Wundertüte FC Bayern: 5:0-Sieg in Lissabon

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Deutsche Presse-Agentur

Europa staunt über Bayern München - aber nach dem höchsten Sieg in der Champions League brach beim deutschen Fußball-Rekordmeister keine Euphorie aus, sondern alles blickt gebannt nach Bremen.

Trainer Jürgen Klinsmann verordnete nach dem befreienden 5:0 (1:0) bei Sporting Lissabon „Bescheidenheit“, Manager Uli Hoeneß ermahnte zur Beendigung der Bundesliga-Krise. „Dieser Sieg ist nur eine tolle Geschichte, wenn wir in Bremen nachlegen. Denn eine Niederlage in Bremen können wir uns eigentlich nicht leisten.“

Allein beim Festbankett im Ritz-Hotel erlaubten sich die Bayern einen Moment des Schwärmens, genossen die zuvor geprügelten Spieler den warmen Beifall der Edelfans und Sponsoren. Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge sprach in seiner Bankett-Rede von einem „wunderbaren Tag“, wie ihn sich „wahrscheinlich alle nicht erträumen“ konnten. „Wir haben ein unglaubliches Spiel hingelegt mit einem perfekten Ergebnis. Ich darf der Mannschaft, dem Trainer und seinen Kollegen dazu herzlich gratulieren“, sagte Rummenigge unter heftigem Applaus. Der 125. Auftritt in der Königsklasse sei ein „historisches Ereignis“ gewesen, erklärte Rummenigge stolz: „Es war der höchste Sieg von Bayern München in der Champions League: 5:0 ist neuer Rekord!“

Das Viertelfinale ist zu 99,99 Prozent erreicht, das Rückspiel gegen Sporting am 10. März in der ausverkauften Münchner Arena ist nur noch Schaulaufen. Das „Mindestziel“ in der Champions sei mit dem Einzug unter die besten acht Mannschaften erreicht, betonte Hoeneß: „Wir wollen jetzt natürlich mehr - keine Frage.“

Die Träume von Halbfinale und Endspiel aber sind Zukunftsmusik - erst einmal herrscht Nachholbedarf im Bundesliga-Alltag. „Wir haben eine wunderbare Antwort auf das Krisengerede gegeben. Aber es wäre wunderschön, wenn wir auch in Bremen den einen oder anderen Punkt holen und in der Tabelle etwas stabiler werden und auch dort unsere Ziele erreichen“, betonte Rummenigge. Und Klinsmann nahm die 5:1- Pokal-Gala beim VfB Stuttgart als Mahnung her. „Der Sieg war ähnlich beeindruckend, danach haben wir ein paar Kratzer abbekommen.“

Überhaupt erweist sich der FC Bayern unter Klinsmann als unberechenbare Wundertüte - das europäische Leichtgewicht Sporting entpuppte sich dabei als idealer Aufbaugegner. Denn es war keine fußballerische Bayern-Sternstunde, der die 35 163 Zuschauer im Stadion José Alvalade beiwohnten. Aber womöglich dennoch ein entscheidender Wendepunkt in der bisherigen Zickzack-Saison. „Wir sind wieder zurückgekommen, das große Bayern München“, jubelte Luca Toni (84./90.), der ebenso wie Franck Ribéry (42./63./Foulelfmeter), der im frühlingshaften Lissabon seinen „Spaß am Fußball wiederfand“, doppelt traf. Miroslav Klose (57.) führt nach seinem sechsten Treffer im siebten Spiel die Champions-League-Torjägerliste sogar an.

„Es war nicht super, aber ordentlich“, sagte Kapitän Mark van Bommel. Es war ein Abend, der Klinsmann eine kurze Atempause verschaffte, die Bosse für ihre Besonnenheit nach der Köln-Pleite belohnte und die Mannschaft darin bestätigte, den Trainer zu mehr Augenmerk auf die defensive Stabilität zu zwingen. Denn erstmals nach drei Monaten stand hinten wieder die Null! „Wenn man geordnet Fußball spielt, sieht man, dass unsere Mannschaft in Europa mitspielen kann. So muss es in Zukunft aussehen“, sagte Nationalspieler Philipp Lahm. Auch van Bommel hob die Abkehr vom ungestümen Hurra-Fußball hervor: „Wir haben heute defensiv gespielt, das war der Schlüssel.“

Sporting Lissabon war aber kein Maßstab - und in der Champions League sind die Bayern-Stars nicht nur motivierter und fokussierter, sondern sie tun sich auch leichter. „In der Bundesliga stehen die Gegner gegen uns hinten drin und warten auf Konter“, erläuterte der Brasilianer Zé Roberto. Platz vier ist dennoch indiskutabel, gestand Klinsmann: „Wir wissen, dass wir viel nachlegen müssen in der Bundesliga.“ Immerhin, stellte Hoeneß erleichtert fest, „können wir uns jetzt mit etwas weniger Nervenflattern nach Bremen begeben“.

[Estadio José Alvalade]: Rua Professor Fernando da Fonseca, Lissabon

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