WM-Silber für Stephan - 3. Titel für Björndalen

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Deutsche Presse-Agentur

Mit Sensations-Silber hat der Oberhofer Christoph Stephan den deutschen Skijägern im dritten Rennen der Biathlon-WM die erhoffte Medaille beschert.

Der 23 Jahre alte Aufsteiger dieses Jahres musste im Einzelrennen über 20 Kilometer nur dem erneut überragenden Norweger Ole Einar Björndalen um 14,1 Sekunden den Vortritt lassen. Überraschungs-Dritter wurde im südkoreanischen Pyeongchang der Kroate Jakov Fak (+ 17,1 Sekunden), der wie Stephan seinen ersten internationalen Medaillengewinn und den ersten für sein Land feiern konnte.

„Dass ich hier auf der Strecke, die meiner Lauftechnik nicht so entgegenkommt, Zweiter werden kann, muss ich erst realisieren“, sagte Stephan im Ziel. „Ich habe mir beim letzten Schuss ganz, ganz viel Zeit gelassen und mir nichts dabei gedacht“, berichtete der Thüringer. Er war erst nach der krankheitsbedingten Abreise von Andreas Birnbacher (Schleching) ins Team gerutscht und sicherte sich zudem mit Silber auch die Teilnahme beim Massenstart am Samstag.

„Überläufer“ Björndalen gewann sein drittes WM-Gold in Südkorea trotz seiner drei Strafminuten. „Ich bin froh, dass es nach den drei Schießfehlern überhaupt noch zu einer Medaille gereicht hat. Ich habe nicht mehr damit gerechnet und hatte viel Glück“, meinte der 35 Jahre alte Top-Skijäger der Biathlon-Geschichte nach seinem 13. WM-Gold. Mit nun 87 Weltcupsiegen ist er auch in der Rekordliste alleiniger Spitzenreiter vor dem schwedischen Alpinen Ingemar Stenmark (86).

Während es der dreimalige Junioren-Weltmeister Stephan bei nur einem Schießfehler aus dem ersten Anschlag beließ, leisteten sich die übrigen drei deutschen Starter jeweils vier Strafminuten. Michael Rösch (Altenberg/+2:10,9 Minuten) wurde 18., der dreimalige Olympiasieger Michael Greis (Nesselwang/+2:21,9) landete einen Platz dahinter und behauptete das Rote Trikot des Führenden im Disziplin- Weltcup. Für den Oberhofer Alexander Wolf reichte es mit 3:15,6 Minuten Rückstand lediglich zum 30. Platz.

Bundestrainer Frank Ullrich hatte vor dem Start Stephan letzte Tipps gegeben. „Darauf habe ich mich besonnen, habe auf der Strecke ganz bewusst das Tempo herausgenommen und mich nur auf den Schießstand konzentriert. Das war der Schlüssel zum Erfolg“, betonte Stephan. Der Bundestrainer ballte nach dem letzten Schießen des Shootingstars in seiner Mannschaft die Fäuste und stürmte aus dem Schießstand an die Loipe. „Eine Wahnsinnsleistung von Christoph“, meinte er jubelnd und verteilte ein „Riesenkompliment“.

Über Funk mobilisierte er das gesamte deutsche Betreuer-Team. „Macht ihm noch mal Beine“, forderte er zu stimmlichen Höchstleistungen auf. „Gegen Björndalen ist auf den Strecken hier kein Kraut gewachsen. Das Profil ist wie gemacht für ihn. Das Silber für Christoph wiegt wie Gold“, lobte er „König Ole“, der bei der Siegerehrung erneut seine Goldkappe trug und überglücklich die norwegische Fahne schwenkte. Bei der anschließenden Medaillen- Zeremonie für das Verfolgungsrennen am Sonntag empfing er auch Glückwünsche von Maxim Tschudow, der wie am Vorabend vom russischen Teamchef Tichonow angekündigt die Siegerehrung nicht boykottierte.

Christoph Stephan, der vor drei Wochen im Südtiroler Antholz seinen ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, stürmte mit 6,3 Sekunden Rückstand auf die letzten 3,3 Kilometer. Er mobilisierte auf dem Schlussabschnitt alle Reserven und verlor nur wenige Sekunden auf den Weltmeister. Im Ziel blieb er unendlich erscheinende 35 Sekunden im Schnee liegen, ehe er Ullrich um den Hals fiel. „Genau das ist Christophs Stärke. Er kann wie kaum ein Zweiter auf der Schlussrunde beißen“, erklärte sein Heimtrainer Mark Kirchner.

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