Weltcupsiege für Wolf und Friesinger

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Deutsche Presse-Agentur

Anni Friesinger stieß einen Jubelschrei aus und ballte die Faust, Jenny Wolf stürmte mit Bahnrekord zum zwölften Saisonsieg: Die deutschen Asse haben in Erfurt für einen Super-Auftakt beim Eisschnelllauf-Weltcup gesorgt.

Friesinger landete gleich im ersten 1500-Meter-Rennen seit fast elf Monaten den ersten Saisonerfolg im Weltcup und verwies in 1:56,90 Minuten die einheimische Daniela Anschütz-Thoms (1:58,13) auf Platz zwei.

„Ich bin total happy, das Stockerl war mein Ziel“, meinte Friesinger strahlend, nachdem sie ihren eignen Bahnrekord nur um 0,8 Sekunden verpasst und ihren 56. Weltcupsieg gelandet hatte. „Nur die letzte Runde ging noch ein wenig schwer“, meinte die Inzellerin. „Sie hat genau das gemacht, was auf meinem Zettel stand“, lobte Trainer Gianni Romme. Friesinger sprang damit auch auf Anhieb auf Platz elf des Gesamtklassements. „Ich muss mich jetzt langsam vorarbeiten, ich brauche jedes Rennen“, meinte die Weltmeisterin nach ihrem Glanzlauf.

Auch Vize-Europameisterin Anschütz-Thoms war vor heimischer Kulisse mit Platz zwei sehr zufrieden. „Zuhause ist man immer besonders aufgeregt. Da will man immer sein Bestes geben“, meinte die 34 Jahre alte Erfurterin. Hingegen war Europameisterin Claudia Pechstein (Berlin) nach einwöchigem Infekt noch nicht wieder topfit und wurde Siebte.

Tags zuvor fühlte sich auch Jenny Wolf noch müde und ausgepowert, doch mit dem Startschuss explodierte sie regelrecht und erkämpfte über 500 Meter mit souveränem Vorsprung den insgesamt 38. Weltcupsieg ihrer Karriere. Einen Tag vor ihrem 30. Geburtstag drückte sie in 37,58 Sekunden ihren eigenen Bahnrekord gleich um 0,30 Sekunden.

„Ich weiß, dass die Form stimmt, diese Siege sind nur Lohn für harte Arbeit“, meinte die Berlinerin und stemmte den Pokal für die neuerliche Rekordmarke in die Höhe. „Nie hätte ich heute mit so einer Zeit gerechnet“, fügte sie hinzu, nachdem sie die Chinesinnen Yu Jing (38,18) und Jin Peiyu (38,30) in Schach gehalten hatte. Schon vor dem ersten Startschuss stand sie zum vierten Mal in Serie als Siegerin im Gesamt-Weltcup fest. Die Südkoreanerin Lee Sang-Hwa, die einzige Läuferin, die der Weltmeisterin den vierten Triumph in Serie noch hätte streitig machen können, sagte ihre Teilnahme an den Wettbewerben in Thüringen ab. Im Klassement führt Wolf nun mit 985 Punkten bei zwei ausstehenden Rennen uneinholbar vor Lee (590) und darf sich über die erneuten 14 000 Dollar Preisgeld freuen.

„Das war wohl ihr bester Lauf in dieser Saison“, sagte Teamchef Helge Jasch begeistert. „Eine 10,20 als 100-Meter-Angangszeit trotz vorangegangenem Fehlstart - das hat es wohl zuvor noch nie gegeben“, meinte ihr Trainer Thomas Schubert: „Sie ist jetzt einfach Profi und steckt solche Handicaps weg.“ Immerhin lag die Startzeit um 0,02 Sekunden unter ihrem eigenen Erfurter 100-Meter-Weltrekord, der aber nicht als Durchgang in 500-Meter-Rennen aufgestellt werden darf.

Für eine Überraschung sorgte am Freitag der EM-Sechste Robert Lehmann über 5000 Meter. Der 25 Jahre alte Erfurter gewann auf seinem Heimateis die B-Gruppe in 6:27,50 und verfehlte damit den Bahnrekord nur knapp. Mit der Saisonbestzeit deutete der Thüringer sein Potenzial mit Blick auf die Mehrkampf-WM in einer Woche in Hamar an.

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