Zielflagge für die Formel 1 in Deutschland

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GP Deutschland
Deutschland hat sich mehr als standesgemäß vorerst aus der Formel 1 verabschiedet. (Foto: Jan Woitas / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Jens Marx

Das Unwetter mit Blitz und Donner nach dem erneut verpassten Triumph beim Heimrennen von Sebastian Vettel passte zum denkwürdigen Abschiedsgruß der Formel 1 aus Deutschland.

Noch einmal war alles geboten, die Campingplätze um den Hockenheimring waren am Wochenende proppenvoll, auf den Tribünen wurde schon lange vor dem Rennstart am Sonntag Stimmung gemacht, als strahlender Sonnenschein über Nordbaden herrschte. Und ein Rennen, das lange drohte, zum Langweiler zu werden, aber eines wurde, das lange in Erinnerung bleiben wird.

Es wirkte, als wollten die 70 000 Zuschauer und die Fahrer den neuen US-Besitzern eines mit auf den unbekannten Weg der Formel 1 in Deutschland gegen: Eine Motorsport-Königsklasse ohne das Autoland darf nicht sein. Erst recht, nachdem Vettel durch seinen Unfall im Regen 15 Runden vor Schluss den fast sicheren ersten Heimsieg auf dem Hockenheimring verspielte und auch noch die WM-Führung an Erzrivale und Titelverteidiger Lewis Hamilton verlor.

Doch was erstmal bleibt, ist das Prinzip Hoffnung. Die Zielflagge für die Motorsport-Königsklasse in Deutschland ist erstmal geschwenkt. Ende. Aus. Nach 77 Rennen ist erstmal Schluss.

„Deutschland ist nicht bereit, Geld auszugeben für den Grand Prix, die Formel 1 zu bewerben, den Rennsport und Deutschland, so dass die Leute hinkommen“, sagt Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel bei seinem zunächst letzten Heimrennen, für das er sich unter donnernden Applaus die Pole gesichert hatte.

Es war der 36. Grand Prix auf dem Kurs mit dem berühmtem Motodrom. 40 Mal fuhr die Formel 1 auf dem Nürburgring, bis 1976 davon auf der legendären Nordschleife. Einmal, 1959, gastierte die Motorsport-Königsklasse sogar in Berlin auf der Avus.

Dort hat längst die Patina die PS-Serie in lang zurückliegende Geschichte verwandelt, wenngleich ein Stadtrennen in der Kapitale für das Milliardengeschäft großen Spektakel-Wert hätte. 2010 nach dem ersten WM-Titel durfte Vettel in seinem Red Bull eine kleine 750-PS-Sightseeing-Tour dort machen. „Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man im Formel-1-Auto von der Siegessäule auf das Brandenburger Tor zufährt“, sagte Vettel damals.

Ein Rennen dort? Träumereien. Wie auch eine Rückkehr in die Grüne Hölle. Die Verantwortlichen des Nürburgrings machten Liberty Media, den Besitzern der Formel 1, einen entsprechenden Vorschlag. Allerdings ohne finanzielles Angebot. Damit war's das. Lewis Hamilton würde eine Rennrückkehr der Formel 1 auf die Nordschleife lieben, erzählte der viermalige Champion von Mercedes der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. „Das ist die längste Rennstrecke der Welt. Sie hat einen besonderen Charakter, die vielen fantastischen Kurven, es geht über Berg und Tal“, sagte Hamilton. Mehr als 20 Kilometer mit mehr als 70 Kurven - das ist die Nordschleife.

Die nahe Formel-1-Realität heißt derzeit aber weder Nürburgring, dem das Risiko für eine Rückkehr auch auf die Grand-Prix-Strecke im nächsten Jahr bereits zu groß ist, noch Hockenheimring. Miami, wo die Finanzierung auch durch den US-Bundesstaat Florida am kommenden Donnerstag geklärt werden soll, ist für 2019 im Rennkalender vorgesehen. Hanoi in Vietnam, Buenos Aires in Argentinien - das sind klangvolle Kandidaten für künftige Austragungsorte.

Mächtige Konkurrenz also für die Große Kreisstadt Hockenheim mit ihren rund 21 000 Einwohnern. Ihr gehören auch 94 Prozent an der Hockenheim-Ring GmbH. Eine schwarze Null sollten sie dieses Jahr erreicht haben. „Wir werden jeden Vertrag schließen, der kein Risiko beinhaltet“, sagte Geschäftsführer Georg Seiler einmal und ging noch einen Schritt weiter: „Es müssten Gelder übrig bleiben.“ Wieso sollten die Rennstrecken die Formel 1 fördern?

So ist es aber. Und schon Bernie Ecclestone bemängelte während seiner Herrschaft nicht selten, dass in Deutschland viel Geld für Fußball, aber keines für die Formel 1 ausgegeben werde. Er war es allerdings auch, der das Geschäftsmodell entwarf und Verträge mit teilweise horrenden Antrittsprämien machte.

In Abu Dhabi oder Sotschi lässt man sich das Spektakel Schätzungen zufolge umgerechnet rund 43 Millionen Euro kosten. Am Hockenheimring soll die Antrittsprämie zuletzt bei rund zwölf Millionen Euro gelegen haben. Verdienen können die heimischen Veranstalter nur mit dem Ticketverkauf. Und auch da gaben die deutschen Fans zusammen mit den niederländischen Fans von Max Verstappen alles: Rund 70 000 Zuschauer waren zuletzt 2006 an den Hockenheimring gekommen, als noch ein Michael Schumacher in der Formel 1 fuhr.

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