Wie einst Heynckes: Hansi, der Chefumarmer

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Zwei Männer lachen sich auf dem Fußballplatz an
Hansi Flick (li.) sucht den Kontakt zu Joshua Kimmich. Der Ausgewechselte findet das gut. (Foto: Laci Perenyi/imago images)
FilippoCataldo

Klar, mit seinem ganz persönlichen 4-4-2 (4:0 in Düsseldorf, 4:0 gegen Borussia Dortmund, 2:0 gegen Roter Stern Belgrad) hat Hansi Flick dem FC Bayern sein Selbstverständnis wiedergegeben. „Am Ende liegt es immer an uns, weil die Qualität immer höher als die des Gegners ist“, übersetzte der Schwabe Joshua Kimmich nach dem mühelos-überzeugenden 4:0 in Düsseldorf das Vereinsmotto „Mia san Mia“ ins Deutsche.

Bayern ist also wieder Bayern. Weil der Rekordmeister wieder einen Trainer hat, der die Mannschaft so spielen lässt, wie es ihrem Selbstverständnis entspricht. Keinen zaudernden und übervorsichtigen Außenseiterfußball Kovac’scher Prägung, sondern hoch pressenden bajuwarischen Dominanzball. „Wir laufen mutiger an. Das tut unserem Spiel gut. Es ist schwieriger, immer zehn Spieler auszuspielen, anstatt offensiv den Ball zu gewinnen und dabei 20, 30 Meter vor dem Tor zu sein“, dozierte Kimmich und betonte auf Nachfrage: „Wie wir vorne anlaufen, ist ganz klar Vorgabe des Trainers.“

Bayern ist aber auch wieder Bayern, weil – zumindest momentan – die Spieler spielen, die spielen sollten, wenn man die Kabine gewinnen will. Oder anders ausgedrückt: Ist Thomas Müller glücklich, ist meist auch der Rekordmeister glücklich. Und Thomas Müller ist derzeit sehr glücklich. Nicht nur, weil die Karriere seiner Frau Lisa Müller im Dressur-Weltcup richtig Fahrt aufgenommen hat. An allen Toren von Benjamin Pavard (11.), Corentin Tolisso (27.), Serge Gnabry (34.) und Philippe Coutinho (70.) war Kabinen-Wortführer Müller beteiligt. „Er gibt uns alternativlos vor, was zu tun ist. Das gibt uns Sicherheit. Wir fühlen uns wohl“, hob Müller den Daumen für Flick. Und weil auf der Tribüne Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und der neue Präsident Herbert Hainer bei seiner Pflichtspielpremiere als Nachfolger von Uli Hoeneß sich auf Anhieb als beste Tribünenfreunde präsentierten und bei jedem Tor fröhlich abklatschten, kann wohl behauptet werden: So viel Harmonie war bei den Münchnern zuletzt unter Jupp Heynckes. Zufall, dass sich Flick auch auf ihn berief, als er gefragt wurde, wieso er die ausgewechselten Spieler stets umarmen würde? „Das ist was ganz Normales meiner Meinung nach. Ich bin halt so. Ich habe das von meinen Trainern, die ich gehabt habe, wie Jupp Heynckes. Für mich ist das ganz normal, dass man eine gewisse Empathie hat für die Spieler. Das sind Dinge, die wichtig sind im Fußball, gerade in der heutigen Zeit.“

Doch wie lange bleibt der empathische Flick denn nun Chef? Aktuell ist er noch ein Mindestens-bis-Weihnachten-Trainer. Angetreten hatte er die Nachfolge von Niko Kovac noch als Gegenwartstrainer für zwei Spiele. Nun freundet er sich offenbar mit dem Gedanken an, zum Für-lange-Hansi werden zu können. „Ich kann mir vieles vorstellen. Es macht mir Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten. Ich versuche meine Arbeit gut zu machen und das kriege ich hin.“ Es war einer der klügeren Schachzüge der Bayern-Bosse, den früheren Löw-Co-Trainer an Bord zu holen. Beim BVB wären sie momentan froh, wenn sie einen Plan F(lick) in der Hinterhand hätten, sollte Lucien Favres Zeit in Dortmund doch bald zu Ende gehen.

Die Zeit von Marco van Basten, in den 1980ern und frühen 1990ern einer der besten Stürmer der Welt, beim niederländischen TV-Sender Fox Sports könnte ebenfalls bald vorbei sein. Der einstige Stürmer und Bondscoach sorgte mit Sieg-Heil-Ausspruch in Richtung des früheren DFB-Chefausbilders Frank Wormuth für einen Eklat. Vor dem Spiel gegen Ajax Amsterdam wurde Heracles Almelos deutscher Trainer Wormuth interviewt. Kurz nach dem Ende des Gesprächs hörte man Van Basten „Sieg Heil“ sagen. Er erklärte später, er habe sich über das Deutsch des Reporters lustig machen wollen. Der Scherz sei „deplatziert gewesen“, sagte er und entschuldigte sich bei Wormuth. Der nahm die Entschuldigung an. „Marcos Bemerkung war unangemessen – nicht nur heute, sondern an jedem Tag“, hieß es in einer Stellungnahme von Fox Sports. Weitere Konsequenzen für van Basten sind nicht ausgeschlossen.

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