Weltmeister Eckel über Herberger: „Vater-Sohn-Verhältnis“

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Horst Eckel
Weltmeister 1954: Horst Eckel betrachtet die Sonderausstellung „Post vom Chef - Herbergers Briefe an die Weltmeister“. (Foto: Bernd Thissen / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Heinz Büse

Horst Eckel war sichtlich bewegt. Beim Blick auf die Fotos von seinen ehemaligen Mannschaftskollegen aus der deutschen Nationalmannschaft und die Briefe des ehemaligen Bundestrainers Sepp Herberger kam beim letzten noch lebenden Weltmeister von 1954 Demut auf.

„Es ist schön, dass ich noch da bin und ein bisschen von dem erzählen kann, was früher bei uns passiert ist“, kommentierte der erstaunlich rüstige 87-Jährige zum Start der Sonderausstellung „Post vom Chef - Herbergers Briefe an die Weltmeister“ am Mittwoch im Deutschen Fußballmuseum.

Die Schreiben des ehemaligen Bundestrainers stammen aus der Zeit vor und nach der WM 1954. Sie dokumentieren die enge Verbundenheit des 1977 verstorbenen Herbergers mit seinen Spielern und wurden in einem gleichnamigen Buch zusammengefasst. Auch Eckel erhielt mehrere Briefe vom strengen „Chef“.

Die abermalige Lektüre der Korrespondenz weckt in dem einstigen rechten Läufer Erinnerung an die besondere Beziehung zu Herberger: „Er war nicht nur mein Trainer. Es war ganz nah an einem Vater-Sohn-Verhältnis zwischen mir und ihm.“ Auf Fragen nach dem Inhalt der Briefe antwortete Eckel mit einem schelmischen Lächeln: „Es war ein bisschen mehr Lob dabei.“

Das 3:2 der DFB-Elf in Bern über das damals eigentlich übermächtige Starensemble aus Ungarn, das sich am 4. Juli 2019 zum 65. Mal jährt, wurde zum Mythos. Der „Geist von Spiez“ ist als Begriff ebenso wie die legendäre Radio-Reportage von Herbert Zimmermann („Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen“) fest im kollektiven Fußball-Gedächtnis der Nation verankert.

„Es war der Urknall für den deutschen Fußball. Ohne ihn hätte er sich ganz anders entwickelt“, urteilte Museumsdirektor Manuel Neukirchner. Nach Meinung des Historikers Joachim Fest ist der 4. Juli 1954 gar „in gewisser Hinsicht das Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland“.

Das „Wunder von Bern“ festigte den Ruf von Herberger als akribischem Arbeiter. Auch die Briefe an seine Spieler waren nach Meinung von Neukirchner „ein regelrechtes Kommunikationswerkzeug zur Mannschaftsführung“. So schrieb er im Oktober 1953 an den damals 21 Jahre alten Eckel, dass er im WM-Qualifikationsspiel gegen das damals noch eigenständige Saarland in Stuttgart „eine gute Partie geliefert habe“, fügte aber in einer für ihn typischen Manier hinzu: „Allerdings, und das muss auch gesagt werden, sind Sie dann gegen Spielschluss einige Male wieder in Ihren alten Fehler des zu langen Ballhaltens verfallen.“

Der älteste Brief aus dem Buch-Band datiert vom 20. Dezember 1942. Im Kriegswinter schreibt Herberger an Fritz Walter, der damals für die Militärmannschaft „Pariser Soldatenelf“ kickte, obwohl die Reichssportführung ein offizielles Spielverbot für die Nationalspieler verfügt hatte. „Halten Sie sich zurück, machen Sie sich selten und sorgen Sie dafür, dass Ihr Name in den nächsten Wochen nicht genannt wird“, empfahl er Walter, der schon seit 1940 Nationalspieler war.

Dem damaligen Verteidiger Werner Kohlmeyer gab er aus Sorge um dessen Fitness Monate vor der WM einen guten Rat: „Fahren Sie zum Geschäft und vom Geschäft und zum Training und vom Training nicht mit dem Auto und auch nicht mit dem Motorrad, sondern nehmen Sie das Fahrrad und was noch besser ist, gehen Sie zu Fuß.“

Nicht nur mit dem Siegtorschützen Helmut Rahn hielt Herberger sogar bis zum Ende seiner Zeit als Bundestrainer 1964 Kontakt. So bedankte sich Ottmar Walter nach einem Selbstmordversuch 1969 schriftlich bei Herberger für die „große Hilfe“ während seiner Kur und bittet ihn um „väterlichen Rat“ für die Zukunft.

Zum Start der Sonderausstellung mit 40 Briefen, die bis zum 26. August in Dortmund und in diversen Sportschulen des Landes zu sehen sein wird, würdigte auch DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg die Verdienste von Herberger um den Erfolg in Bern: „Ein Wunder war es nicht. Damit würde man seiner Person nicht gerecht werden - bei aller Akribie, mit der er gearbeitet hat.“

Profil Horst Eckel

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