Zum Ende der 55. Bundesligasaison: Eine Bilanz der Merkwürdigkeiten

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Nils Petersen ist der beste Joker der Bundesligageschichte.
Nils Petersen ist der beste Joker der Bundesligageschichte. (Foto: Thomas Kienzle)
Udo Muras

Die 55. Saison der Fußball-Bundesliga endete am Wochenende mit der schon gewohnten Titelfeier der Münchner Bayern. Sie feierten ihren 28. Meisterschaft und die sechste Folge – Bestmarken, die keinen mehr überraschen.

Das Besondere an diesem Titel war, dass die Bayern zum zweiten Mal in einer Meistersaison den Trainer wechselten. 1994 rettete Franz Beckenbauer die Schale, diesmal war es Jupp Heynckes.

Was war noch von Bedeutung?

Die Meisterrekorde: Heynckes ist mit 73 Jahren der älteste Meistertrainer der Geschichte. Ältester Meistertrainer, der nicht Heynckes heißt, war Willi Multhaup, der 1965 im Alter von 61 Jahren mit Werder Bremen triumphierte. Franck Ribéry schloss mit seiner achten Meisterschaft zu den Rekordhaltern Oliver Kahn, Philipp Lahm, Mehmet Scholl und Bastian Schweinsteiger (alle mit Bayern) auf. Kein Ausländer kommt an seine Titelsammlung heran.

Die Mega-Absteiger: Mit dem HSV und dem 1. FC Köln erwischte es zwei Gründungsmitglieder der Bundesliga. Für Köln ist es schon der sechste Abstieg (dritthöchster Wert), „Dino“ HSV muss erstmals runter. Dass zwei Ex-Meister der Bundesliga gemeinsam absteigen, kam übrigens schon zum siebten Mal vor. Käme Wolfsburg hinzu, wären es drei – und das wäre neu.

Starke Aufsteiger: Zum dritten Mal in Folge blieben beide Aufsteiger (VfB Stuttgart und Hannover) drin – und standen nie auf einem Abstiegsplatz. Zwar stürmte keiner wie RB Leipzig im Vorjahr in die Champions League, aber Stuttgart kann als Siebter auf die Europa League hoffen, falls Bayern den Pokal gewinnt. Kein Aufsteiger kassierte je weniger Tore als der VfB (36).

Revier-Wechsel: Schalke erreichte die beste Platzierung seiner Liga-Historie (Zweiter – wie fünfmal zuvor) und landete acht Punkte vor Dortmund. Einen größeren Vorsprung hatten sie zuletzt 2007/08 (24 Punkte).

Das Trainerroulette: Neun Trainer wurden entlassen, einer weniger als im Vorjahr. Doch nur sieben Clubs griffen zur Reißleine, Absteiger HSV und der VfL Wolfsburg brauchten gleich drei Trainer. Der VfL schaffte das Kunststück bereits im Vorjahr und wieder führt es in die Relegation.

Unentschieden-Hoch: In 83 Partien konnten sich die Teams nicht auf einen Sieger einigen – Höchstwert seit 2009/10. Hauptverantwortlicher: der VfL Wolfsburg (15 Unentschieden), der in der Hinrunde gar sieben in Folge fabrizierte.

Zuschaueraufschwung: Rund 2800 Zuschauer mehr pro Partie – die Bundesliga boomt. 44 284 passierten – auch dank der starken Aufsteiger – im Schnitt die Stadioneingänge, der zweitbeste Wert aller Zeiten. Nur 2011/12 waren es noch ein paar mehr (45 116). Borussia Dortmund ist zum 20. Mal in Folge Zuschauerkönig (79 222) der Liga.

Weniger Tore: Am letzten Spieltag stellten die Schützen den Saisonrekord (36 Tore) ein. Es änderte wenig am schwachen Gesamtwert von 855 (Schnitt 2,79), weniger waren es zuletzt 2014/15. Ein Grund: die Flucht von Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (13 Tore) im Winter nach London. Im Vorjahr gewann er noch die Kanone für den Torschützenkönig. So aber holte sie Bayerns Robert Lewandowski (29 Tore) mit dem größten Vorsprung der Geschichte – 14 Tore vor Freiburgs Nils Petersen – zum dritten Mal. Noch ein Grund: Hamburgs Dennis Diekmeier hat auch nach 203 Spielen nicht getroffen und steigt als „Mister Ladehemmung“ ab.

Rekord-Legionär: Claudio Pizarros Bundesligakarriere endete zwar mit dem ersten Abstieg seiner Karriere (mit Köln), aber der Peruaner geht als doppelter Rekordhalter: Ausländer mit den meisten Spielen (446) und Toren (192).

Rekord-Joker: In der Endphase der Saison stand Nils Petersen, der nun sogar auf die WM hoffen darf, mit Kapitänsbinde auf dem Platz. In der Hinrunde kam er noch oft genug von der Bank, um Bayerns Alexander Zickler als Rekord-Joker der Liga-Historie abzulösen. Neue Bestmarke: 20 Tore. Auch Pizarro darf nicht fehlen: er wurde in seiner Karriere 192-mal eingewechselt – Rekord.

Elfmeterschwächen: Wie im Vorjahr wurden rund 28 Prozent der Elfmeter verschossen (26 von 94). Hauptverantwortlich dafür: der VfL Wolfsburg, der nur einen von sechs verwandelte. An Schalke lag es weniger, es verwandelte alle zehn (Vereinsrekord). Werder Bremen bekam als einziger Club keinen Elfmeter, seit nunmehr 37 Spielen.

Das Kartenrätsel: Für Statistiker ist die Frage nach den Platzverweisen eine harte Nuss. Die Gelb-Rote Karte für Nils Petersen auf Schalke wurde bekanntlich am grünen Tisch annulliert, vom Platz musste er trotzdem – als einer von 43. Aber nur 42 Sperren wurden verhängt. Jedenfalls ein klarer Rückgang zum Vorjahr (56). Dass gleich vier Teams ohne Platzverweis blieben – Bayern, Gladbach, Hoffenheim und Bremen – gab es zuletzt 1987/88, also vor Einführung von Gelb-Rot.

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