WM-Champ Riesch: Früh raus aus Federn

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Deutsche Presse-Agentur

Die Weltmeister-Nacht war für Maria Riesch schon nach wenigen Stunden zu Ende. Trotz einer rauschenden Party, bei der im Österreich-Haus sogar irgendwann das Bier ausging, „war ich um halb sieben eh wieder wach“.

So viele Erlebnisse der Ski-WM in Val d'Isère schossen der 24-Jährigen durch den Kopf, aber nach dem goldenen Wochenende hatte sie der Ski-Alltag schnell wieder eingeholt. Die WM-Klamotten wurden fix zusammengepackt und nun geht es schon ab ins italienische Tarvisio zum Weltcup-Endspurt. „Es sind noch vier Weltcup-Wochenenden, da reißen wir uns gescheit zusammen und machen einen Showdown“, sagte Riesch. Sie liegt im Gesamtklassement schwer aufzuholende 179 Punkte hinter ihrer Lieblingsrivalin Lindsey Vonn (USA).

Nur Außenseiterchancen hat Riesch beim Kampf um die erste Große Kristallkugel für den Deutschen Skiverband (DSV) seit der von Katja Seizinger vor elf Jahren, dagegen kann sie für eine andere Titel- Party schon mal die Gäste einladen. Beim Heim-Wettkampf Anfang März in Ofterschwang, wo Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl ihren ersten Weltcup-Sieg einfahren möchte, will die mit 580 Punkten vor Vonn (440) führende Riesch den ersten Disziplin-Weltcup im Slalom perfekt machen. Vor mehr als 30 Jahren gewannen hier zuletzt Christa Zechmeister und Rosi Mittermaier.

In der Öffentlichkeit werden Erfolge wie das Gold aus Val d'Isère oder Olympia-Medaillen stärker gewürdigt, in Sportlerkreisen ist dagegen das Alltagsgeschäft fast noch wichtiger. „Der Gesamtweltcup ist der Lohn für die ganze Saison, auch wenn er nicht so wahrgenommen wird wie eine Medaille“, sagte die zweifache Gewinnerin einer kleinen Kristallkugel, für die zwischen PR-, Feier- und TV-Terminen auch medizinische Pflege auf dem Stundenplan stand. Denn die Folgen des Trainingssturzes aus der ersten WM-Woche sind noch lange nicht verheilt. „Wir klatschen uns vor dem Start immer so fest ab wie es geht und da tut es ihr im Brustbein immer noch weh“, verriet Trainer Mathias Berthold kurz vor der Saison-Zielgeraden.

„Der Arzt hat gemeint, ich merke die Sturzfolgen wahrscheinlich noch sechs Wochen“, meinte Riesch, der es auch in der Wirbelsäule zwickt. Ihrer Konkurrentin im Kampf um die Kristallkugel(n) geht es auch nicht besser. Vonn bestreitet die letzten Rennen der Saison mit einer Daumenverletzung, bei der aus ärztlicher Sicht eine Pause von drei Monaten angebracht wäre. Am Wochenende will die Schwedin Anja Pärson die Blessuren der beiden Ski-Freundinnen nutzen und sich als Nachfolgerin von der hier abgeschlagen zurückliegenden Maria Riesch nach medaillenlosen Weltmeisterschaften mit der Kristallkugel in der Kombination über den WM-Frust hinwegtrösten.

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