Zwei Fußballerinnen aus der Region beim WM-Casting

Lesedauer: 6 Min
Gwinn mit Hans Grübler, dem Cheforganisator des Cordial Cups
Gwinn mit Hans Grübler, dem Cheforganisator des Cordial Cups (Foto: fil)
Ressortleiter Sport

Bis vor viereinhalb Jahren spielte Giulia Gwinn noch mit Jungs Fußball. In der B-Jugend des SV Weingarten wurde die Mittelfeldspielerin „von den Jungs in jedem Training gefordert, das hat mit richtig Spaß gemacht“, sagt die gebürtige Ailingerin, die zuvor fünf Jahre beim FV Ravensburg gespielt hatte, auch immer in Jungenmannschaften . „Ich bin froh, dass ich so lange mit Jungs zusammenspielen konnte und bin dem SV Weingarten dankbar, dass sie mich in der B-Jugend aufgenommen haben. Für meine Entwicklung war das sehr wichtig“, ergänzt sie.

Als sie am 24. November 2018 beim 4:0 gegen Frankreich ihr Debüt in der Nationalmannschaft feierte, wurde sie gleichzeitig zur ersten A-Nationalspielerin, die der SV Weingarten hervorgebracht hat. Für Nationalspieler gilt diese Feststellung übrigens auch. Vergangenen Montag war Gwinn mal wieder in Weingarten, als Losfee.

Erste Nationalspielerin des SV Weingarten

Zum sechsten Mal wird der SVW am 6. und 7. April ein Qualifikationsturnier für den Cordial Cup organisieren, einem der größten Fußballturniere für Jugendmannschaften in Europa. Insgesamt 62 Mannschaften, in der U11, U13 und U15, nehmen in Weingarten an der Qualifikation teil. Viele aus der Region, doch beispielsweise auch Mannschaften von Wacker München, Fortuna Köln und aus der Schweiz. Die Gewinner qualifizieren sich für das Finale des Cordial Cups im Juni in den Kitzbüheler Alpen. Das Turnier in Weingarten ist eines von 35 Qualifikationsturnieren, zusätzlich laden die Organisatoren um den umtriebigen Cheforganisator Hans Grübler europäische Spitzenclubs wie Ajax Amsterdam oder den FC Chelsea ein.

Im Juni 2015 spielte auch Giulia Gwinn mit Weingarten beim Cordial Cup. Wenige Wochen vor ihrem 16. Geburtstag wechselte sie dann zum SC Freiburg, wo sie zum ersten Mal in einer reinen Frauenmannschaft kickte; dort aber eben auf höchstem Niveau. Aus der Bundesligamannschaft der Freiburger ist die Technikerin kaum mehr wegzudenken, in 71 Spielen für den Sport-Club in Bundesliga und Pokal erzielte sie 26 Tore. Ihr Treffer gegen Mönchengladbach im September, ein artistischer Seitfallzieher Marke Ibrahimovic, war von der ARD für die Wahl zum Tor des Monats nominiert.

Die Autogrammkarten, die sie zur Auslosung des Cordial Cups mitgenommen hat, liegen nicht lange auf dem Tisch; die anwesenden Jugendfußballer nehmen sie gerne, auch Selfies mit der Nationalspielerin sind begehrt.

Womöglich werden es irgendwann Selfies mit einer WM-Teilnehmerin sein. In Marbella beginnt die neue Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihr WM-Casting. Am 8. Juni startet Deutschland in Rennes gegen China in die WM, nach dem Viertelfinalaus bei der EM 2017 ist für die sonst so erfolgsverwöhnten DFB-Frauen Wiedergutmachung angesagt. Im besten Fall mit dem Titel.

Die frühere Nationalspielerin Voss-Tecklenburg, 51, die zuvor fast sieben Jahre erfolgreich als Schweizer Nationaltrainerin arbeitete, will sich in Marbella anschauen, „wozu sind die Spielerinnen bereit, was können sie leisten?“ 30 Spielerinnen hat sie zum einwöchigen Trainingslager in der Sonne Spaniens eingeladen.

Giulia Gwinn gehört – genauso wie die für den FC Bayern München spielende Melanie Leupolz aus Ratzenried – zum 30-köpfigen Aufgebot. Im Gegensatz zur 24-jährigen Leupolz, die mit ihren 55 Länderspielen schon zu den Routiniers und den größten weiblichen Stars im deutschen Fußball gehört, fühlt sich Gwinn mit ihren vier Länderspielen (ein Tor) immer noch als Frischling im DFB-Team. „Ich wäre natürlich sehr gerne bei der WM dabei, bin aber weit davon entfernt, irgendwelche Ansprüche stellen zu können“, sagt sie. Mit Voss-Tecklenburg habe sie bisher auch noch nicht persönlich gesprochen.

Mit ihren 19 Jahren ist Gwinn noch nicht einmal die Jüngste in Marbella. Lena Oberdorf (Essen), die erst vor wenigen Tagen 17 Jahre alt wurde, Sjoeke Nüsken (17/Westfalia Rhynern), Lena Lattwein (18/Hoffenheim) oder Klara Bühl (18/Freiburg) sind noch jünger, aber waren bisher nur Juniorennationalspielerinnen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen