Wutausbruch wohl ohne Folgen für Brand

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Sein Wutausbruch wird wohl ohne Folgen bleiben, doch nach der Abreise des verletzten Spielmachers Michael Kraus hat Bundestrainer Heiner Brand mehr Schutz der Spieler durch die Referees gefordert.

„Die Verletzung ist eine direkte Folge der Pfeiferei bei diesem Turnier“, sagte Brand und stieß damit bei der WM im kroatischen Zadar eine Schiedsrichter-Diskussion an. Denn nach seiner Meinung sei es ein Trend, dass insbesondere die Rückraumspieler ungestraft attackiert werden dürfen. „Am Kreis wird alles mit zwei Minuten bestraft, im Rückraum passiert gar nichts. Das haben wir auch schon bei den Olympischen Spielen in Peking erlebt und erleben es hier jetzt wieder.“

Kraus war bei der unglücklichen 24:25-Niederlage gegen Norwegen nach einem Schubser im Sprung durch Gegenspieler Stian Vatne bei der Landung umgeknickt und hatte sich einen doppelten Bänderriss im linken Fuß zugezogen. Bereits um 4.50 Uhr am Montag wurde der Lemgoer mangels Gehhilfen auf einem Kofferwagen aus dem Mannschafts-Hotel Kolovare gerollt und reiste zurück nach Deutschland. Dort soll in Göppingen eine Magnetresonanztomographie (MRT) genauen Aufschluss über die Verletzung bringen. „Dann wissen wir mehr“, sagte Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier und prognostizierte mindestens fünf Wochen Pause.

„Ich habe mich aber schon während der Partie wegen der Verletzung von 'Mimi' Kraus aufgeregt“, gestand der Bundestrainer, „es ist eine grundsätzliche Frage der Regelauslegung, die man seitens der IHF überdenken sollte. Es kann nicht sein, dass Leute, die im Sprung Richtung Tor sind, von der Seite oder von hinten geschubst werden. Das ist zum einen ein Foul, zum anderen gefährliches Spiel, weil dann die Landungen unkontrolliert werden.“ So hatte sich Pascal Hens bei den Olympischen Spielen in Peking einen Bruch des Schienbeinkopfes zugezogen und war monatelang ausgefallen. Brand kündigte an, seine Vorwürfe beim Weltverband IHF mit Videos zu unterlegen. „Ich werde im Anschluss an die WM mal was zusammenstellen.“

Am Tag zuvor hatte der Bundestrainer mit einem aufsehenerregenden Wutausbruch nach Spielende seinem Ärger über die Schiedsrichter-Leistung Luft gemacht. Mit geballten Fäusten und in furchteinflößender Drohgebärde war er auf die slowenischen Referees Nenad Krstic und Peter Ljubic zugerannt. Diese hatten in den Schlusssekunden dreimal einen Freiwurf von Christian Schöne zurückgepfiffen und so einen möglichen Ausgleich und den damit verbundenen Einzug ins Halbfinale verhinderte.

„Das war ein Ausdruck meiner Ohnmacht über die Entscheidungen, die ich noch immer nicht nachvollziehen kann, weil der Ball nie im Aus war. Ich habe noch nie jemanden geschlagen. Außerdem ist in meinem Alter die Kraft der rechten Geraden nicht mehr so stark ist, dass sie Wirkung erzielen würde“, sagte der Bundestrainer und gab zu: „Ich habe mir die Bilder heute Morgen angeschaut und war etwas erschrocken.“ Eine Bestrafung durch die IHF erwartet er aber nicht. „Ich habe ja nichts gemacht. Ich habe sie ja nicht mal beschimpft.“

Auch vom Weltverband drohen wohl keine Sanktionen. „Es liegt kein schriftlicher Bericht vor und ich habe auch nichts vermerkt“, sagte Christer Ahl, Vorsitzender der Regel- und Schiedsrichterkommission der IHF, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Zadar. Allerdings schränkte der Amerikaner ein: „Das Thema wird noch diskutiert in der IHF.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen