Wird ein Kleiner der neue Weltmeister?

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Neue Weltmeister? Jubeln können die Schweizer Blerim Dzemaili (oben), Ricardo Rodriguez, Breel Embolo und Granit Xhaka (v. li.)
Neue Weltmeister? Jubeln können die Schweizer Blerim Dzemaili (oben), Ricardo Rodriguez, Breel Embolo und Granit Xhaka (v. li.) bereits. (Foto: dpa)

Den Titel holt die bessere Hälfte der Liga. (Pro, von Joachim Lindinger)

Die Schweiz, man vergisst es manchmal, ist amtierender WM-Zweiter. Okay, im Eishockey … aber auch da waren die Eidgenossen vorher nicht konstant das, was man „groß“ nennt. Geht also – und jetzt auch auf Rasen. Und jetzt ein gehöriges Stück weiter als bei der WM 2014. Da war Argentinien Achtelfinal-Endstation nach Verlängerung, traf Angel di Maria zwei Minuten vor Ultimo zum 0:1 gegen eine bestens eingestellte Auswahl der Confoederatio Helvetica. Der Trainer seinerzeit hieß Ottmar Hitzfeld, gleich zu Beginn der Nachspielzeit landete ein Kopfball Blerim Dzemailis am Pfosten, der Abpraller traf sein Knie und kullerte ins Toraus.

Jetzt heißt der Trainer Vladimir Petkovic, versammelt die „Nati“ die halbe deutsche Bundesliga (die bessere Hälfte?), sind Rückstände (gegen Brasilien, gegen Serbien) offenbar nicht Problem, sondern Gelegenheit, Charakter und Willen zu zeigen. Schweden heute ist ein Gegner Marke „machbar“, danach ginge es gegen Kolumbien oder England. Beide in Reichweite. Wie – folglich – der Halbfinal. Allein wegen des „der“ (auch vor dem Sehnsuchtswort „Final“) muss es hinhauen mit der Schweiz als Weltmeister. „Der Mensch“, sagt Vladimir Petkovic gerne, „braucht etwas, wofür er brennen kann. Und eine kleine oder große Vision, was er dabei erreichen will.“ Na dann: Hopp Schwiiz!

Der Zwergenaufstand hat ein Ende. (Contra, von Filippo Cataldo)

Am 15. Juli werden im WM-Finale also auf jeden Fall entweder Russland, Kroatien, Schweden, Schweiz, Kolumbien oder England stehen. Das ist schön für sie, aber näher werden sie dem Titel auch nicht kommen. Bei aller Sympathie für Underdogs und Märchengeschichten – eine Weltmeisterschaft ist keine Europameisterschaft, wo eine Bande von leicht übergewichtigen Fastfoodfans aus dem Urlaub kommen und triumphieren (Dänemark 1992) oder bei der Otto Rehhagel eine Horde von mittelmäßig begabten, aber braven und wackerren Kämpfern zu Titelehren (2004) führen kann. Und weil auch Portugal in Russland schon ausgeschieden ist, wird das Universum sich nicht noch einmal vom großen Charismatiker des Weltfußballs beschwören lassen, den Titel doch noch der Mannschaft zu schenken, die während des Finals das größte Opfer überhaupt bringen musste. Ein charismatischeres Opfer als Cristiano Ronaldo wird keine der oben genannten Mannschaften gegen das Universum ins Feld führen können.

Die WM 2018 ist schon jetzt die WM der Außenseiter. Fein! Wenn das die Großen dazu antreibt, ihre Überheblichkeit zu überdenken und sich stattdessen was Neues einfallen zu lassen: Umso besser! Doch mehr können sie nicht erwarten. Im Finale endet der Zwergenaufstand, den Titel holt Frankreich. Oder Brasilien.

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