Worndorfer Rennfahrer Pascal Wehrlein erhält Hilfe vom Bodensee

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| Team: Mahindra Racing| | Photographer: Lou Johnson| Event: Livery Launch shoot| Location: Banbury| Series: FIA Formula E| Seas
| Team: Mahindra Racing| | Photographer: Lou Johnson| Event: Livery Launch shoot| Location: Banbury| Series: FIA Formula E| Season: 2019-2020| Country: UK| (Foto: Mahindra Racing / Spacesuit Media)
Klaus-Eckhard Jost

Eine neue Partnerschaft lässt sich am besten mit Zahlen umschreiben. Doch mit solchen Zahlen? „860 Gramm wiegen die Aufkleber von ZF“, sagt Dilbagh Gill, der Chef des Formel-E-Teams Mahindra, mit einem freundlichen Lachen. Auch wenn dies relativ wenig Gewicht ist, so wiegt die künftige Zusammenarbeit zwischen dem Automobilzulieferer ZF aus Friedrichshafen und dem indischen Rennstall schwer. „Wir haben uns nach einem starken Partner umgesehen, um den nächsten Schritt im Kampf gegen die großen Hersteller zu machen“, sagte Gill am Freitagabend in Hockenheim bei der Verkündung der Partnerschaft.

Schrittweise wird ZF sein Know-How in den Renner einbringen. In der kommenden Saison, die am 22. November in Riad beginnt, wird dies auf die Entwicklung des Fahrwerks beschränkt sein. Und in der folgenden Saison wird ein eigener Antriebsstrang folgen.

Entwicklungstempo soll zunehmen

Über diese neue Zusammenarbeit freut sich auch einer der Fahrer. Pascal Wehrlein, der Oberschwabe aus Worndorf, wird seine zweite Saison in der Formel E wieder bei Mahindra bestreiten. Wie im vergangenen Jahr mit dem Belgier Jérôme d’Ambrosio als Teamkollege.

Im Sommer hatte der 24-Jährige noch mit einer Rückkehr in die Formel 1 geliebäugelt. Doch da sind alle Cockpits besetzt. „Ich bin, ehrlich gesagt, nicht traurig, dass es mit der Formel 1 nicht geklappt hat und freue mich auf die Formel E, zumal mit ZF quasi ein wichtiger Partner aus meiner Nachbarschaft dabei ist“, sagt der Worndorfer, „und ich denke, dass wir mit ZF einen sehr guten Partner mit sehr viel Know-How gefunden haben.“ Mit dem breit aufgestellten Autozulieferer wird sich auch die Zahl der Zulieferer reduzieren. „Damit wird sich das Tempo bei der Entwicklung beschleunigen“, sagt Wehrlein.

Eine weitere Verbesserung verspricht auch ein Umzug. Im kommenden Monat bezieht der Rennstall in der Nähe von Oxford in England seine neue Zentrale, in der alle Mitarbeiter unter einem Dach arbeiten. Davor war die Belegschaft auf mehrere Standorte in England und Spanien verteilt, was die Kommunikation erschwert hat. Trotzdem warnt Wehrlein, gleich zum Saisonstart in Riad Wunderdinge zu erwarten. „Noch ist alles am Anfang, es wird ein wenig dauern, bis sich alles einspielt“, sagt der Pilot, „aber dieses Projekt hat enormes Potenzial.“ Dabei denkt er, der jahrelang von Mercedes gefördert worden war, auch an das Mercedes-Formel-1-Team. Vier Jahre Aufbauarbeit waren nötig, bis ein Rädchen ins andere gegriffen und so zu dieser dominanten Position geführt hat.

Bekannt ist Pascal Wehrlein für seinen großen Ehrgeiz und dafür, dass er sich hohe Ziele setzt. „Ich will mein erstes Rennen gewinnen“, sagt er geradeheraus. „Ansonsten hoffe ich, dass wir über die Saison konstanter sind und dass wir weniger Aufs und Abs haben.“ In seiner Premierensaison fuhr Wehrlein zweimal aufs Treppchen, wobei ihm sein zweiter Platz in Mexiko nachträglich wegen einer Zeitstrafe aberkannt wurde. In der Gesamtwertung der Saison wurde er – 2015 einst jüngster DTM-Champion der Geschichte – Zwölfter. Ausbaufähig.

Hoffnung auf Rennsiege

Wehrlein sieht Audi und Techeetah in der Pole Position, dahinter folgen seiner Einschätzung nach Jaguar und Nissan sowie die Neueinsteiger Mercedes und Porsche. Und Mahindra. „Wenn ich die Partnerschaft mit ZF sehe und an die Vergangenheit denke, dann werden wir sicherlich auch in der Lage sein, Rennen zu gewinnen“, so Wehrlein.

Wenn auch noch nicht von ZF, so bekommt der Mahindra M6-electro in der sechsten Saison wieder einen neuen Antriebsstrang. „Wir haben für jede Saison einen neuen entwickelt“, sagt Gill. Vor allem mit der Software hätten sich seine Entwickler „intensiv befasst“, so der Teamchef. Der neue Powertran sei auch um sechs Kilogramm leichter ausgefallen.

Insofern wurden die 860 Gramm, die die ZF-Aufkleber wiegen, deutlich überkompensiert.

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