Vorwürfe gegen Clubchef erschüttern Werder

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Deutsche Presse-Agentur

Der 1:0-Sieg im UEFA-Cup-Hinspiel gegen St. Etienne geriet schnell zur Nebensache. Neue Vorwürfe gegen Clubchef Jürgen Born haben Werder Bremen schwer erschüttert, so dass Manager Klaus Allofs nicht nur Spielanalysen und Prognosen für das Rückspiel abgab.

Er sah sich auch gezwungen, weitere Untersuchungen anzukündigen. „Wir haben diese Artikel gelesen, haben uns beraten und sind zu der Entscheidung gekommen, dass wir die Dinge überprüfen müssen“, sagte Allofs mit ernstem Gesicht zu Berichten peruanischer Medien.

Quelle der Vorwürfe gegen den geschäftsführenden Vorsitzenden ist das anstehende Scheidungsverfahren zwischen dem peruanischen Spielerberater Carlos Delgado und dem Modell Fiorella Faré, das nach eigenen Angaben 4000 Dokumente besitzt und einige über ihren Anwalt an einheimische Medien geben lässt. „Ich habe gelernt, vorsichtig zu sein, bei dem was an Meldungen kommt“, sagte Allofs.

Allofs gab dem Clubchef, der seine Ämter derzeit ruhen lässt, verbale Rückendeckung: „Solange ich nicht vom Gegenteil überzeugt werde oder solange es nicht bewiesen ist, bleibt mein Vertrauen zu Jürgen Born bestehen.“ Allofs, derzeit der starke Mann im Club, sagte: „Gegen diese Meldung stehen fast zehn Jahre Zusammenarbeit mit ihm. Da werde ich nicht so schnell von ihm abrücken.“

Gleichwohl nehmen die Bremer die Anschuldigungen so ernst, dass sie einen „unabhängigen und renommierten Wirtschaftsprüfer“ mit der Untersuchung beauftragen wollen. „Wir wollen näheres erfahren, um dann etwas dazu sagen zu können“, erklärte Allofs zu den neusten Vorwürfen. Nach Angaben der Zeitung „La República“ soll Delgados Spieleragentur Image nicht nur Jürgen Born Geld beim Transfer von Roberto Silva 2001 überwiesen haben, sondern auch dessen Sohn Maximilian bei der Vertragsverlängerung von Nelson Valdez 2003. Das berichtete das Blatt unter Berufung auf die Anwälte des Modells Faré.

Born lässt seine Amtsgeschäfte seit Anfang der Woche ruhen. Zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Transfer hatte der 68-Jährige gesagt: „Ich selbst habe im Rahmen des Roberto-Silva-Transfers keine Zahlungen erhalten.“ Woher das Foto von einer Zahlungsanweisung von Silvas Berater Carlos Delgado über 50 000 US-Dollar auf sein Konto bei der Banco de Montevideo stammt, ließ er unbeantwortet. Am Freitag war er für eine Stellungnahme nicht erreichbar, er soll aus privaten Gründen nach Südamerika gereist sein.

Neben Born ist auch Claudio Pizarro ins Gerede gekommen. Der Werder-Stürmer ist Geschäftspartner von Delgado und wird von Dokumenten des Modells Faré ebenfalls belastet. Ihm wird in Peru Steuerhinterziehung vorgeworfen. Eine mögliche Weiterverpflichtung des von Chelsea ausgeliehenen Angreifers hat Allofs vom Ausgang der Untersuchungen in Peru abhängig gemacht. Der Verlust des peruanischen Stürmers wäre aus sportlicher Sicht schmerzlich, im Vergleich zum Fall Born ist der Fall Pizarro aber der weniger gravierende für den Club. „Werder Bremen ist für seine solide Geschäftspolitik bekannt, solche Vorwürfe gefährden unser Image“, hatte Aufsichtsrats-Chef Willi Lemke Anfang der Woche zu dem Fall gesagt.

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