Werders Dösigkeit: Punkte verschenkt

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Deutsche Presse-Agentur

13:2 Schüsse aufs Tor, 19:2 Ecken und dann den Ausgleich durch eigene Dösigkeit kassiert: Werder Bremen hat sich beim 1:1 (0:0) gegen Schlusslicht Borussia Mönchengladbach eine schier unglaubliche Bilanz erarbeitet, aber den ersten Sieg in der Rückrunde der Bundesliga verschenkt.

„Das ist unfassbar“, kommentierte Fußball-Profi Torsten Frings die misslungene Generalprobe für das UEFA-Cup-Heimspiel gegen den AC Mailand. Werders Nationalspieler schimpfte über den völlig unnötigen Ausgleich durch Michael Bradley (78. Minute), der quasi im Gegenzug Claudio Pizarros Führungstreffer (77.) egalisierte: „Wir dürfen nie im Leben dieses Tor bekommen.“

Eine weitere Statistik belegte Werders Überlegenheit, das fast ununterbrochene Spiel auf ein Tor. Mit Logan Bailly war es der Gladbacher Torwart, der die meisten Ballkontakte der Borussia aufwies. Immer wieder musste der erst in der Winterpause geholte Keeper retten. Wenn die Bremer nicht am eigenen Ungeschick beim Abschluss scheiterten, dann verzweifelten sie spätestens an Bailly. „Er hat Weltklasse gehalten“, lobte der dieses Mal ironiefreie Gladbach-Coach Hans Meyer: „Er hat Reflexe gezeigt, die sind fantastisch.“

Bei wohlwollender Betrachtungsweise lässt sich festhalten, dass die Bremer fast wie in besten Zeiten dominierten und kombinierten. Angetrieben vom überragenden Mesut Özil rollte Angriff auf Angriff über die überforderten Gladbacher hinweg. Sage und schreibe zehnmal schoss allein Pizarro aufs Gladbacher Tor. Im Vergleich zu den bisherigen Punktspiel-Niederlagen des noch jungen Jahres gegen Arminia Bielefeld und Schalke 04 war eine deutliche Steigerung unverkennbar.

Bei weniger schmeichelhafter Einordnung lässt es sich mit den Worten von Frings formulieren: „Da fehlt die Cleverness vor dem Tor.“ Seine Kollegen hätten Borussias Torhüter „zu oft angeschossen“. Und als Pizarro endlich getroffen hatte, passierte das Unfassbare: Die gesamte Werder-Defensive schlief, ließ einen schwachen Freistoß des lange auf der Bank schmorenden Marko Marin passieren und schaute zu, wie Bradley den Ball mit der Brust ins Tor bugsierte. „Das sind unsere wahren Probleme“, klagte Manager Klaus Allofs.

„Das ist das Schlimmste am ganzen Spiel“, kommentierte Abwehrchef Per Mertesacker, der weitestgehend beschäftigungslos war: „In den entscheidenden Szenen sind wir nicht gründlich genug.“ Und auch Trainer Thomas Schaaf klagte, dass ihn der Gegentreffer „mehr ärgert als die ganzen vergebenen Torchancen“. Die fehlende Effektivität und die auffällige Schlampigkeit sieht Mertesacker als ein „Sinnbild für diese ganze Saison“.

Für die hoffnungslos unterlegenen Gladbacher war der Punkt ein unverdientes Geschenk, das im Abstiegskampf aber zu wenig ist. Mit der in Bremen gezeigten Mauertaktik und dem schwachen Spielaufbau dürfte der Tabellenletzte wohl kaum die notwendigen Punkte holen. „Ich bin nach Gladbach gekommen, um der Borussia dabei zu helfen, den Klassenverbleib zu schaffen“, sagte der Torwart. Sich allein auf Bailly zu verlassen, ist auf Dauer allerdings zu wenig.

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