Werder gibt Titeljagd endgültig auf

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die ganz großen Ziele gibt Werder Bremen schon auf, obwohl das neue Jahr gerade erst einen Bundesliga-Spieltag alt ist.

„Nach einer Heimniederlage gegen Bielefeld müssen wir nicht mehr von Meisterschaft oder Champions League reden“, stellte Sportdirektor Klaus Allofs nach dem kapitalen Fehlstart in die Rückrunde fest. Das unerwartete 1:2 (1:1) hat die angekündigte Aufholjagd vorzeitig beendet und die Bremer Probleme erneut schonungslos offengelegt. Angesichts der fehlenden Kontinuität erscheint es nicht verwunderlich, dass Werder nun das Augenmerk auf den DFB-Pokal und den UEFA-Cup legt. „Wir sind ja noch in drei Wettbewerben, da ist noch viel Fantasie drin“, sagte Allofs.

Der K.o.-Modus der Fußball-Pokalwettbewerbe passt in dieser Saison mit ihren vielen Aufs und Abs tatsächlich eher zu den Bremern als die Meisterschaft, die langen Atem und auch gegen vermeintlich kleine Gegner volle Konzentration verlangt. Wie schon gegen die Kellerkinder Mönchengladbach, Karlsruhe oder Bochum reichten die Einsatzbereitschaft und das Durchsetzungsvermögen gegen die leidenschaftlich kämpfenden Bielefelder nicht aus. Werders spielerische Vorteile führten zwar trotz mehrerer Ausfälle zu 73 Prozent Ballbesitz, aber nicht zu einem Plus an zwingenden Aktionen. „Wir konnten die Bielefelder nie richtig in Not bringen“, lautete das ernüchternde Fazit von Trainer Thomas Schaaf.

Trotz offensichtlicher Schwächen hat Werder in Alexandros Tzilois nur einen neuen Spieler geholt und zudem Stürmer Boubacar Sanogo an den Ligakonkurrenten und Spitzenreiter 1899 Hoffenheim abgegeben. „Es macht keinen Sinn, die Mannschaft auf den Kopf zu stellen, weder sportlich noch finanziell“, erklärte Allofs. „Nur um irgendwelchen Erwartungen gerecht zu werden, verfallen wir nicht in Aktionismus.“ Auch die schlimmste Schwachstelle auf der linken Verteidigungsseite wird so schnell nicht behoben werden. „Es gibt auf dieser Position keinen, der für uns finanzierbar ist“, sagte Allofs.

Die Spielerdecke ist jedoch zu dünn. Stars wie Diego und Claudio Pizarro, die nach Tätlichkeiten noch gesperrt waren, kann Werder nicht ersetzen. „Das zeigt, wie ärgerlich es ist, Spieler durch solche Aktionen zu verlieren“, sagte Allofs. Fehler machten gegen Bielefeld aber nicht nur der erneut enttäuschende Linksverteidiger Tosic oder der erschreckend schwache Mittelfeldspieler Jurica Vranjes, sondern auch Etablierte wie Torsten Frings. Nachdem Hugo Almeida (44. Minute) die Bielefelder Führung durch Thorben Marx (24.) ausgeglichen hatte, bereitete der Nationalspieler den entscheidenden Treffer von Arminen-Torjäger Artur Wichniarek (49.) mit einem schweren Schnitzer vor. „So ein Fehler darf nicht passieren“, sagte Allofs unmissverständlich.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen