WADA-Chef Fahey zu Nadals Kritik: „Überrascht“

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

WADA-Präsident John Fahey hat die Kritik der Tennisprofis Rafael Nadal und Andy Murray an der neuen Meldepflichtregel für Doping-Kontrollen entschieden zurückgewiesen.

„Ich bin total überrascht, dass diese Beschwerden von Athleten kommen“, sagte der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Die Tennisspieler kennen schon seit Jahren Trainingskontrollen und die Regeln.“

Im neuen Welt-Anti-Doping-Code, der seit 1. Januar in Kraft ist, gibt es jedoch eine umstrittene Änderung: Die Einführung der Ein- Stunden-Regel. Danach muss ein Athlet für jeden Tag eine Stunde angegeben, innerhalb der er für den Kontrolleur anzutreffen ist. Drei Verstöße gegen die Meldepflicht werden mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren geahndet. Für Fahey ist die Ein-Stunden-Regel eher eine Erleichterung für die Sportler: „Es ist einfacher als früher.“ Zuvor hätten sie an sieben Tagen 24 Stunden zur Verfügung stehen müssen.

Der spanische Weltranglistenerste Nadal hatte die neue Meldepflicht-Regel attackiert und als „Schande“ und „inakzeptable Verfolgung“ angeprangert. Aus seiner Sicht werde die Intimsphäre nicht respektiert. Als zu „drakonisch“ bezeichnete der schottische Weltklassespieler Murray die neue WADA-Regel. „Es ist schon etwas enttäuschend, wenn man solche Kommentare hört, nachdem die Änderungen seit den Beschlüssen von Madrid im November 2007 bekannt waren“, meinte Fahey. Offenbar verfügten die Spieler „nicht über die gesamten Informationen“.

Fahey empfahl Nadal und Murray, auf ihren Schweizer Tenniskollegen Roger Federer zu hören, der sich für die neuen Regeln ausgesprochen habe. Kein Verständnis hat er für die Klage von Nadal über die technischen und logistischen Probleme der Meldepflicht über das Internetsystem ADAMS. „Es ist doch viel leichter anzugeben, wo du dich gerade aufhältst, als Flugtickets umzutauschen“, meinte Fahey und verwies darauf, Änderungen der Aufenthaltsorte per SMS, E-Mail oder Fax jederzeit vornehmen zu können.

Außerdem sei es interessant für ihn, dass ausgerechnet gut verdienende Sportprofis sich beklagen und weniger Athleten aus Sportarten, mit denen nicht viel zu verdienen sei und „die sich deshalb keine Manager oder Sekretäre leisten“ könnten. „Ich habe das herrliche Finale der Australian Open im Fernsehen verfolgt, und mir wurde sehr klar, dass Nadal eine Entourage, ein Gefolge hat. Er hat einen Trainer, einen Manager, eine Familie.“ Jeder könne die Meldedaten durchgeben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen