Vorfreude nach Olympia-Test - Herren-Staffel 3.

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Deutsche Presse-Agentur

Olympia kann kommen: Mit drei von vier vergebenen kleinen Weltcup-Kugeln im Gepäck, einer gehörigen Portion Selbstvertrauen und Vorfreude auf die Winterspiele in elf Monaten haben die deutschen Biathleten ihren Olympia-Test in Whistler prima bestanden.

Magdalena Neuner (Wallgau) und Michael Greis (Nesselwang) bejubelten in Kanada die Kristall-Trophäen als Saisonbeste in den Einzelrennen über 15 und 20 Kilometer. Dazu kam die Ehrung für die deutschen Damen als bestes Staffel-Team des Winters. Sahnehäubchen waren der souveräne Start-Ziel-Sieg des deutschen Frauen- Quartetts über 4 x 6 Kilometer sowie der überraschende dritte Platz des blutjungen deutschen „Verlegenheits-Vierers“ im Staffel-Krimi der Männer über 4 x 7,5 Kilometer hinter Schweden und Frankreich.

Das Quartett mit Junioren-Weltmeister Simon Schempp (Uhingen), den beiden Harzern Daniel Böhm (Buntenbock) und Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld), die jeweils Schnellste auf ihrer Runde waren, sowie Schlussläufer Michael Rösch (Altenberg) entlockte nach dem unerwarteten dritten Platz Bundestrainer Frank Ullrich Superlative. „Fantastisch, grandios, wie die Truppe mit einem Durchschnittsalter von nur 22 Jahren gekämpft und für Spannung pur gesorgt hat. Ein Riesenkompliment für die Superleistung“, jubelte er. Schemmp hatte als Neunter gewechselt, Böhm kämpfte sich auf Rang drei nach vorn. Peiffer schickte Schlussmann Rösch sogar auf Rang zwei auf die letzten 7,5 Kilometer, 16 Sekunden hinter den da noch führenden Norwegern und knapp vor Frankreich und Schweden.

Absolut zufrieden zeigte sich auch Magdalena Neuner. „Ich freue mich schon auf meine ersten Olympischen Winterspiele im kommenden Jahr. Hier zu laufen macht richtig Spaß“, sagte „Gold-Lena“ über die Olympia-Loipen in der herrlichen Winterlandschaft um Whistler. Dabei sind die nicht so schweren, aber auch keine Möglichkeit zum Ausruhen bietenden Strecken der sechsmaligen Weltmeisterin nicht auf den Leib geschneidert. Sie kann ihre läuferischen Vorteile eher in sehr schweren Loipen ausspielen. Trotzdem war sie wieder Laufschnellste, im Sprint allerdings nur mit winzigen 1,6 Sekunden vor der Schwedin Anna Carin Olofsson-Zidek.

Weil auf den rhythmisch zu laufenden sehr breiten Loipen durch die kanadischen Wälder die Lauf-Abstände geringer als beispielsweise bei der WM im südkoreanischen Pyeongchang ausfallen, wird bei Olympia sicheres Schießen noch wichtiger werden. Mit 28 Null-Ergebnissen wurde in den beiden Sprints der Männer und Frauen so gut wie in den vergangenen Jahren nie im Weltcup geschossen. „Auch wir haben das prima gelöst, können entspannt wegfahren“, stellte Frauen- Bundestrainer Uwe Müssiggang zufrieden fest.

Gutes Schießen war auch die Grundlage für das beste Staffelrennen seiner laufstarken „Mädels“ in diesem Winter, in dem beim Erfolg vor den starken Chinesinnen und Weltmeister Russland die Taktik voll aufging. Bei ihrer Premiere als Startläuferin lief Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) 16,5 Sekunden Vorsprung heraus und zwang die Konkurrenz zu mehr Risiko. Neuner nutzte das Zeit-Polster, traf erstmals ohne Reservepatrone in einer Staffel alle Scheiben und baute die Führung auf 1:12 Minuten aus. Andrea Henkel (Großbreitenbach) schoss bei ihrem ersten Einsatz als Schlussläuferin makellos und lief wie Wilhelm und Neuner die schnellste Zeit auf ihrer Runde.

Da fielen auch die Zittereinlagen von Martina Beck (Mittenwald), die fünfmal nachladen musste und vier Patronen für ihre letzte Stehendscheibe benötigte, nicht ins Gewicht. „Insgesamt sechs Nachlader sind okay“, sagte der Bundestrainer zufrieden. Als WM- Zweiter hatte das Quartett - allerdings in anderer Reihenfolge laufend - vor drei Wochen in Pyeongchang noch 14 Reservepatronen benötigt und war zudem drei Strafrunden gelaufen.

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