Was wäre, wenn? Wie es im Fußball weitergehen könnte

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Spielabsagen
Das Coronavirus sorgt auch im Fußball für Chaos. (Foto: Kathrin Brunnhofer / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Patrick Reichardt

Und jetzt? Die immer stärkere Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie beschäftigt auch den deutschen Fußball und seine Millionen Fans.

Die Deutsche Presse-Agentur skizziert Szenarien, wie es mit der Fußball-Saison weitergehen könnte und welche Auswirkungen der Ausnahmezustand auf die Wertung der aktuellen Spielzeit hätte.

SZENARIO 1: Nach einer EM-Absage bleibt Zeit bis Ende Juni

Für die europäischen Fußball-Ligen würde eine EM-Verschiebung vor allem eines bedeuten: mehr Zeit. Bis zum Ende der aktuellen Saison (die Verträge der Spieler enden am 30. Juni) könnte dann versucht werden, die verbleibenden Spieltage der Ligen durchzudrücken. Das wirkt angesichts der aktuellen Lage und der großen Rasanz, mit der das Virus grassiert, aber wie ein letzter Strohhalm und wirft große Fragen auf.

Das ist ein Szenario, das bislang kaum öffentlich thematisiert wird, weil die UEFA noch keine Anstalten macht, die paneuropäische EM in zwölf Ländern abzusagen beziehungsweise zu verschieben. Für den kommenden Dienstag ist eine Videokonferenz mit allen 55 Mitgliedern anberaumt, bei der über die Zukunft aller nationalen und europäischen Wettbewerbe diskutieren werden soll. Es soll explizit auch um die EM gehen, bei der seit Tagen immer wieder über eine Verschiebung auf den Sommer 2021 spekuliert wird. Belastbare Quellen gibt es dafür bisher nicht.

Hannover 96, der 1. FC Nürnberg und Real Madrid stehen nach positiven Tests in den Vereinen schon jetzt unter Quarantäne, weitere solche Fälle werden folgen. In der Champions League waren deswegen schon mehrere Spiele verschoben, bevor die UEFA den Wettbewerb komplett unterbrach. Jeder einzelne Fall wird auch nach einer Spielpause dafür sorgen, dass Spiele abgesagt werden und umgeplant werden müssen. Angesichts von weiteren Quarantäne-Fällen wirkt selbst das Zeitfenster bis Ende Juni winzig klein. An eine Rückkehr von Zuschauern in den Stadien ist derzeit sowieso nicht zu denken.

SZENARIO 2: Annullierung der ganzen Saison nach einem Abbruch

Das würde bedeuten, dass die bisherige Saison und alle Spiele seit August komplett nichtig wären. Der aktuelle Tabellenstand hätte keine Bedeutung, einen Meister gäbe es nicht. So hat zum Beispiel die Deutsche Eishockey Liga (DEL) in dieser Woche entschieden. Stattdessen würden die gleichen 18 Vertreter wie in der laufenden Spielzeit auch kommende Saison in der Bundesliga spielen, für eine Europapokal-Teilnahme 2021/22 dürfte die Platzierung aus der vorletzten Saison (2018/19) maßgeblich sein.

Angesichts der Tatsache, dass auch der Spielbetrieb in der 3. Liga und im Amateurbereich derzeit eingestellt ist und dort eine reguläre Beendigung der Spielzeit utopisch scheint, könnte das die erste Option sein, auch wenn es natürlich Verlierer gäbe. Arminia Bielefeld würde um einen möglichen Bundesliga-Aufstieg gebracht, international könnte ein Komplett-Stopp mit Annullierung der Ergebnisse den FC Liverpool gar seinen ersten Meistertitel seit 30 Jahren kosten. Dass in Deutschland die DFL wegen der einmaligen Situation auf 20 Teams aufstockt, darf bezweifelt werden.

SZENARIO 3: Wertung der aktuellen Tabelle nach einem Abbruch

Ein weiteres Szenario ist der vorzeitige Abbruch, bei dem nicht komplett annulliert, sondern die aktuelle Tabelle herangezogen wird. Der FC Bayern wäre nach aktuellem Stand erneut Meister, Werder Bremen würde absteigen und der VfB Stuttgart in die höchste deutsche Spielklasse zurückkehren. Dies dürfte bei zahlreichen Vereinen aber für noch deutlich mehr Unmut sorgen und könnte Millionenklagen gegen die DFL zur Folge haben.

Derzeit haben nicht einmal alle Bundesligisten die gleiche Anzahl an Spielen, dazu kommen ein unterschiedlich schwerer Spielplan und die Chance, die den Vereinen durch höhere Gewalt für die restliche abgesagte Saison genommen wird. Zudem käme die Frage auf, wie mit offenen Relegationsspielen umgegangen werden würde. Hier eine Grenze zu ziehen, bei der die DFL nicht von mehreren Seiten für Willkür attackiert wird, scheint praktisch nicht möglich.

Aue-Präsident Helge Leonhardt hat bereits Playoffs für den Kampf um die Meisterschaft sowie Relegationen um Auf- und Abstieg angeregt. Auch das wirft Fragen auf: Welche Tabelle wird hierfür herangezogen? Kann nach einem vorzeitigen Abbruch einfach munter in ein paar Playoff-Spielen beendet werden, was regulär nicht mehr durchführbar war? Der aktuelle Druck, der von Tag zu Tag mächtig wächst, deutet eher darauf hin, dass der Ball ab einem gewissen Zeitpunkt überhaupt nicht mehr rollt und sich die DFL mit den Folgen eines kompletten Abbruchs schon bald konkret beschäftigen muss.

Mitteilung DFL-Präsidium

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