Wieder Wirbel um Kuranyi auf Schalke

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Deutsche Presse-Agentur

Auf dem Platz war er zuletzt nur noch Mitläufer, doch in Interviews läuft Kevin Kuranyi derzeit zu zweifelhafter Höchstform auf.

Mit zahlreichen, sich zum Teil widersprechenden Aussagen sorgt der Stürmer des Fußball-Bundesligisten wieder einmal für Wirbel und schürt neuerliche Unruhe in dem ohnehin sensiblen und nervösen Umfeld des FC Schalke 04. Statt die wachsende Zahl der Kritiker, Trainer Fred Rutten und die Clubbosse mit Topleistungen auf dem Rasen zu überzeugen, kokettiert der 26-Jährige seit Tagen mit einem möglichen Wechsel und äußert wachsweiche Bekenntnisse zum Verein.

Mit seiner Mutmaßung im „kicker“, Schalke wolle „nicht mit mir verlängern, sondern mich lieber verkaufen“, nötigte Kuranyi die Verantwortlichen zu einem Dementi, für das es eigentlich keinen Anlass gab. So musste Manager Andreas Müller nach dem Training klarstellen, dass es kein Angebot für Kuranyi gegeben habe und gibt, und dass man nicht an einen Transfer denke.

Kuranyi sei vor der Partie in Hannover zu ihm ins Hotelzimmer gekommen und habe wissen wollen, ob es interessierte Clubs gebe. „Ich habe gesagt: Nein, da kann auch kommen was will. Es gibt keine Möglichkeit für dich, hier wegzukommen“, so Müller, der zuvor bereits betont hatte: „Es ist falsch, dass wir Kevin verkaufen wollen. Er ist unverändert ein wertvoller Spieler für uns, auf den wir langfristig bauen wollen. Er ist deswegen für uns unverkäuflich.“

Trotz aller Beteuerungen des Clubs - Präsident Josef Schnusenberg hatte schon im Dezember betont, man plane über das Vertragsende 2010 hinaus langfristig mit Kuranyi - wird der Stürmer offenbar von Zweifeln geplagt. In der „Bild“-Zeitung verriet Müller: „Kevin sagte zu mir: Ich habe in den letzten drei Jahren richtig gelitten, so wie ich von den Fans hier behandelt wurde.“

Ob Kuranyi Schalke tatsächlich um seine Freigabe bitten oder sich lediglich erneut des Vertrauens der Clubführung vergewissern wollte, ist unklar. Die Aussagen des Angreifers, der in dieser Saison bisher sechs Tore erzielte, sind schwammig. „Natürlich ist es immer schwierig, wenn andere Vereine kommen und Interesse an einem Spieler bekunden und der eigene Verein gibt einem nicht das Gefühl, dass man unbedingt behalten werden soll“, sagte er dem DSF, ergänzte aber: „Ich habe noch eineinhalb Jahre Vertrag und bin unverkäuflich, deswegen habe ich viel Zeit ­ wir werden sehen, ob der Verein auf mich zählt und ob ich auf den Verein zähle.“

Kurz zuvor hatte dies in einem vom Verein auf der Club-Homepage veröffentlichten Interview noch anders geklungen. „Für mich ist klar: Ich will mich hier bei Schalke 04 durchsetzen und beweisen. Niemand wird ein wirklich großer Spieler, wenn er in schweren Zeiten davon läuft. Ich laufe nicht vor Problemen weg (...). Deswegen werde ich nicht wechseln“, wurde der 26-Jährige dort zitiert.

Ob Kuranyi tatsächlich über diesen Sommer hinaus im Revier bleibt oder sich die Wege trennen, ist völlig unklar. Mittlerweile kommen wohl auch Müller Bedenken, ob Kuranyi - wie seit seiner Verpflichtung vor dreieinhalb Jahren erhofft - noch der große Durchbruch gelingt. Derzeit ist seine Entwicklung eher rückläufig. Bislang stärkte der Club dem „Sensibelchen“ auch in schwierigen Situationen stets den Rücken - wie nach dessen Nichtberücksichtigung durch den DFB für die WM 2006 oder seiner unklugen und wenig später schon wieder bereuten Flucht aus der Nationalelf im vorigen Oktober.

Doch die Zuneigung bröckelt nicht nur bei den Fans merklich, woran der oft um Anerkennung Buhlende durch seine Leistungen und sein Verhalten abseits des Platzes selbst Anteil hat. Müller mochte sich in einem WDR-Interview bereits nicht mehr festlegen, was in den nächsten Monaten passiert. „Wenn wir sagen, er bleibt, dann bleibt er. Aber ich werde keine Aussage treffen, was im Sommer ist.“

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