Weinzierl nimmt Arbeit beim VfB auf: Deshalb ist er die Wunschlösung

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Markus Weinzierl
Markus Weinzierl. (Foto: Thomas Frey/Archiv / DPA)

Wenn Markus Weinzierl heute zum ersten Mal das Grün des Stuttgarter Trainingsgeländes betritt und als neuer Trainer vor den VfB-Kicker steht, könnte es durchaus sein, dass irgendwo am Rande, an einem eher unbeobachteten Punkt, Sportvorstand Michael Reschke und Präsident Wolfgang Dietrich einträchtig nebeneinander stehen. Vielleicht legt der eine dem anderen aufmunternd den Arm um die Schultern, möglicherweise gibt es ein zufriedenes Nicken und die einende Hoffnung, dass nun endlich alles wieder gut wird in Bad Cannstatt.

Denn der gebürtige Straubinger Weinzierl dürfte – nimmt man einmal den wohl auf höhere Weihen wartende Ralph Hasenhüttl als Überlösung heraus – zumindest die unumstrittene Wunschlösung aller Beteiligten gewesen sein. Und das aus gleich mehreren Gründen. Nicht nur, dass die präferierte Offensiv-spielphilosophie des 43-Jährigen perfekt auf den von Reschke zusammengestellten und auf schnelles Umschaltspiel ausgelegten Kader passt.

Auch sind die Bosse schon seit längerer Zeit vom jetzt auserkorenen Nachfolger von Tayfun Korkut überzeugt. Weinzierl wurde bereits nach dem Aus von Aufstiegstrainer Hannes Wolf Ende Januar intern hoch gehandelt. Damals scheiterte die Verpflichtung am bestehenden Vertragsverhältnis von Weinzierl bei Ligarivale Schalke 04, bei dem er mit Platz zehn in der Saison 2016/17 nicht den Ansprüchen genügt hatte. Die Traumlösung blieb eine Neuadaption der Königskinder, die einfach nicht zusammenkommen. Also trat Korkut auf die Bühne, strafte Kritiker Lügen, triumphierte erst, um dann doch noch böse abzuschmieren.

Nun soll alles anders werden, der Tabellenletzte endlich wieder attraktiv spielen, Tore erzielen und – am wichtigsten – in der Tabelle klettern. „Ich freue mich sehr auf die Aufgabe. Der VfB ist ein großer Verein, der sich momentan in einer sportlich schwierigen Situation befindet. Dennoch bin ich vom Potenzial der Mannschaft und des Vereins überzeugt. Ich habe die Bundesliga in den vergangenen Monaten intensiv beobachtet und brenne darauf, die Arbeit mit meiner neuen Mannschaft zu beginnen“, sagte Weinzierl in einem offiziellen Statement.

Auch lässt Reschke in den schweren Tagen keinen Zweifel an seiner Entscheidung: „Mit Markus Weinzierl haben wir einen absolut erfolgshungrigen Trainer verpflichtet, der die Bundesliga genau kennt und weiß, auf was es in unserer Situation ankommt. Wir sind davon überzeugt, mit Weinzierl den richtigen Trainer für unseren VfB verpflichtet zu haben. Er wird unsere Mannschaft entscheidend weiterentwickeln.“

Offensiv wie beim FC Augsburg

Schon vor einigen Monaten war diese Überzeugung vorhanden, jetzt folgt der Praxistest. Und der hat es in sich. Weinzierl erwartet viel Arbeit, die schnelle Verpflichtung und die Länderspielpause könnten da eher förderlich sein, um an Abstimmung und nicht zuletzt an der Mentalität der Profis um Kapitän Christian Gentner und die zuletzt glücklosen Offensivakteure Mario Gomez und Co zu arbeiten. „Es geht darum, die Mannschaft zu stabilisieren. Speziell in der Offensive müssen wir erfrischender und torgefährlicher spielen“, sagte Reschke.

Das wird auch dem neuen Coach nicht entgangen sein, der 15 Monate zum Zuschauen degradiert war und damit genug Zeit für Videostudien des VfB hatte. Denn schon vor dem katastrophalen 1:3 am Samstag bei Hannover 96, das Korkut zum Verhängnis wurde, hatte sich diese Entwicklung angedeutet. Nur ein Sieg aus sieben Ligaspielen sowie das Pokalaus bei einem Drittligisten ließen wenig Raum für Interpretationen.

Der neue starke Mann beim VfB Stuttgart: Markus Weinzierl
Der neue starke Mann beim VfB Stuttgart: Markus Weinzierl (Foto: dpa)

Weinzierl soll also nun genau das richten, was er schon vorige Saison hätte angehen sollen – und nicht nur das. Beim fünfmaligen deutschen Meister erhält er einen Vertrag bis 2020 – so lange läuft auch noch Korkuts Vertrag.

Positiv betrachtet, erhält Weinzierl genug Zeit, um die Ziele zu verwirklichen, die er schon beim Nachbarn aus Augsburg bis 2016 erreichte. Mit stürmischem – und freudigem – Fußball führte er den FCA bis in die Europa League. Sollte ihm das auch beim VfB womöglich zeitnah gelingen, wird aus dem verzögerte Jawort doch noch eine gelungene Verbindung.

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