Weltcup-Sieg für Peiffer - DSV verteidigt Ullrich

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Deutsche Presse-Agentur

Arnd Peiffer hat mit einem perfekten Rennen den ersten Weltcup-Sieg seiner Laufbahn erkämpft und den 90. Triumph des alten und neuen Weltcup-Gesamtsiegers Ole Einar Björndalen verhindert.

Doch auch mit dem zweiten Platz sicherte sich der norwegische Rekordweltmeister beim Weltcup-Finale im russischen Chanty Mansijsk vorzeitig zum sechsten Mal die Große Kristallkugel und gewann auch die Saison-Sprintwertung klar.

„Vergangene Woche in Trondheim bin ich völlig ohne Punkte geblieben, heute hat's perfekt geklappt. Da sieht man mal, wie eng es bei uns zugeht“, sagte Peiffer. Der Harzer war acht Tage nach seinem 22. Geburtstag dank fehlerfreier Schießleistung auf „Superski“ gleich 23,7 Sekunden schneller als Björndalen, der eine Strafrunde drehen musste. „Mal sehen, wie es ist, wenn ich als Erster ins Verfolgungsrennen starten darf“, bemerkte er.

Zum besten Saison-Resultat der deutschen Skijäger trugen auch Andreas Birnbacher (Schleching/+ 33,3 Sekunden) als Fünfter, Michael Greis (Nesselwang/+ 37,8) auf Platz sieben und Alexander Wolf (Oberhof/+ 58,3) auf Position elf bei. Auch das Trio hat mit den knappen Rückständen noch beste Chancen, weiter nach vorn zu laufen. Trotzdem steht Bundestrainer Frank Ullrich weiter unter Beschuss.

Nach Doping-Anschuldigungen aus der DDR-Vergangenheit wird der Olympiasieger schon bald ein Gespräch mit Funktionären des Deutschen Skiverbandes (DSV) führen. „Das wird wahrscheinlich nächste Woche schon stattfinden. Und dann wird man sehen, wie es weitergeht“, erklärte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach. Ullrich bestreitet die durch den früheren Biathleten Jürgen Wirth erhobenen Vorwürfe. Der Skiverband hält Wirth nach momentanem Kenntnisstand weiter für unglaubwürdig.

Vor dem Weltcup-Sprint der Männer hatte Wirth im übertragenden TV-Sender ARD seine Doping-Anschuldigungen gegen Ullrich und den früheren DDR-Cheftrainer Wilfried Bock erneuert. Vor den Fernsehkameras erklärte der Staffel-Weltmeister von 1987, dass die Trainer Bock und Ullrich die Anweisung gegeben hätten, „dass wir mit trainingsunterstützenden Mitteln arbeiten müssen“. Auch Bock bestreitet die Vorwürfe, die Wirth in einem Beitrag der ARD-Sportschau erhoben hatte.

„Die letzten drei Tage haben wir die Aktenlage, soweit sie uns zur Verfügung stand, genau geprüft. Daraus ist hervorgegangen, dass man zumindest Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieses Zeugen äußern muss“, sagte Schwarzbach ebenfalls vor den Kameras. „Wenn man die komplette Akte studiert von dem Vernehmungsprotokoll, dann ist ganz klar zu erkennen, dass Frank Ullrich als einziger Trainer vom Zeugen Wirth entlastet wird, wohingegen sämtliche anderen Trainer und Mediziner belastet werden“, sagte Schwarzbach der Deutschen Presse-Agentur.

Die von der ARD-Sportschau verbreiteten aktuellen Wirth-Aussagen stünden im direkten Gegensatz zu seinen früheren Zeugenaussagen vor dem Landeskriminalamt aus dem Jahre 1991, hatte der Skiverband am Dienstag in einer schriftlichen Mitteilung erklärt. Bereits am Mittwochabend korrigierte der Verband das Datum des ihm vorliegenden Protokolls auf das Jahr 1995. „Das ändert aber nichts am Inhalt und an der Aussage des Vernehmungsprotokolls“, sagte Schwarzbach.

In dem Protokoll soll Wirth nach DSV-Angaben unter anderem festgestellt haben: „Für mich kann ich sagen, dass ich von dem (Frank Ullrich) nie diese Tabletten bekommen habe.“ In der ARD-Sportschau am Sonntag hatte der in Bad Berleburg lebende Wirth erklärt: „Frank Ullrich hat uns damals angewiesen, dieses Mittel Oral-Turinabol einzunehmen, damit wir schneller wieder regenerieren, das heißt, schnellere Erholungsphasen haben.“

In der TV-Sendung stellte Wirth fest, dass die Vergabe des auch als „blauer Blitz“ bezeichneten Mittels ausschließlich über den Arzt oder den Physiotherapeuten abgewickelt worden sei. „Ich habe nie behauptet, dass ein Frank Ullrich oder ein Wilfried Bock mir jemals eine Tablette in die Hand gegeben hat“, sagte Wirth. Auf Nachfrage des ARD-Reporters bestätigte Wirth, dass Ullrich bei den Mannschaftsbesprechungen dabei gewesen sei und „dort diese Einnahmen überwacht“ habe. „Wer dort etwas anderes behauptet, verdreht die Tatsachen.“

Aufklärung in den Fall will eine vom DSV gebildete Kommission bringen. Sie will nun bei den zuständigen Behörden noch einmal Akteneinsicht beantragen und sich noch einmal umfassend informieren, meinte Schwarzbach.

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