die Flammen rasten von Zelt zu Zelt. „Die Hölle“, erinnert sich eine Bewohnerin, „wir hatten nichts zum Löschen, nicht einmal genügend Wasser.

Krisentreffen in Calais

EU-Länder wollen härter gegen Schleuser vorgehen

Bei einem Krisentreffen zur Migration über den Ärmelkanal haben Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland einen härteren Kampf gegen Schleuser vereinbart.

Großbritannien, das Ziel der mit kleinen Booten übersetzenden Flüchtlinge ist, wurde zur Schaffung legaler Migrationswege aufgerufen, sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin nach dem Treffen in Calais. Außerdem müsse Großbritannien die illegale Beschäftigung von Flüchtlingen erschweren.

 Der 35-jährige Shero Smo leitet das Flüchtlingscamp Mam Rashan im Nordirak. Er will seine Landsleute von der Flucht nach Europa

Sehnsuchtsort Deutschland: Krisen treiben Menschen zur Flucht

Menschen, die bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Niemandsland zwischen Polen und Belarus ohne Perspektive im Freien ausharren. Menschen, die auf dem Flughafen der nordirakischen Kurdenhauptstadt Erbil nach missglückter Flucht und erzwungener Rückkehr stranden. Menschen, die von schlimmen Misshandlungen durch polnische und belarussische Polizisten berichten: „Klar, diese Bilder und diese Berichte sind hier bekannt“, sagt Shero Smo,

wer aber wirklich aus dem Irak fliehen will, der lässt sich davon nicht abhalten.

 Die Familie von Zedo Abdi Tamer (dritter von rechts) fühlt sich in Leutkirch mittlerweile pudelwohl. Auf dem Foto: Gisela Buck

Flucht einer jesidischen Familie nach Leutkirch: Sicherheit mit einem großen Manko

Zedo Abdi Tamer wohnt mit seiner Ehefrau und vier Kindern in einer Doppelhaushälfte in Leutkirch. Im Garten stehen mehrere Spielgeräte, im selbst gebauten Gewächshaus konnte die Familie vor einigen Monaten Gemüse ernten. Der Vater ist als Fliesenleger in einer Leutkircher Firma tätig, die Mutter kümmert sich tagsüber um den Nachwuchs und den Haushalt, die Kinder gehen in die Schule und den Kindergarten.

Nichts in dieser deutschen Familienidylle deutet auf die Odyssee hin, die die Jesiden vor einigen Jahren erlebt haben.

 Dieses Mädchen kennt kein anderes Leben: Es wurde schon in einem Flüchtlingscamp geboren.

„Helfen bringt Freude“ sichert Menschenwürde und baut Existenzen auf

Blitzblank, bereit für die Behandlung des nächsten Patienten: In der Zahnarztpraxis im Camp Sheikhan im Nordirak ist Zahnarzt Kishman Kawa Khiyo stolz, dass er zur Gesundheit der 3200 Geflüchteten entscheidend beitragen kann: „Zahngesundheit ist ganz wichtig dafür, dass sich die Menschen wohlfühlen, dass es ihnen gut geht“, sagt der Mediziner. Seit einigen Wochen arbeitet der 35-Jährige in der neuen Praxis und hat viel zu tun: „Langweilig wird mir nicht.

 Migranten lagern an der belarusisch-polnischen Grenze.

Operation „Schleuse“: Wie Belarus-Machthaber Lukaschenko Flüchtlinge nach Europa lotst

Der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko und seine Sicherheitsorgane versuchen seit Tagen, Tausende Kurden trotz polnischer Sperrkommandos über die Grenze zur EU zu schleusen. Ohne Rücksicht auf Gesundheit und Leben der Migranten.

Aus kurdischer Sicht erzählt ein Handyvideo die Geschichte sehr schnell: Eine endlose Stacheldrahtrolle teilt den Herbstwald, dahinter steht eine Phalanx behelmter Kämpfer mit Schildern. Polnische Polizeieinheiten machen Front.

Kurden demonstrieren gegen türkischen Militäreinsatz

Friedliche Kurden-Demos im Südwesten

Anhänger der Kurden haben in Stuttgart, Freiburg und Heilbronn friedlich gegen den türkischen Militäreinsatz im Nordirak protestiert. Nach Angaben der Polizei hatten sich am Samstag in Freiburg rund 150 Teilnehmer zu einem Protestzug versammelt, in Stuttgart gingen rund 100 Menschen auf die Straße,in Heilbronn etwa ein Dutzend Menschen. Auf Plakaten hieß es unter anderem: «Schluss mit dem Völkermord in Kurdistan» oder «Stoppt Chemiewaffeneinsatz der Türkei».

Kurdischer TV-Sender berichtet über Tuttlingen

Aus Tuttlingen in die weite Welt: Über Nacht dürfte die Kreisstadt deutlich mehr Menschen bekannt geworden sein. Beim TV-Sender Rudaw mit Sitz in Erbil, Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistans im Irak, wurde über den Besuch des Gouverneurs von Dohuk, Ali Tatar, in Tuttlingen berichtet. Der Sender wird im Nahen Osten, den USA und Europa angesehen.

In dem gut dreieinhalb-minütigen Bericht geht es zwar hauptsächlich um das Bodensee Business Forum, das Schwäbisch Media am Mittwoch in Friedrichshafen veranstaltet hatte.

 Die Stadt Tuttlingen hat ein Feuerwehrfahrzeug an den Gouverneur der Provinzhauptstadt Dohuk, Ali Tatar (4. von links), übergeb

SZ-Spendenaktion „Helfen bringt Freude“: Tuttlingen spendet Löschfahrzeug für Kurdistan

Mit einer großzügigen Spende will die Stadt Tuttlingen den Brandschutz in nordirakischen Flüchtlingscamps verbessern: Am Dienstag übergab Oberbürgermeister Michael Beck ein gebrauchtes Löschfahrzeug an Ali Tatar, den Gouverneur der Provinzhauptstadt Dohuk in der Autonomen Region Kurdistan.

Das Feuerwehrfahrzeug wird noch vor Weihnachten nach Kurdistan gebracht. „Für uns ist das eine Geste der Menschlichkeit. Das Fahrzeug wird der Region in Kurdistan über viele Jahre noch beste Dienste leisten“, sagte Beck.

Jesiden leiden stark unter Ohnmachtsgefühlen angesichts des Stillstands

Perspektivlos, hoffnungslos, mutlos: Im Nordirak droht eine humanitäre Katastrophe angesichts des politischen und wirtschaftlichen Stillstands in der Region. „Schon jetzt sind die Suizidzahlen in den von aus ihrer Heimat vertriebenen Jesiden bewohnten Flüchtlingscamps sehr hoch“, sagt Professor Jan Ilhan Kizilhan und spricht von über 440 Opfern, „aber auch unter den dort heimischen Kurden in der Autonomen Region Kurdistan verbreiten sich Angst und Sorge um die persönliche Zukunft, um ihren Job und die Sicherheit.