Weltmeister Littbarski mit Vaduz im Abstiegskampf

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde der gebürtige Berliner 1990 in Italien Weltmeister. Mit dem FC Vaduz, der aufgrund einer umstrittenen Sonderregelung zumindest bis Sommer 2010 am Spielbetrieb in der Schweiz teilnimmt, liegt der 73-malige Ex-Nationalspieler (18 Tore) auf dem vorletzten Rang in der höchsten Spielklasse. „Man muss als Trainer oft erst auf die Nase fallen, bevor man es in die Spitze schaffen kann“, sagt der 48-Jährige.

Bereits in Japan und Australien, Deutschland und dem Iran betreute er Mannschaften - heute kennt sich Littbarski auch in Liechtenstein aus. Im WM-Qualifikationsspiel erwartet er einen klaren Sieg der deutschen Nationalelf gegen seine „neue Heimat“. „Immer wenn es um etwas geht, sind sie eisern, konzentriert. Wenn es normal läuft, gewinnt Deutschland mit 5:0 oder 6:0“, sagte Littbarski der Deutschen Presse-Agentur dpa. Den Ausfall von Stürmer Miroslav Klose (Sprunggelenk) sieht er allerdings als klare Schwächung: „Dass er ausfällt, ist ein herber Rückschlag. Dafür hoffe ich, Mario Gomez in der Form zu sehen, wie er sie beim VfB Stuttgart zeigt.“

Für den Fußball in Liechtenstein sei die Deutschland-Partie ein „Riesenereignis“, sagt Littbarski. Der Nachbar gilt als strukturelles Vorbild. Bei der übrigen Bevölkerung des „Zwergenstaats“ mit seinen gut 35 000 Einwohnern sei die Euphorie eher „nicht so groß“. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zählt mehr als 6,5 Millionen Mitglieder, Liechtenstein kommt gerade einmal auf rund 1700 aktive Fußballer.

Seit einem halben Jahr führt Littbarski den FC Vaduz - aus dem Tabellenkeller hat er ihn noch nicht führen können. „Wir stecken in einem absoluten Überlebenskampf“, sagt der Vize-Weltmeister von 1982 und 1986. Seine Spieler müssten den Abstiegskampf annehmen. „Ein Ex-Trainer von mir hat immer gefordert, dass man den Platz umpflügen muss“, sagt der 406-malige ehemalige Bundesliga-Profi (116 Tore).

Von seinen bisherigen Trainer-Stationen bleibt Littbarski der Iran in besonders schlechter Erinnerung. „Man hat uns dort permanent unter Druck gesetzt“, sagt er über sein zehn Wochen währendes Intermezzo im Herbst 2008. Wegen Kompetenzgerangels in der Führungsetage habe er dort nie in Ruhe arbeiten können. Nach zwei ersten Plätzen in der höchsten Amateur-Liga Japans, einem Meistertitel in Australien und durch seinen Ruf als Weltenbummler macht sich „Litti“ heute keine allzu großen Illusionen über ein potenzielles Top-Engagement als Trainer in der deutschen Bundesliga. „Klar bin ich bereit dazu“, sagt er. „Man würde mir wohl aber nur einen Abstiegskandidaten anbieten.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen