WM-Gold für Riesch: „Felsbrocken vom Herzen“

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Deutsche Presse-Agentur

Als Maria Riesch von den Teamkolleginnen auf Schultern durch den Zielraum getragen wurde, war der ersten deutschen Slalom-Weltmeisterin seit 33 Jahren längst ein „Felsbrocken vom Herzen“ gefallen.

Mit einem couragiertem zweiten Lauf hat Maria Riesch ihren WM-Fluch von Val d'Isère besiegt und sich im Stile eines Champions doch noch die ersehnte Medaille geholt. Dass es gleich noch zur Goldenen reichte, machte den letzten WM-Tag der Partenkirchenerin perfekt. „Wahnsinn, ich hätte es selber nicht mehr für möglich gehalten. Ich bin Weltmeisterin, das ist der Hammer“, sagte Riesch, nachdem sie mit Nerven wie Drahtseilen und Bestzeit im zweiten Lauf von Rang sechs auf eins vorgefahren war. Silber holte die 2007er Weltmeisterin Sarka Zahrobska (Tschechien), Dritte wurde Tanja Poutiainen aus Finnland.

„Das war allerhöchste sportliche Klasse, was sie gezeigt hat“, schwärmte auch der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier. Aber eigentlich fehlten auch ihm die Worte zur Leistung seiner Stehauffrau. Der ganz große Druck war vom Team durch den Weltmeister-Titel von Kathrin Hölzl abgefallen, nun reichte es dank Riesch erstmals seit 16 Jahren wieder zu zwei Weltmeistern bei einem Titelkampf. „Das war überdimensional gut für uns“, meinte Maier. Fanny Chmelar (Partenkirchen) mit ihrem besten Slalom-Ergebnis als Achte und Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl als 18. rundeten das gute Teamergebnis des Deutschen Skiverbands (DSV) ab, doch das spielte im großen Jubel um die Slalom-Weltmeisterin keine Rolle mehr.

Dass die erste deutsche Torlauf-Weltmeisterin seit Rosi Mittermaier 1976 in Innsbruck - damals zählte Olympia-Gold als WM-Titel - auch vom Ausfall-Pech der führenden Italienerin Manuela Mölgg und ihrer dahinter liegenden Ski-Freundin Lindsey Vonn profitierte, konnte ihren Stolz nicht schmälern. „Das war nicht durch Glück oder Zufall. Ich habe einen guten zweiten Lauf gezeigt und die anderen haben Nerven gezeigt“, sagte Riesch. Die 24-Jährige hatte sich mit Zimmergenossin Hölzl in der gemeinsamen Weltmeister-Stube auf ihren letzten WM-Wettkampf eingestimmt hatte. Blumen bekam Riesch am Valentinstag von Nicolas Sarkozy - Frankreichs Staatspräsident überreichte Riesch den Siegerstrauß.

Nach einem schmerzhaften Trainingssturz, der als Vierte knapp verpassten Kombi-Medaille und den enttäuschenden Plätzen 8, 10 und 28 in Super-G, Abfahrt und Riesenslalom konnte Maria Riesch ihr Glück kaum fassen. „Nach dem ersten Lauf habe ich nicht mehr daran gedacht, ich habe mir schon Phrasen zurecht gelegt, für den Fall, wenn es nicht klappt. Dieses Happy End ist ein Wahnsinn“, sagte sie. „Dass es eine Goldmedaille ist, ist wie ein Traum.“

Nach zwei verpassten Großereignissen und erfolglosen Titelkämpfen 2007 war sie nach vier Saisonsiegen im Slalom erstmals als Favoritin ins Rennen gegangen. Nachdem Maria Riesch dem übergroßen Druck standgehalten hatte, konnte sie ihr Glück kaum fassen. Trainer Mathias Berthold ging es nicht anders. „Als ich den zweiten Durchgang besichtigt hatte, habe ich gesagt, um Gottes Willen, was für ein schwerer Lauf“, gestand Berthold. „Ich ziehe meinen Hut. Es hat selten eine so verdiente Weltmeisterin gegeben wie Maria.“

Pech hatte die wegen einer Daumen-Verletzung mit Schiene gestartete Doppel-Weltmeisterin Lindsey Vonn, die nach einem Sturz ausschied. „Aber sie freut sich für mich“, sagte Riesch, die ihre Freundin noch im Ziel versöhnlich in den Arm genommen hatte. Auch Susanne Riesch wurde durch die Goldfahrt der großen Schwester für ihren Einfädler im ersten Lauf entschädigt. „Das ist mehr als verdient für sie und ich habe es schon nach dem ersten Lauf gesagt“, meinte sie, bevor sie „Maria die Große“ zusammen mit Fanny Chmelar auf Schultern durchs Ziel trug.

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